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"Nikos" Skotarczak starb bei Frühstück im Nachtclub: Gründervater der Auto-Mafia erschossen

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WARSCHAU, 26. April. Nikodem Skotarczak wurde am Freitag mittag beim Frühstück in einem teuren Gdingener Nachtclub von zwei maskierten Männern erschossen. Der 44jährige Gangster, "Nikos" oder "Skotti" genannt, gilt als Gründervater jenes Halbweltbiotops, das als "polnische Automafia" in die Geschichte eingegangen ist. Autoklau schafft Verbindungen "Nikos" hatte als einfacher Leibwächter und Türsteher begonnen. Doch Anfang der 80er Jahre soll er bereits über 200 "Soldaten" beschäftigt haben, die für ihn im Westen Luxuskarossen stahlen, sie in Polen legalisierten und unter das Volk brachten. Aus jener Zeit rührt die eigenartige Danziger Symbiose her, die "Nikos" und seinen Kumpanen bis heute faktische Straffreiheit garantierte. Um trotz Vorstrafen ins Ausland zu kommen, waren gute Kontakte zu den Sicherheitsbehörden notwendig. Die wiederum machten sich die Gangster zu Spionagezwecken nutzbar. Sogar die antikommunistische Opposition im Untergrund nützte seit 1981 die Verbindungen der Gangster. Am Ende waren Ober- und Unterwelt kaum mehr zu unterscheiden, "Nikos" wurde gar Ehrenbürger von Danzig. Der Bruder-Trick Dem Ansehen, das er bis zuletzt in der Heimat genoß, tat auch keinen Abbruch, daß er in Deutschland auf den Fahndungslisten stand. 1989 war er verhaftet und zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Doch während eines Besuchs seines Bruders in der Haftanstalt Berlin-Tegel wechselte er mit diesem die Kleidung, verließ das Gefängnis und ließ den Bruder zurück. Er tauchte in Polen unter und sämtliche Versuche, den "Paten" zurückzubekommen, scheiterten. Der polnische Staatsbürger durfte nicht ausgeliefert werden. Polens Polizei hatte zunächst auffallend wenig Interesse, ihn hinter Gitter zu bringen. Erst 1993 sorgte eine Sonderermittlungsgruppe dafür, daß "Nikos" zwei Jahre ins Gefängnis kam, doch nach einem Jahr war er wegen "guter Führung" frei. Da hatte den wichtigeren Teil seiner Geschäfte bereits eine ganze Gruppe jüngerer Danziger Yuppie-Geldwäscher übernommen. "Nikos " Karriere war schon lange zu Ende, bevor ihn die Killer erschossen. Die Autobanden wurden immer internationaler und abgesahnt wird heute vor allem mit Rauschgift und Menschenhandel. Am Ende, so scheint es, wurde "Nikos" Opfer der Geister, die er selbst gerufen hatte: Im Warschauer Bandenkrieg scheint er auf die falsche Seite gesetzt zu haben auf die nach einem Vorort benannte "Wolomin-Gruppe", die jüngst zwei Opfer zu beklagen hatte. Doch polnische Fahnder behaupten, Skotarczak habe in letzter Zeit so viele unbezahlte Schulden angehäuft, daß er auch ohne Bandenkrieg genug Feinde gehabt habe.

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