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Als Kind missbrauchte der KZ-Arzt Josef Mengele sie und ihre Zwillingsschwester für seine Experimente. Jetzt ist Eva Mozes Kor 76 Jahre alt und hat einen Weg gefunden, sich nicht mehr als Opfer zu fühlen: Ich habe vergeben. Jetzt bin ich frei

Der Frühstücksraum eines kleinen Hotels an der Oranienburger Straße, nicht weit entfernt von der Synagoge, die vor fast genau 72 Jahren, am 9. November 1938, brannte. Eva Mozes Kor ist eine sorgfältig frisierte, resolute Dame von 76 Jahren, sie trägt eine weiße Spitzenbluse mit blauem Fransenschal. Sie ist freundlich, doch ihr wacher Blick prüfend. Auch nach fünfzig Jahren in den USA spricht sie Englisch mit hartem rumänischen Akzent. Die Ziffern auf ihrem linken Unterarm sind nicht lesbar, sie sind ein blauer, verwischter Fleck. Gut erkennbar waren sie vermutlich nie, denn Kor leistete Widerstand, als ihr in Auschwitz die Häftlingsnummer in die Haut tätowiert wurde.Frau Kor, was bedeutet Vergebung für Sie?Vergebung bedeutet für mich Freiheit, Kraft und Frieden. Bevor ich vergeben konnte, war ich ein sehr wütender Mensch und nicht besonders glücklich. Zu vergeben, hat mir geholfen, mit mir selbst als Überlebende ins Reine zu kommen, und es hat meinem Herzen Frieden gegeben. Und ich hoffe, mit meinem Beispiel anderen helfen zu können, Frieden zu finden.Sie sind KZ-Überlebende und sagen, Sie haben Ihren früheren Peinigern wie auch allen Nationalsozialisten vergeben. Das erzählen Sie auch in den Vorträgen, die Sie an Schulen halten. Wie reagieren die Jugendlichen?Zu Beginn sagen sie: "Vergebung? Das ist ein bisschen zu viel." Doch dann erkläre ich ihnen, dass es bei der Vergebung in Wirklichkeit darum geht, dem Opfer zu helfen.Inwiefern?Viele Überlebende des Holocaust gaben ihre Schuld- und Wutgefühle an ihre Kinder und Enkel weiter. Indem wir ihnen helfen, tragen wir dazu bei, dass aus ihren Kindern keine Täter werden. Das passiert in vielen Krisenregionen, dann gibt es einen Teufelskreis. Vergebung hilft, sich selbst zu heilen. Sie ist ein Samen für Frieden. Was wäre, wenn wir Sechsjährigen beibrächten, dass sie vergeben und weitermachen können, wenn jemand ihnen weh getan hat? Vergeben zu können, ist ein Werkzeug, das jedes Kind braucht, genauso Lesen oder Schreiben. Es ist das Werkzeug für ein besseres Leben, frei von Wut oder Schuld.Wie versuchen Sie, das zu vermitteln?Junge Menschen sind verwundbar und naiv, aber es ist sehr viel einfacher, mit ihnen zu arbeiten. Sie akzeptieren eine neue Idee, während die älteren Generationen immer alles analysieren müssen, mit mir kämpfen und fragen: Wie können Sie das tun? Ich sage: Warum sollte ich das nicht tun können?! Die beste Methode, jemandem etwas beizubringen, beruht darauf, nicht allein mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen zu lehren. Dazu muss man positive, gemeinsame Erfahrungen schaffen. Tanzen ist zum Beispiel so eine Erfahrung, manchmal mache ich das mit Schülern. Was ich wirklich bedaure, ist, dass ich in Buchenwald nicht getanzt habe, als ich vor ein paar Tagen dort war. Mein Sohn war dagegen und ich wollte nicht mit ihm diskutieren.Adolek Kohn, ein 89-jähriger ehemaliger KZ-Häftling, hat gerade viel Aufsehen damit erregt, dass er in Auschwitz getanzt hat.Ich habe den Geist der Freiheit in seinem Tanz wiedererkannt. Das ist es, was viele nicht verstehen: Ein Überlebender, der in einem Konzentrationslager tanzt, will in keiner Weise den Schrecken