01.02.2012

Arbeitsmarkt: Jobverluste seit der Krise 2009 aufgeholt

Von Eva Roth und Matthias Loke
        

Rohrverlegung, bis die Kälte kommt: In der Baubranche steigt im Winter tendenziell die Arbeitslosigkeit.
Rohrverlegung, bis die Kälte kommt: In der Baubranche steigt im Winter tendenziell die Arbeitslosigkeit.
Foto: dapd

Auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar kann dem positiven Trend auf dem Jobmarkt nichts anhaben, ist sich die Bundesagentur für Arbeit sicher. Die aktuelle Entwicklung habe ausschließlich jahreszeitliche Gründe.

Es gibt derzeit keine konkreten Anzeichen, dass sich der positive Trend am deutschen Arbeitsmarkt in absehbarer Zeit umkehrt. Zwar meldete der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks ausgerechnet am Dienstag, als die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Statistik für Januar veröffentlichte, den bevorstehenden Abbau von 2900 Stellen in Deutschland. Doch scheint das bislang eher ein Einzelfall und nicht der Vorbote einer neuen Entlassungswelle zu sein. Wie die monatliche Umfrage der BA unter ihren 174 regionalen Agenturen ergab, seien Kündigungen größeren Umfangs nicht geplant. Lediglich sechs Agenturen berichteten von einer Verschlechterung der Arbeitsmarktlage in ihrer Region. Die Schlussfolgerung der Bundesagentur: Der Aufschwung am Arbeitsmarkt wird weitergehen – vielleicht nur nicht so kräftig wie in den vergangenen Monaten.

Deutschland Spitze in Europa

Die Beschäftigung in Deutschland hat sich so gut entwickelt, dass laut BA der Arbeitsplatzabbau während der Krise von 2009 wieder aufgeholt wurde. Auch Banken-Volkswirte sprechen von einem „außergewöhnlich robusten“ Jobmarkt. Diese Einschätzung ist erklärungsbedürftig. Schließlich sieht die Lage auf den ersten Blick anders aus: Im Januar waren mit 3,082 Millionen Erwerbslosen rund 300000 Menschen mehr arbeitslos als im Dezember. Die Arbeitslosenquote legte von Dezember auf Januar um 0,7 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent zu. Vor einem Jahr lag sie allerdings noch bei 7,9 Prozent.

Der Anstieg der Arbeitslosenzahl, betont die BA, hatte ausschließlich jahreszeitliche Gründe: Im Januar steigt die Arbeitslosigkeit immer stark an. Viele Bau-arbeiter werden im Winter entlassen, und im Frühjahr wieder eingestellt. Im Einzelhandel würden Beschäftigte fürs Weihnachtsgeschäft befristet eingestellt, und nach den Feiertagen nicht weiter beschäftigt.

In diesem Januar sei die Arbeitslosigkeit deutlich weniger stark gewachsen als in den vergangenen drei Jahren, sagte eine BA-Sprecherin. Im Schnitt sei die Zahl der Arbeitslosen in den vergangenen drei Jahren um 354000 Menschen gestiegen, diesmal waren es „nur“ 302000. Saisonbereinigt sei die Arbeitslosigkeit denn auch leicht gesunken. Wenn man den milden Winter berücksichtige, komme man auf einen Rückgang von etwa 24000 Menschen, erläutert die Sprecherin. Damit ist die Arbeitslosigkeit auf dem geringsten Stand in einem Monat Januar seit 21 Jahren.

Bei den registrierten Arbeitslosen werden allerdings viele Menschen nicht mitgezählt, die faktisch auf Jobsuche sind. Das gilt zum Beispiel für Ein-Euro-Jobber oder ältere Hartz-IV-Empfänger, die seit mehr als einem Jahr kein Stellenangebot erhalten halten.

Wer sich ein umfassendes Bild über die Arbeitslosigkeit machen will, sollte deshalb auch die Unterbeschäftigung anschauen. Hier werden diese Menschen mitgezählt. Die Unterbeschäftigung belief sich im Januar auf 4,1 Millionen Menschen. Das waren rund 490000 weniger als im Vorjahr..

Arbeitslosigkeit im Euroraum weiter hoch

Auch wenn sich die Konjunktur in Deutschland abkühlen wird, erwartet die Bundesagentur weiterhin im Jahresschnitt 2012 weniger als drei Millionen Arbeitslose. Damit steht Deutschland in Europa mit am besten da. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag in Luxemburg mitteilte, ist im Euroraum die Arbeitslosigkeit auch zum Jahresausklang hoch geblieben. Die Arbeitslosenquote lag im Dezember wie im Vormonat bei 10,4 Prozent. Der November-Wert war zunächst mit 10,3 Prozent angegeben worden. Im Dezember des Vorjahres hatte die Quote bei 10,0 Prozent gelegen. Eurostat schätzt die Gesamtzahl der Erwerbslosen im Euroraum auf derzeit rund 16,47 Millionen Menschen. Das sind 20000 mehr als im November und 751000 mehr als im Dezember 2010.

Mit der höchsten Arbeitslosigkeit im Währungsraum haben nach wie vor Spanien und Griechenland zu kämpfen. Dort liegen die Quoten bei 22,9 und 19,2 Prozent, während Eurostat für Deutschland eine saisonbereinigte Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent ausweist. Diese weicht wegen unterschiedlicher Zählweise etwas von der Quote ab, die die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg ermittelt.

Die bei weitem höchste Jugendarbeitslosigkeit weist schon seit langem Spanien auf. Derzeit ist fast jeder zweite Spanier unter 25 Jahren arbeitslos. Im gesamten Euroraum liegt die Jugendarbeitslosigkeit den Angaben zufolge bei 21,3 Prozent, in Deutschland hingegen mit 7,8 Prozent so tief wie in keinem anderen Euro-Land. (mit dpa)

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