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AfD-Wahlergebnis in Sachsen: Zulauf von den jungen Wählern

Frauke Petry, Spitzenkandidatin der Alternative für Deutschland, auf der Wahlparty der AfD.

Frauke Petry, Spitzenkandidatin der Alternative für Deutschland, auf der Wahlparty der AfD.

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dpa

Auch die FDP hat es früher gern so gehalten: Am Abend einer Wahl draußen im Lande trat der Vorsitzende in Berlin vor die Kameras und scharte möglichst viele Spitzenpolitiker der Partei um sich. So ist es nun wieder – nur dass der Mann vor den Kameras Bernd Lucke heißt und für die Alternative für Deutschland steht. „Wir sind angekommen in der deutschen Parteienlandschaft“, strahlt der Vorsitzende, und die hinter ihm angetretene Parteiprominenz nickt beifällig. In Dresden kommt die neue Partei anstelle der alten in den Landtag. In der Hauptstadt stibitzt die AfD die Rituale der FDP.

Dass sie im ganzen Land auch die Funktion als bürgerlicher Mehrheitsbeschaffer einnehmen könnten, davon träumen Lucke und Co. insgeheim. In Sachsen hat die AfD, die viel Wert auf die Feststellung legt, sie sei keine reaktionär-populistische, sondern eine konservativ-liberale Partei, auf Anhieb fast so viele Stimmenprozente erreicht wie die Liberalen bei der vorigen Wahl vor fünf Jahren.

Wahrscheinlich ist es Lucke auch recht, dass er der CDU zwar eine Koalitionsdebatte beschert, aber von ihr wohl nicht in die Verlegenheit gebracht wird, die eigene Regierungsfähigkeit zu beweisen. So kann sich der kleine Vorsitzende generös geben. Man werde niemandem nachlaufen, aber mit denen reden, die es wollten. Im Übrigen entschieden die Sachsen, gibt er zu Protokoll. Er ist angekommen, auch in der Sprache der Altparteien – ein Begriff aus den Anfangstagen der AfD, den er nicht mehr gebraucht.

Die AfD gewinnt bei den jungen Wählern

Bemerkenswert auch, wie Lucke das Profil seiner Partei in Kurzform beschreibt: Wirtschaftsfreundlich, gegen Staatsverschuldung und eine Rechtsstaatspartei sei sie. So ähnlich wird wenig später Christian Lindner die Ziele seiner FDP umreißen. Dass er behauptet, das Profil seiner Partei sei „unerwartet attraktiv“, klingt an diesem Abend fast selbstironisch.

Auch Lindner tritt wie üblich im Kreise seiner Lieben auf, aber etwas später als zunächst geplant. Eigentlich hatte der FDP-Vorsitzende gleich nach der ersten Hochrechnung sein Sprüchlein sagen wollen. Er war ja vorbereitet. Die Prognosen lagen nahe am tatsächlichen Ergebnis seiner Partei. Aber dann hat er sich doch Zeit und seinem Parteifreund Holger Zastrow in Dresden den Vortritt mit seinem Statement gelassen. Die beiden haben ein Verhältnis zueinander, das dem Witz sehr nahe kommt, die Steigerung von Feind sei Parteifreund. Der Sachse hatte die maximale Distanz zur Bundespartei gesucht, Lindner keinen Auftritt im Wahlkampf.

Eine nur scheinbar bequeme Position, mit der Niederlage in Sachsen umzugehen. Denn der Absturz erweist sich als zu tief, als dass Lindner so tun könne, als habe er damit nichts zu tun – vor allem im Vergleich zum Aufstieg der AfD. Bislang war es ständige Rede bei der FDP, dass es kaum Wählerabwanderungen von den Liberalen zur AfD gebe. Dem widersprechen an diesem Abend aber die Untersuchungen der Meinungsforscher über Wählerwanderungen in Sachsen. Die AfD gewinnt demnach gerade bei den jungen Wählern überdurchschnittlich, die FDP verliert hier besonders.

Was Lindner und seinen Parteifreunden Hoffnung machen kann, ist die Hauptmotivation der AfD-Wähler. Mehr als die Hälfte von ihnen gibt an, von den anderen Parteien enttäuscht zu sein. Der AfD selbst trauen sie nicht viel zu. Aber das unterscheidet sie nicht von der FDP-Konkurrenz.