Die im Vergleich zu anderen Euro-Ländern deutlich bessere Wirtschaftsentwicklung in Deutschland hat dem hiesigen Arbeitsmarkt einen Rekord beschert: Zum ersten Mal seit der deutschen Einheit ist 2011 die Zahl der Erwerbstätigen über die Marke von 41 Millionen gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im abgelaufenen Jahr im Durschnitt 41,04 Millionen Frauen und Männer beschäftigt. Im Vergleich zum bisherigen Höchststand aus dem Vorjahr entsprach das einem Plus von 1,3 Prozent und damit einem Zuwachs von mehr als einer halben Million Stellen.
Die Statistiker begründen den Anstieg neben der guten Konjunktur – das deutsche Wachstum lag bei drei Prozent – mit der Tatsache, dass die Beschäftigtenlage 2009 trotz des durch die Finanzkrise verursachten Einbruchs der Wirtschaft stabil geblieben war. Unter anderem hatte die verlängerte Kurzarbeiter-Regel dazu beigetragen, Einbrüche in der Nachfrage bei Unternehmen ohne weitreichende Beschäftigungsverluste auszugleichen.
Überdurchschnittlich stark stieg die Zahl der Beschäftigten im Dienstleistungsbereich. Auch das produzierenden Gewerbe bot deutlich mehr Arbeitsstellen. Das spiegelt sich in der Metall- und Elektroindustrie wider, dem Rückgrat der deutschen Industrie. Wie der Verband Gesamtmetall mitteilte, haben die Unternehmen der Branche im Jahresverlauf 2011 fast 200000 von den in der vorangegangenen Krise verlorenen 216000 Stellen wieder aufgebaut. Der Beschäftigungszuwachs werde zwar nun schwächer ausfallen. Dennoch könne die Branche „im Frühjahr 2012 bei der Beschäftigung wieder das Vorkrisenniveau erreichen“, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser dieser Zeitung.
Experten rechnen mit weiterem Anstieg der Erwerbstätigen
Er rechne für 2012 mit einem Plus bei der Produktion von bis zu vier Prozent. Im Jahr 2011 habe der Aufholprozess aus der Krise noch rund zwölf Prozent Zuwachs gebracht. „Wir verdanken diese Entwicklung der grundsoliden Produkt- und weltweit gefächerten Absatzpolitik unserer Firmen und nicht zuletzt auch dem konstruktiven und mit Augenmaß betriebenen Zusammenwirken der beiden Tarifparteien“, sagte Kannegiesser. Deshalb müsse man die Risiken im Auge behalten, die aus der internationalen Politik und den Finanzmärkten stammen.
Vorausgesetzt die Schuldenkrise in Europa spitzt sich nicht weiter zu, dürfte sich die Lage am deutschen Arbeitsmarkt im neuen Jahr weiter verbessern. So rechnet das Institut für Weltwirtschaft in Kiel trotz einer schwächeren Konjunktur mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um rund 100 000 auf dann 2,86 Millionen. Die Zahl der Erwerbstätigen soll dieser Prognose zufolge um eine knappe Viertelmillion auf weit über 41,2 Millionen steigen.
Wegen der demografischen Entwicklung werden indes die deutschen Arbeitnehmer immer älter. 2010 lag das Durchschnittsalter der Beschäftigten bei 41,4 Jahren. Im Jahr 1980, lag es nach Angaben des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung noch bei 36,4 Jahren.

