03.01.2012

Kommentar zum Arbeitsmarkt: Job-Rekord: Kein Grund zur Zufriedenheit

Von Eva Roth
Die Erwerbstätigkeit in Deutschland erreicht ein Rekord-Niveau.
Die Erwerbstätigkeit in Deutschland erreicht ein Rekord-Niveau.
Foto: dpa

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland erreicht ein Rekordniveau. Hinter der Meldung verbergen sich neben erfreulichen aber auch fragwürdige Entwicklungen. Die Zahl unsicherer und schlecht bezahlter Jobs ist langfristig gewaltig gestiegen.

Die Zahl der Erwerbstätigen hat im vereinigten Deutschland ein Rekordniveau erreicht – hinter dieser knalligen Nachricht verbergen sich erfreuliche und fragwürdige Entwicklungen. Langfristig ist die Zahl der Teilzeit-Jobs gewaltig gestiegen: Anfang der 1990er Jahre hatten nur 16 Prozent der Arbeitnehmer eine Teilzeitstelle, inzwischen sind es rund 35 Prozent. Millionen Menschen müssen sich mit einem Minijob begnügen, obwohl sie gern mehr arbeiten – und verdienen – würden. Die Stundenlöhne sind oft sehr niedrig. Auch die Zeitarbeit hat zum Job-Wachstum beigetragen. Diese Stellen sind meist sehr unsicher und wie die Minijobs schlecht bezahlt.

Der Job-Rekord bedeutet also nicht, dass sich die Arbeitsmarktpolitiker zufrieden zurücklehnen können. Sie müssen Regeln festlegen, damit aus Jobs gute Arbeitsplätze werden: Leiharbeiter sollten genauso bezahlt werden müssen wie Festangestellte. Die Minijob-Förderung sollte zurückgefahren statt ausgebaut werden, wie es die Koalition getan hat. Beides würde dazu beitragen, dass mehr reguläre statt prekäre Stellen entstehen.

 Eva Roth
Eva Roth

Hinter der Rekord-Meldung verbirgt sich aber auch eine positive Entwicklung: In jüngster Zeit ist die Zahl der Vollzeitstellen kräftig gestiegen: Innerhalb eines Jahres betrug der Zuwachs 1,7 Prozent. Das Wachstum war damit deutlich stärker als bei den Teilzeit-Jobs, wo das Plus nur 0,4 Prozent betrug. Zu verdanken haben wir dies vor allem dem kräftigen Wirtschaftswachstum. Dieser Trend wird sich nur dann fortsetzen, wenn das Wachstum nicht durch eine rigide Sparpolitik in Europa abgewürgt wird.

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