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Alba gegen Bamberg: Crashkurs für den Kraftbolzen

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Berlin –  

Albas Basketballer dominieren Bamberg beim 90:75 und geben Je’kel Foster Einblicke in seinen neuen Job. Bemerkenswerte 25 Korbvorlagen wurden für Alba gezählt.

Irgendwann reißt jede Serie. Manchmal lösen sich dabei sogar Zusammenhänge in Wohlgefallen auf, die zuvor als Gott gegeben galten. Zum Beispiel, dass einer Weihnachtsfeier stets eine Niederlage vorauszugehen hat. „Ich musste in den letzten Jahren ein paar schlimme Ansprachen halten“, sagte Alba Berlins Präsident Dieter Hauert gestern Abend. Da stand er schon im Mantel vor der Garderobe, bereit das Foyer der Arena am Ostbahnhof zu verlassen. Soeben hatten seine Basketballer Meister Bamberg 90:75 (49:27) bezwungen. Nun ging es zur Weihnachtsfeier in ein Friedrichshainer Hotel. Der Weg war frei für eine frohgemute Präsidentenrede.

Und frei für eine Amtshandlung ganz anderer Art, eine der ersten von Je’kel Foster als Berliner. Der Guard war am Sonnabend von Belgien aus in die Stadt gekommen. Bei Spirou Charleroi war sein Vertrag nach einem halben Jahr ausgelaufen. Den Rest der Saison wird der 29 Jahre alte und 1,91 Meter große US-Amerikaner nun für Alba spielen. Er soll helfen, den verletzten Vule Avdalovic zu ersetzen. Eine spontane Meinung über sein Team hat sich der Neue gestern bereits bilden können. „Sie spielen eine harte Verteidigung. Außerdem spielen alle zusammen, jeder gönnt jedem seine Chance.“ Das beobachtete Foster von seinem Platz direkt hinter der Bande aus.

Die Statistik bestätigte den Eindruck. Bemerkenswerte 25 Korbvorlagen wurden für Alba gezählt. „Eine Mannschaft, die auf 25 Assists kommt, hat die besten Aussichten, ein Spiel zu gewinnen“, sagte Foster. Eine Mannschaft, die über einen wie Nihat Djedovic in Bestform verfügt, sowieso. Djedovic allein kam auf sechs Korbvorlagen. Zudem erzielte er 17 Punkte und sammelte vier Rebounds. Djedovic war daran beteiligt, dass Alba sofort die Kontrolle übernahm, nach dem ersten Viertel 25:18 führte und das Polster kontinuierlich erhöhte. Im dritten Viertel lagen die Berliner beim 55:29 mit 26 Punkten vorn (23. Minute), es war ihr größter Vorsprung in der Partie, er war vorentscheidend.

„Wir waren leer“, sagte Bambergs Trainer Chris Fleming später. Die Partie seines Teams in der Euroleague gegen Partizan Belgrad am Donnerstag habe Spuren hinterlassen. Das hatte bei Alba zwar auch das Duell bei Maccabi Tel Aviv, gleiche Zeit, gleicher Wettbewerb, allerdings im positiven Sinne. „Alba hat mehr Spannung daraus gewonnen und jetzt mehr Energie ins Spiel investiert. Das ließ sich deutlich an der Anzeigetafel ablesen.“ Und eben an Nihat Djedovic.

„Durch Vules Ausfall hatte ich mehr Spielminuten, die habe ich genutzt“, sagte Djedovic. Er kämpfte, ackerte, wollte den Sieg unbedingt. Djedovic zeigte Foster, was von ihm, dem neuen Kollegen erwartet wird. Beide spielen eine ähnliche Rolle im System von Sasa Obradovic. Der Trainer bezeichnet sie auf Englisch als: „Ballhandler.“

Berlins Deon Thompson dunkt den Ball. Er erzielte im Spiel gegen Bamberg insgesamt 19 Treffer.
Berlins Deon Thompson dunkt den Ball. Er erzielte im Spiel gegen Bamberg insgesamt 19 Treffer.
Foto: dapd

Vier Ballhandler hat Obradovic in seinem Kader, neben Djedovic und Foster sind das DaShaun Wood und Heiko Schaffartzik. Sie alle können ein Spiel organisieren und zugleich offensiv Gefahr ausstrahlen. Wobei Djedovic seine Vorlieben hat. „Auf der Position zwei“, sagt er, „fühle ich mich sehr wohl.“ Albas Sportdirektor Mithat Demirel formuliert es so: „Er braucht den Ball in den Händen.“ Djedovic holt sich den Ball am Brett per Rebound, nimmt ihn dem Gegner weg per Steal, trägt ihn schnell nach vorn per Fast Break. So wie gestern.

Djedovic ist erst 22 Jahre alt, sein Auftreten lässt das leicht vergessen. Er hat schon für einige Klubs gespielt, der FC Barcelona lieh ihn aus an Virtus Rom oder Galatasaray Istanbul. Jetzt folgen für Berlin auf gute Vorstellungen weniger gute, es fehlt ihm an jener Konstanz, die Albas Führung vom sieben Jahre älteren Foster erwartet. „Foster hat viel Erfahrung“, sagte Coach Obradovic. „Er hat in seinen Teams Führungsaufgaben übernommen.“ In Charleroi, beim FC Bayern, in Cremona und Oldenburg. Als harter Arbeiter gilt Foster. Albas Geschäftsführer Marco Baldi sagte: „Er ist ein Kraftbolzen. Er hat Energie.“ Energie zeichnete Alba gestern aus.

„Was die heute aus sich herausgeholt haben, war phänomenal“, sagte Baldi. DaShaun Wood etwa hatte sich vorab wegen eines Virus übergeben müssen. Derrick Byars humpelte zwischenzeitlich in die Kabine. Alle waren müde vom Trip nach Tel Aviv. „Da hat sich ein Charakter gebildet“, sagte Baldi. Wenn das Team daran weiter arbeite, „dann sieht die Saison für uns gut aus“. Charakter und Erfolg – das klingt mal nach einer schönen Serie.

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