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Alba Berlin: Zum Wohle der Chemie

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Arbeit am Auftritt: Albas Guard Je’Kell Foster verteidigt gegen Sergio Llull von Real Madrid.
Arbeit am Auftritt: Albas Guard Je’Kell Foster verteidigt gegen Sergio Llull von Real Madrid.
Foto: dapd

Alba Berlins Basketballer wollen am Freitagabend in der Euroleague gegen das Spitzenteam von ZSKA Moskau ihr Tempo wiederfinden. Leicht wird das nicht.

Das Training war gut. Jeder kann das sehen, auch jetzt noch, da niemand mehr über das Parkett rennt. Ein Blick an den Spielfeldrand genügt. Dort hockt Je’Kell Foster auf einer Turnbank, den Körper vorgebeugt, die Unterarme auf die Oberschenkel gestützt, in den gefalteten Händen eine Wasserflasche. Schweiß tropft herab. Langsam kommt der Atem zur Ruhe. „Oh ja, wirklich“, sagt Je’Kell Foster, „das war ein gutes Training.“

Für den 29 Jahre alten Basketballer ist im Moment jedes Training ein gutes Training, denn die Gelegenheiten zum Üben waren bisher rar. Seit Mitte des vergangenen Monats gehört Foster zum Kader von Alba Berlin. „Wir hatten in dieser Zeit ein Spiel nach dem anderen,“ sagt er, „die fünf Tage Pause haben uns da jetzt ganz gutgetan. Wir hatten Zeit, an unserer Teamdefensive zu arbeiten und an anderen Sachen, die für unser Spiel wichtig sind.“ Was jetzt noch fehlt: „Das ist ein Sieg.“ Am Freitag (19 Uhr) gastiert ZSKA Moskau in der Arena am Ostbahnhof, das mutmaßlich teuerste Ensemble der Euroleague. Es bleibt schwierig in der Runde der besten 16 Teams.

Leicht war es auch in der Bundesliga nicht. Drei Niederlagen national und eine international haben die Berliner seit dem 21. Dezember zu verkraften gehabt. Zuletzt unterlagen sie am Sonntag in Bayreuth 65:90. Foster war in dieser Partie mit 14 Punkten einer der Besten in der Offensive, er bemühte sich um Intensität. Ihm ist kaum ein Vorwurf zu machen. Dennoch lässt sich an ihm das Dilemma erkennen, in dem Trainer Sasa Obradovic momentan steckt.

Foster muss integriert werden. „Es ist immer hart, wenn man in eine Mannschaft kommt, die schon eine Weile zusammenspielt“, sagt er. Für einen, der Albas Auftritt mit organisieren soll, für einen Ballhandler, ist es noch etwas schwerer. Obradovic hat versucht, es dem Neuen so einfach wie möglich zu machen. „Ich habe die Systeme erst einmal auf die Hälfte reduziert“, berichtet der Coach. Foster selbst sagt: „Die Mannschaft hat wegen meiner Integration einen Schritt zurückmachen müssen.“

Fragen, die bremsen

Hinzu kommt, dass Foster einen anderen Spielertypus verkörpert als derjenige, den er vertritt. Vule Avdalovic war bis zu seinem Kreuzbandriss Anfang Dezember verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz. Er gab Impulse dafür, dass im Angriff der Ball dort landete, wo er dem Gegner am meisten schadete. Er hielt zudem Albas Verteidigung zusammen. Auch Foster ist defensiv stark und offensiv gefährlich. Allerdings, sagt Obradovic: „Er ist ein anderer Spieler. Wir haben dadurch eine andere Art von Chemie.“

Chemistry – dieses englische Wort benutzt auch Derrick Byars, wenn er erklären soll, woran jetzt zu arbeiten ist. Der Flügelspieler ist ebenfalls nachträglich verpflichtet worden, sein Vertrag hat sich in dieser Woche bis zum Saisonende verlängert. Er sagt: „Wir müssen unsere Chemie zurückbekommen.“ Nicht abseits des Platzes, „wir sind ein Team, in dem jeder jeden aufbaut“. Aber: „Wir müssen lernen, was jeder Spieler auf dem Platz tun kann. Dazu brauchen wir Trainingszeit.“ Der Ball soll wieder zu denjenigen, die das Beste damit erreichen.

Zuletzt beobachtete Obradovic: „Am Ende der Systeme, wenn wir keine Lösungen finden, dann ist der Ball nicht immer in den Händen der Jungs, die etwas kreieren können.“ Fragen bremsen dann den Spielfluss: „Soll ich zu Foster nach außen passen? Soll ich Pick ’n’ Roll spielen? Soll ich unter den Korb zu Deon Thompson spielen?“ Unter dem Korb läuft es gerade nicht optimal, weshalb auch die Freiräume für die Außenspieler geringer sind. Foster sagt: „Wir brauchen Präzision.“

Albas Trainer vermisst vor allem das Tempo vom Saisonbeginn, zudem Aggressivität und Entschlossenheit, die die Defensive lange trugen: „Eine Frage der Energie.“ Er würde gern stärker durchwechseln. „Elf Spieler, alle auf konstantem Niveau, die bräuchten wir, aber die haben wir nicht“, sagt Obradovic.

Immerhin macht gegen ZSKA Nihad Djedovic nach überstandener Entzündung der Achillessehne wieder mit. „Bei den Guards sollten wir wieder eine gute Rotation haben“, sagt Obradovic. Gegen die starken Russen zählt jeder Mann. Denn der Coach findet: „ZSKA ist der beste Gegner, gegen den man gewinnen kann.“ Zum Wohle der Chemie.

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