25.02.2012

Flugkapitän Kärger: Abschied von Tegel ohne Wehmut

Von Peter Neumann
        

Thomas Kärger (51) startet und landet in Tegel. Noch.
Thomas Kärger (51) startet und landet in Tegel. Noch.
Foto: Benjamin Pritzkuleit
Berlin –  

Flugkapitän Kärger trauert Tegel nicht hinterher. Sein Herz hängt nicht an diesem Flughafen. Der 51-Jährige lebt dagegen auf, wenn er den Namen "Tempelhof" hört. Denn für ihn war das „der Nabel der Fliegerwelt".

In den Cafés röcheln die Espressomaschinen. Registrierkassen piepen. Überall die Geräusche von Rollkoffern. Ein ganz normaler Morgen im Flughafen Tegel. Thomas Kärger, der gerade einen voll besetzten Airbus hierher geflogen hat, rührt im Restaurant „Red Baron“ in einem Milchkaffee und schaut dem Alltagstreiben von oben zu. Alles sieht so aus, als würde es diesen Flughafen ewig geben.

Wir begleiten diese acht Mitarbeiter des BER

Bildergalerie ( 8 Bilder )

Aber der Countdown läuft. Am 2. Juni soll spätabends zum letzten Mal ein Flugzeug in Tegel abheben. Dann wird es in den Terminals still, und an den Pisten erlöschen die Lichter für immer. Aus, Schluss, vorbei. Macht ihn der Abschied von Tegel wehmütig? „Nein“, meint der Flugkapitän.

Sein Herz hängt nicht an diesem Flughafen. Früher war dort nur eine „wilde Wiese“, später ein „Raketenschießplatz am Rande der Stadt“, sagt er. Erst 1960 begann der zivile Luftverkehr. 1974 wurde das sechseckige Terminal A eröffnet und Tegel für viele Jahre zum einzigen Verkehrsflughafen im Westen Berlins. Doch aus Kärgers Sicht war das eine „Notlösung“, weil Tempelhof, für ihn der Flughafen schlechthin, den Verkehr nicht mehr fassen konnte.

Der Nabel der Fliegerwelt

Tempelhof! Der 51-Jährige lebt auf, wenn er den Namen hört. „Das war der Nabel der Fliegerwelt. Ein Symbol für den Lebenswillen Berlins. Vor den Tempelhofer Flughafengebäuden stehe ich auch heute noch mit Ehrfurcht.“ So wie damals, als er erstmals mit dem 24er-Bus von Moabit herüberkam, um sich als junger Plane Spotter die Nase an den Fenstern zum Flugfeld platt zu drücken.

Am Flughafen wird gebaut und geprobt

Bildergalerie ( 15 Bilder )

Wenn Kärger über den ersten Verkehrsflughafen Berlins erzählt, erinnert das an alte Schwarzweißfotos. Von Fluggästen in Stola oder Anzug, die sich Propellermaschinen anvertrauen. Von US-Flugzeugen, die während der Luftbrücke dort landen, mit jubelnden Kindern und den Mietshäusern der Oderstraße als Kulisse.„Um die Ecke habe ich mir eine Wohnung gesucht. Wenn ich morgens das erste Flugzeug hörte, dachte ich: Alles in Ordnung!“

Auch Kärger hat gegen die Stilllegung Tempelhofs protestiert. Doch im Fall des nüchtern anmutenden Tegeler Flughafens rechnet er nicht mit einem Aufschrei. Einige Berliner werden murren, weil sie zum neuen Flughafen BER in Schönefeld länger unterwegs sind, glaubt er. Aber das sei es dann auch schon. Keine Demos, kein Volksbegehren wie 2008.

Der Flugkapitän nimmt seinen Koffer und geht zum Auto. Der Aufzug zum Parkplatz P 5 ist kaputt, seit Januar. „In Tegel wird nicht mehr viel repariert“, sagt Thomas Kärger. Es scheint ihn nicht zu betrüben.

Die Flugrouten: So laut wird es in Berlin

Bildergalerie ( 6 Bilder )
Anzeige
Galerie


BER-Dossier
Ein Flugzeug fliegt in Schönefeld über die A113.

Der neue Flughafen Berlin Brandenburg (BER) soll bis zu 40.000 Arbeitsplätze schaffen. Doch die Eröffnung im Juni ist geplatzt, die neuen Flugrouten sind umstritten. In unserem Dossier erfahren Sie alles über den Stand der Umzugsarbeiten und die Konsequenzen für die Hauptstadtregion. mehr...

Neueste Bildergalerien Berlin
Anzeige
Anzeige
Öffentlicher Nahverkehr
Stadtverkehr Berlin
Interaktiv
Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
Anzeige