des Lagers schmälern, das Ansehen der Toten beschmutzen, sondern seiner Freude darüber Ausdruck verleihen, über etwas schrecklich Böses triumphiert zu haben.Welche Erkenntnis sollen Besucher von Auschwitz heute mitnehmen?Auschwitz zu sehen ist eine aufrüttelnde Erfahrung. Ich möchte aber, dass die Menschen diesen Ort mit einer positiven Botschaft verlassen. Die meisten Leute verstehen das erst einmal nicht, und ich sage ihnen: Ja, das ist der Ort, an dem mehr als eine Millionen Menschen ermordet wurden. Doch das ist ebenso der Ort, an dem etwa eine Million Menschen überlebten. Was sagt uns das? Dass Menschen stärker als Auschwitz sind, stärker als Josef Mengele, stärker als die Nazis. Dass sie mit allem fertig werden können. Das ist es, was ich den Triumph des menschlichen Geistes nenne. Im Lager sagten wir uns: Lebe, nur einen Tag noch. Jedes Mal: Nur einen Tag noch. Bis wir frei waren.Das bloße Überleben war alles, worauf sie sich konzentrieren konnten.Richtig. Nach unserer Ankunft in der ersten Nacht im Lager entdeckte ich bei der Latrine die ausgemergelten Leichen dreier toter Kinder und ich wusste: Meine Schwester und ich würden nicht wie diese Kinder auf dem dreckigen Toilettenfußboden enden. Dieses Bild war sehr mächtig und brannte sich ein in mein Gedächtnis. Zu überleben war der einzige Widerstand, den ich den Nazis gegenüber leisten konnte.Half Ihnen die Beziehung zu Ihrer Zwillingsschwester zu überleben?Zwischen Zwillingen besteht eine spezielle Beziehung, und ganz besonders in dieser Situation: Es ging nicht allein ums Überleben, sondern auch darum, aneinander das eigene Herz zu wärmen. Hier gab es noch einen Menschen, der sich um mich kümmerte, während ringsumher in der armseligen Welt von Auschwitz alles sehr grausam war. Doch Miriam und ich hatten uns ein Stück Menschlichkeit bewahrt, so sparte Miriam beispielsweise ihr gesamtes Essen für mich auf, als ich krank war - was für eine Willenskraft für ein zehnjähriges Kind, das am Verhungern ist! Wir brachten Opfer füreinander. Ohne Miriam hätte ich nicht überlebt und sie nicht ohne mich.Der KZ-Arzt Josef Mengele benutzte Sie beide und andere Zwillingspaare für Versuche. Er infizierte Sie mit einem potenziell tödlichen Virus und gab Ihnen nur noch zwei Wochen zu leben.Das war die kritischste Situation. Ich war in der Krankenhausbaracke, der sogenannten Baracke der lebendigen Toten, und schwebte wirklich zwischen Leben und Tod. Heute bin ich immer noch erstaunt, welch einen Überlebenswillen ich damals hatte. Ich war extrem krank, doch ich verlor mein Ziel, überleben zu wollen, nicht aus den Augen. Den Gedanken, dass ich sterben könnte, ließ ich einfach nicht zu.Welche Schlüsse haben Sie aus dieser Erfahrung gezogen?Immer, wenn ich später Schwierigkeiten hatte und nicht wusste, ob ich etwas schaffen würde, hielt ich mir dieses Bild vor Augen: wie ich zwei Wochen in der Krankenhausbaracke überlebte und mit dem letzten bisschen Kraft, das ich noch hatte, auf dem Boden zum Wasserhahn kroch, um zu trinken. Das erinnert mich auch heute noch daran, dass ich alle Schwierigkeiten überwinden kann. Dieses Bild in meiner Erinnerung ist eine Quelle der Kraft.Wie erging es Ihnen, als Sie wieder frei waren?Nach Auschwitz war alles sehr, sehr verwirrend. Die ersten fünf Jahre lebten wir in Rumänien bei unserer Tante, aber wir hatten mit starken gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, zu alledem waren die Kommunisten an der Macht. Die Geheimpolizei