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„Objekt 21“: Sieben Neonazis vor Gericht

Treffpunkt der Neonazi-Gruppe „Objekt 21“ in Vöcklabruck in Österreich.

Treffpunkt der Neonazi-Gruppe „Objekt 21“ in Vöcklabruck in Österreich.

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dpa/Philipp Wiatschka

Den sieben angeklagten Österreichern drohen Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren. Ihnen werden kriminelle Delikte wie Brandstiftung, Erpressung und Entführung sowie nationalsozialistische Wiederbetätigung zur Last gelegt. „Objekt 21“ gilt als die größte und gefährlichste Neonazi-Bande seit Kriegsende in Österreich. Die Organisation hatte sich nach der Anschrift ihres Domizils in Windern benannt, einem winzigen Nest zwischen Linz und Braunau.

Der Nazi-Kameradschaft mit engen Verbindungen nach Bayern und Thüringen ordnen die Ermittler rund 30 Mitglieder und etwa 200 Anhänger aus Österreich und Deutschland zu. Ende Januar war die Gruppe zerschlagen worden. Bei Razzien in mehreren Bundesländern wurden damals Sturmgewehre, Maschinenpistolen, Schrotgewehre, Wurfmesser und zehn Kilogramm Sprengstoff gefunden.

Auch in Deutschland hatte es Festnahmen gegeben: Steffen M. aus Crawinkel und Andreas P. aus Gotha, einschlägig bekannte Thüringer Neonazis. Vor allem P. soll als mutmaßlicher Komplize an den Straftaten der „Objekt 21“-Bande beteiligt gewesen sein. Nach seiner Festnahme hatte er gegenüber der Staatsanwaltschaft in Wels umfangreich ausgesagt und dabei Gesinnungsgenossen in Deutschland und Österreich belastet. Das führte unter anderem zu weiteren Razzien in Thüringen, bei denen Ende August Waffen und Munition bei Neonazis beschlagnahmt wurden.

Offiziell als Freizeit- und Kulturverein

Die 2009 gegründete Organisation „Objekt 21“ war offiziell als Freizeit- und Kulturverein angemeldet worden. In ihrem Domizil in Windern, das mit diversen SS- und Nazisymbolen geschmückt war, hatten in den vergangenen Jahren aber regelmäßig Treffen deutscher und österreichischer Neonazis stattgefunden. Obwohl der österreichische Verfassungsschutz die Vorgänge beobachtete, hatten die Sicherheitsbehörden lange Zeit nicht eingegriffen. Die Rechten hatten auch damit geprahlt, dass sie mehrmals vor Durchsuchungsaktionen der Polizei gewarnt worden wären.

Antifagruppen in Österreich kritisieren, dass die Ermittlungen gegen „Objekt 21“ und deren Hinterleute von den Behörden nicht konsequent zu Ende geführt worden seien. So seien beispielsweise personelle Verbindungen der Neonazis zu örtlichen Parteifunktionären der rechtspopulistischen FPÖ ignoriert worden. Weitgehend unaufgeklärt blieb auch das Ausmaß der logistischen und finanziellen Unterstützung beim Aufbau von „Objekt 21“ durch deutsche Neonazis, insbesondere aus Bayern.

„Die Ermittlungen zu der engen Verflechtung deutscher und österreichischen Neonazis müssen ungeachtet des Prozesses in Wels weitergeführt werden“, fordert dann auch die Thüringer Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Linke). Außerdem müsse man auf parlamentarischem Weg auch das gemeinsame Agieren des deutschen und österreichischen Verfassungsschutzes beim Kampf gegen Rechtsextremismus kritisch hinterfragen.