Waldemar Dombrowski, Chef der Arbeitsagentur in Fulda, ist zu beneiden. In seinem Landkreis ist die Arbeitslosenquote mit 3,5 Prozent so niedrig wie nirgends sonst in Hessen.
Dombrowski und viele seiner Verbündeten aus der Wirtschaft tun aber auch etwas dafür. Als Ausbildungsplätze in Osthessen knapp waren, organisierten sie eine Ausbildungsmarktkonferenz. Ihre Ausbildungsmesse, ein weiteres von vielen Projekten, ist die zweitgrößte in Hessen. Doch rund um Fulda stimmt nicht nur der Einsatz, sondern auch die Struktur, die geprägt ist vom Mittelstand. Der stellt bei guter Auftragslage schnell ein, und wenn immer es geht, vermeidet er in Krisenzeiten Entlassungen, sagt Dombrowski. Vielen Betriebsleitern täte es „regelrecht weh“, wenn sie Kündigungen aussprechen müssten, insbesondere wenn die Beschäftigten schon lange dabei seien, sagt er.
Doch Fulda ist eben nicht überall: Im Durchschnitt liegt die Arbeitslosenquote in Hessen, wo im November 167 261 Frauen und Männer ohne Job registriert waren, bei 5,4 Prozent. Während Landkreise wie Fulda, Schwalm-Eder (4,2), Rheingau-Taunus (4,2) und Main-Taunus (4,2) dem Vollbeschäftigungsziel von 2,5 Prozent Arbeitslosigkeit immer näher kommen, sind die Großstädte davon weit entfernt. Offenbach führt mit einer Arbeitslosenquote von zehn Prozent die Negativliste an, gefolgt von Kassel und Frankfurt. Jeder vierte hessische Arbeitslose lebt in einer dieser drei Städte.
Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände forderte daher bereits von Arbeitsagenturen und Jobcentern, „auf dieses Phänomen endlich eine Antwort zu suchen und zu finden“. Ihre Empfehlung: „Die Menschen in den Städten müssen genauso intensiv gefördert und gefordert werden wie anderswo.“
Das klingt gut, greift aber zu kurz. „Arbeitsmarkt, Demografie, Soziales, Bildung, das sind alles Dinge, die miteinander zusammenhängen“, sagt Sascha Schur, Koordinator Arbeitsmarktmonitor bei der Regionaldirektion Hessen der Bundesarbeitsagentur. Schur ist der Herr über ein Meer von Daten, und diese zeigen: Hessens Bezirke haben viele Gemeinsamkeiten, sind aber auch sehr verschieden. Hier dominiert die Industrie, dort die Dienstleistungen. Hier nimmt die Bevölkerung zu, dort ab. Hier leben Menschen mit hoher beruflicher Qualifikation, dort mit geringer. Hier siedeln sich Unternehmen an, dort bleiben sie weg. Hier drängen Frauen in die Wirtschaft, dort leisten sie vor allem Hausarbeit.
Waldemar Dombrowski kennt diese Unterschiede. Nicht überall, wo er bisher tätig war, registrierte der Agenturchef „relativ stabile Familienverhältnisse“, „gelebte Solidarität“, eine „auffällig gute Schullandschaft“ und einen weit überdurchschnittlichen „Anstieg der Beschäftigten“ wie jetzt im Landkreis Fulda.