überwachte die Bevölkerung, wir lebten praktisch wieder in einem Gefängnis. Ich erinnere mich, dass ich als Kind dachte, dass es normal sei, dass alle ein bis zwei Jahre etwas ganz Schreckliches passiert - dass das Leben eben so ist.Dann aber gelang es Ihnen, mit Ihrer Schwester und Ihrer Tante nach Israel auszuwandern.Ja, wir durften 1950 nach Israel emigrieren. Ich war damals sechzehn Jahre alt und konnte dort zum ersten Mal, seitdem ich sechs war, einfach schlafen - ohne Angst haben zu müssen, verfolgt zu werden, weil ich jüdisch war. Das war eine fantastische Erfahrung. Dann kamen wir in die Armee, dort war ich mit anderen jungen Israelis zusammen, die noch eine Familie hatten, und mir trat mit aller Schärfe ins Bewusstsein, was ich verloren hatte - einen Ort, zu dem ich gehörte. Das war für mich ein großes Trauma.Ihren Mann heirateten Sie zwei Wochen, nachdem Sie sich kennengelernt hatten. Sie folgten ihm in die USA, praktisch ohne die Sprache zu sprechen. Ein schwieriger Start in die Ehe.Ja, das würde ich niemandem raten - zu heiraten, ohne kommunizieren zu können. Mein Mann sprach Englisch, ich Hebräisch. Es gibt einfach zu viele Herausforderungen und Überraschungen.Haben Sie mit ihrer Zwillingsschwester Miriam über Auschwitz gesprochen?Ganz lange wurde das Thema zwischen uns totgeschwiegen. 1979 sah ich die Fernsehsendung "Holocaust" im amerikanischen Fernsehen, und wollte mit Miriam, die in Israel geblieben war, zum ersten Mal über alles sprechen, aber sie war noch nicht dazu bereit. 1984 beschloss ich, eine Organisation zu gründen, die den Überlebenden von Mengeles Experimenten eine Stimme und emotionale Unterstützung geben würde. Vorträge über meine Erlebnisse hielt ich da schon seit ein paar Jahren. Meine Schwester sagte: Warum machst du alle diese Dinge, ich verstehe das nicht. Ich sagte zu ihr: Würdest du nicht gern wissen, ob es noch andere Zwillinge gibt, die überlebt haben und gemeinsam herausfinden, was man uns angetan hat?1999 haben Sie und andere überlebende Mengele-Zwillinge schließlich den Pharmakonzern Bayer verklagt.Ich kann mir gut vorstellen, dass Bayer Unterlagen über die Mengele-Experimente hat, doch ich werde sie nicht mehr verklagen. Trotzdem hätte ich natürlich sehr gerne die Aufzeichnungen, denn für uns wäre es sehr wichtig zu wissen, was uns gespritzt worden ist. Es wäre auch moralisch gesehen für Bayer nur richtig, ihre Beteiligung an den Menschenversuchen in Auschwitz zuzugeben, ebenso wie es die Max-Planck-Gesellschaft getan hat.Anfang der Neunzigerjahre baten Sie den früheren KZ-Arzt Hans Münch, sich mit Ihnen zu treffen. Warum?Ich wollte wissen, ob er irgendetwas über die Experimente wusste, weil er auch in Auschwitz gewesen war und Mengele gekannt hatte. Ich kontaktierte ihn und er war mit einem Treffen einverstanden.Wie war es, ihn zu treffen?Vorher war ich extrem nervös. Aber ich sagte mir: Wie soll ich sonst jemals herausfinden, ob er etwas über die Experimente weiß. Ich muss hingehen und mit ihm reden. Hans Münch begegnete mir freundlich und mit Respekt - darauf war ich nicht vorbereitet, ganz im Gegenteil. Er war damals ein 82-jähriger alter Mann, der ganz offensichtlich an dem litt, was er in Auschwitz getan und erlebt hatte, und der Nacht für Nacht von Albträumen gequält wurde. In Auschwitz hatte er die tägliche Aufgabe, durch ein Loch in der Tür in die Gaskammer zu sehen und den Tod der darin vergasten Menschen festzustellen. Dann stellte er die Todesurkunden aus: Es gab