Die Schuldenkrise in Europa macht sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch nicht bemerkbar: Im November gab es saisonbereinigt 20.000 weniger registrierte Arbeitslose als im Oktober. 2,7 Millionen Menschen sind nunmehr bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) als Jobsuchende gemeldet. Auch die Unterbeschäftigung hat sich stark verringert: Knapp 3,9 Millionen Menschen waren im November unterbeschäftigt und damit eine halbe Million weniger als im Vorjahr. Zu dieser Gruppe werden neben registrierten Arbeitslosen auch Jobsuchende gezählt, die eine Weiterbildung machen oder einen Ein-Euro-Job haben.
Auch im europäischen Vergleich steht Deutschland relativ gut da: Im Euroraum stieg die Arbeitslosigkeit im Oktober auf 10,3 Prozent. Die Bundesrepublik liegt mit 5,5 Prozent auf dem vierten Platz, hinter Österreich, Luxemburg und den Niederlanden, berichtet Eurostat. Die europäische Statistikbehörde berechnet die Arbeitslosenquote anders als die BA, damit die Rate mit anderen Ländern vergleichbar ist.
Ein Grund für den positiven Trend in Deutschland ist laut BA die immer noch gute wirtschaftliche Entwicklung hierzulande. Geholfen hat auch der Trend zur Teilzeit: Im Jahresvergleich ist die Zahl der Teilzeit-Stellen um sechs Prozent gestiegen, bei den Vollzeit-Jobs betrug der Zuwachs nur 1,6 Prozent. Mittlerweile sind 20 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze Teilzeit-Stellen.
Die Leiharbeit spielt beim Beschäftigungszuwachs dagegen eine geringere Rolle als noch im Sommer: Damals waren 20 Prozent aller neuen Jobs Zeitarbeitsstellen, heute beträgt ihr Anteil noch elf Prozent.
Bundesregierung will Hilfen drastisch kürzen
Weil mehr Menschen einen Job finden, will die Bundesregierung die Hilfen für Hartz-IV-Empfänger drastisch kürzen. Im vorigen Jahr stellte sie noch sechs Milliarden Euro zur Verfügung, um diese Menschen zu fördern. Mit dem Geld wurden Ein-Euro-Jobs, Weiterbildung oder Lohnzuschüsse finanziert. Bis 2013 sollen diese Mittel fast auf die Hälfte zurückgefahren werden.
„Das ist sozialpolitisch nicht hinnehmbar“, kritisiert der Präsident des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche, Johannes Stockmeier. Die Kürzungen würden vor allem Langzeit-Arbeitslose zu spüren bekommen, die in den ersten Arbeitsmarkt kaum zu vermitteln sind, etwa, weil sie gesundheitliche Probleme haben. „Gerade die Schwächsten werden durch die Kürzungen abgehängt“, sagt Stockmeier der Frankfurter Rundschau. „Sie werden jeglicher Entwicklungsperspektive beraubt.“
Das einzige, was der Staat ihnen noch biete, sei die bloße Existenz-Sicherung mittels Hartz IV, erläutert Stockmeier. Die Diakonie schätze, dass von den Kürzungen rund 350.000 Menschen betroffen sein werden, weil für sie keine Förderung mehr möglich sei.
Die bereits umgesetzten Einschnitte machen sich laut Stockmeier bei der Diakonie schon bemerkbar. Er nennt zwei Beispiele: Die gemeinnützige Gesellschaft „Passage“ in Hamburg biete benachteiligten Menschen Weiterbildung und Arbeitsgelegenheiten. Ein-Euro-Jobber würden zum Beispiel armen, älteren Menschen im Haushalt helfen und sich um die Wäsche kümmern. Nun müsse die Zahl der Ein-Euro-Jobs von 370 auf 137 Stellen heruntergefahren werden.
Im bayerischen Kronach müssten zwei Jugendwerkstätten geschlossen und 15 qualifizierte Festangestellte entlassen werden. Sie hätten bisher Jugendliche betreut, die in einer schwierigen Lage stecken, etwa, weil sie die Schule abgebrochen haben. Doch die Arbeit werde nun nicht mehr vom Jobcenter finanziert.
Die Diakonie ist also selbst direkt von den Kürzungen betroffen. Insgesamt hat das Diakonische Werk 2009 laut Stockmeier 41.000 Ein-Euro-Jobber beschäftigt, inzwischen dürften es rund 38.000 sein.
Junge Leute abgeschoben
Diese staatlich finanzierten Stellen sind umstritten. Kritiker bemängeln etwa, dass zu viele junge Arbeitslose auf Ein-Euro-Jobs geschoben wurden anstatt sie zu qualifizieren. Stockmeier weist die Kritik zurück: Viele Langzeitarbeitslose hätten dank der „Arbeitsgelegenheiten“ wieder Kontakt zu anderen Menschen und könnten etwas Sinnvolles tun.
Für Forscher kommt es darauf an, dass das Instrument gezielt eingesetzt wird. „Ein-Euro-Jobs können bei zunächst Arbeitsmarktfernen Personen die Chancen auf einen regulären Job verbessern“, sagt Joachim Möller, Direktor des BA-Forschungsinstituts (IAB). „In der Vergangenheit kam es aber immer wieder vor, dass Personen mit eigentlich guten Aussichten auf eine reguläre Stelle Ein-Euro-Jobs verordnet wurden.“ Deswegen sollte man verstärkt darauf achten, „dass Ein-Euro-Jobs nur bei wettbewerbsschwachen Hartz-IV-Empfängern zum Einsatz kommen“.