keine Namen, lediglich Zahlen. Weil er so freundlich war, hatte ich den Mut, ihn zu bitten, mit mir nach Auschwitz zu kommen und die Existenz der Gaskammern zu bezeugen. Er war sofort einverstanden.Warum war das wichtig für Sie?Es gab Leute, die sagten, es habe gar keine Gaskammern in Auschwitz gegeben, und hier gab es nun einen Nazi, der bereit war, schriftlich zu bestätigen, dass es sie gab. Ich hielt das für außerordentlich wichtig. Nach unserem Treffen wollte ich ihm irgendwie danken, wusste aber nicht, wie. Über zehn Monate lang quälte ich mich mit dieser Frage, bis ich die Idee hatte, ihm einen Vergebungsbrief zu schreiben.Wie kamen Sie auf diesen Gedanken?Ich wusste, dass er sich das wünschte, er hatte mir wiederholt gesagt, wie leid ihm alles tue. Als ich den Brief dann schrieb, merkte ich, dass ich tatsächlich die Kraft hatte zu vergeben. Das hatte ich nicht gewusst. Ich war ein Opfer gewesen, und als Opfer hat man keine Macht über den eigenen Körper oder den eigenen Geist - oder beides. Dass ich diese Kraft jetzt wiedererlangt hatte, war für mich eine bahnbrechende Entdeckung, daher war ich nahezu enthusiastisch dabei, diesen Brief an Dr. Münch zu schreiben. Ich brauchte vier Monate, um mich durch meinen Schmerz zu arbeiten, ich überarbeitete den Brief immer wieder - das war praktisch wie eine Therapie.Aber warum konnten Sie dann auch Mengele und allen Nazis vergeben?Was die meisten Menschen vergessen, ist, dass Vergebung eine Macht ist. Für jemanden wie mich, die fast fünfzig Jahre machtlos, ein Opfer meines Schicksals war, war das eine plötzliche und unerwartete Erkenntnis, die mich beglückte und die ich nutzen wollte. Opfer fühlen sich so hilflos gegenüber dem, was man ihnen angetan hat. Ich konnte nicht ändern, was geschehen war, aber ich konnte ändern, was ich darüber fühlte. Und dieser Gedanke, dass ich etwas in der Hand hatte, dass ich die Macht über etwas hatte, was mir in der Vergangenheit zugestoßen war, war für mich das Wichtigste und ist es noch. Wenn Leute sagen: Mengele verdient es nicht, die Nazis verdienen keine Vergebung, sage ich: Das mag ja alles richtig sein, aber ich verdiene es. Ich verdiene, frei von Hitler, frei von den Nazis zu sein. Ich habe die Kraft zu vergeben, das gibt mir Freiheit und ich verdiene diese Freiheit. Ein Mensch, der vergibt, wird sehr stark, er sagt: Mein Leben gehört mir, ich bin für mein Leben verantwortlich.Wenn Sie Hans Münch nicht getroffen hätten, hätten Sie dann je über Vergebung nachgedacht?Ich glaube nicht. Wenn ich mich in Münchs Gegenwart nicht wohlgefühlt hätte und er immer noch ein "guter" alter Nazi gewesen wäre - dann hätte ich ihn nie nach den Gaskammern gefragt und dann wäre dieser Prozess nie ins Rollen gekommen. Eins folgte auf das andere. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass mein Treffen mit einem Nazidoktor letztlich zu meiner eigenen emotionalen Befreiung von den Nazis führen würde.Trotzdem, Münch half Hitler dabei, den Plan der Judenvernichtung umzusetzen.Ja, Dr. Münch war ein Nazi und ich bin davon überzeugt, dass er einige schlimme Dinge getan hat. Aber ich habe ihm vergeben.Das taten Sie 1995 auch öffentlich, am 50. Jahrestag der Befreiung in Auschwitz, wo Sie gemeinsam mit Hans Münch auftraten. Viele Überlebende, insbesondere aus Israel, reagierten empört. Können Sie das nachempfinden?Sie tun mir leid. Jahrzehntelang hat man ihnen beigebracht, wütend zu sein. Das Problem der meisten Überlebenden ist es, dass sie in Gemeinden leben, in denen Wut und das Festhalten an Schmerzen die allgemein akzeptierte Form zu handeln ist. Niemand spricht über Vergebung, es gibt keine Vorbilder in dieser Richtung, das ist ein Thema, das für sie ganz weit weg ist. In diesem Sinne habe ich Glück gehabt, dass ich nicht in einer besonders jüdischen Gemeinde lebe. Ich glaube, dass es an der Zeit ist, diese Wut und diesen Schmerz aufzugeben, im Tausch gegen Freiheit und Vergebung. Das kann ich ihnen nur anbieten, doch die Wahl liegt bei ihnen. Sie müssen keine Opfer mehr sein. Sie könnten es zumindest versuchen. Wenn wir nicht mehr versuchen, uns weiterzuentwickeln, wie soll es dann jemals auf dieser Welt Fortschritt geben?Besteht nicht die Gefahr des Vergessens? Finden Sie nicht, dass die Deutschen weiterhin Verantwortung übernehmen müssen für den Holocaust?Ich habe gerade einen Verein gegründet, er heißt "Forgiveness Germany", zusammen mit einem Freund aus Deutschland. Die Deutschen verdienen Vergebung. Ich sage: Fühlt euch nicht schuldig für etwas, was ihr nicht getan habt. Aber wenn ihr etwas Schlechtes seht, unternehmt etwas dagegen - und möglichst gleich. Zu Beginn hätte es damals auch noch die Möglichkeit gegeben, Hitler zu stoppen.Kennt Ihre Vergebung eigentlich Grenzen? Was ist mit heute, mit Neonazis und palästinensischen Selbstmordattentätern zum Beispiel?Neonazis und palästinensische Selbstmordattentäter fallen meiner Meinung nach tragischerweise in dieselbe Kategorie wie die Nazis: Die besten Nazis waren Menschen, die ansonsten sehr wenig in ihrem Leben hatten, die sich selbst als Opfer betrachteten und es deshalb an jedem ausließen, an dem sie es konnten. Aber natürlich ist es ein Unterschied, Leute zu beurteilen, wenn man 66 Jahre zurückschaut oder aber mitten drinsteckt und um sein Leben kämpft. Es ist sehr viel einfacher zu urteilen, als wirklich für Veränderung zu sorgen und Opfern zu helfen. Wir alle wussten beispielsweise, dass Menschen in Darfur, in Ruanda, in Bosnien ermordet wurden - doch was genau hat ein jeder von uns dagegen unternommen?------------------------------Eva Mozes Kor1934 kam Eva Mozes Kor in Portz in Rumänien als Tochter eines Landwirts zur Welt. 1944 wurde ihre Familie nach Auschwitz deportiert. Ihre Eltern und ihre beiden älteren Schwestern wurden vergast, Eva Mozes Kor und ihre Zwillingsschwester überlebten.In den USA, wohin Eva Mozes Kor 1960 mit ihrem Mann zog, arbeitete sie als Immobilienmaklerin. Sie lebt in Terre Haute/Indiana und hat zwei Kinder.1984 gründete sie die Organisation C.A.N.D.L.E.S.Sie konnte 122 Überlebende der an Zwillingen durchgeführten Experimente ausfindig machen und kämpft bis heute darum, die medizinischen Hintergründe und Folgen der Versuche in Erfahrung zu bringen. Kor selbst leidet seit Auschwitz an schwerer Tuberkulose, bei ihrer Schwester, die 1993 starb, war eine Niere verkümmert.Einen neuen Verein hat Eva Mozes Kor im August dieses Jahres gegründet. Er heißt "Forgiveness Germany" und soll ihre Botschaft der Vergebung in Deutschland verbreiten. Den Verein hat sie gemeinsam mit dem Deutschen Michael Wöhrle ins Leben gerufen, dessen Großvater Josef Mengeles Doktorvater war.------------------------------Foto: In der ersten Nacht im Lager entdeckte ich bei der Latrine die Leichen dreier toter Kinder, und ich wusste: Meine Schwester und ich würden nicht wie sie auf dem Toilettenfußboden enden. Zu überleben war der einzige Widerstand, den ich den Nazis gegenüber leisten konnte.