14 Unternehmer wollen einen Reiterhofbesitzer vor dem Ruin bewahren: Eine Droschke zum Überleben

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FRANZÖSISCH-BUCHHOLZ. Klaus Kosa hatte nicht mehr daran geglaubt, dass er es schaffen würde: Seit ihm das Grundstücksamt Pankow vor drei Jahren die Pacht für seinen Reiterhof an der Triftstraße von 40 auf 1 500 Euro im Monat erhöht hatte, ging es bei Kosa nur noch bergab. 20 seiner 32 Pferde musste er verkaufen, nachts arbeitete er in einer Bäckerei, um die Pacht bezahlen zu können. Seine Frau hielt den Existenzkampf ihres Mannes nicht durch. Sie trennte sich von ihm. 13 Jahre lang war Kosa damit beschäftigt, den früheren Schrottplatz zu einem Reiterhof mit Streichelzoo umzubauen. Vor acht Wochen war er soweit, alles hinzuschmeißen. "Ich konnte nicht mehr weitermachen", sagte der 49-Jährige vergangenen Sonnabend. Da konnte Kosa schon wieder lächeln. In historischem Kutschergewand aus den 20er-Jahren saß Kosa stolz auf seiner neuen Pferdedroschke vor dem Gasthof Alter Dorfkrug in Lübars. Die Kutsche haben ihm 14 Geschäftsleute aus Französisch-Buchholz geschenkt, damit Kosa seinen Reiterhof nicht aufgeben muss. Die Einnahmen aus den Kutschfahrten zwischen Lübars und Französisch-Buchholz sollen den finanziellen Aufschwung für Kosa bringen. Vielleicht ist der Reiterhof noch zu retten. Etwa 3 000 Euro hat Michael Lamprecht, der Initiator der Solidaritätsaktion, in den vergangenen zwei Monaten von Unternehmern aus Werbeagenturen, Handwerks- und Gastronomiebetrieben und Autohausbesitzern eingesammelt. Von den Spenden haben sie Kosa eine Kutsche gekauft. Künftig wird das Pferdetaxi nach telefonischer Bestellung zwischen dem Restaurant Alter Dorfkrug in Lübars und Kosas Reiterhof pendeln. Eine Rundfahrt dauert zwei Stunden. Sechs Gasthäuser und Restaurants liegen an der Strecke. Auch kürzere Fahrten sind möglich im Kremser oder im Zweisitzer. "Vielleicht wollen sich Pärchen zum Abendessen bei Kerzenschein kutschieren lassen", sagt Lamprecht. Vorerst wird das Droschkentaxi an den Wochenenden unterwegs sein. "Vielleicht geht es jetzt wieder aufwärts", sagt Kosa. Nächsten Mittwoch kommt Pankows Bürgermeister Burkhard Kleinert (PDS) auf den Reiterhof. Dann will Klaus Kosa mit ihm über die Pacht reden. "Bisher konnte mir niemand erklären, warum die Pacht von 40 auf 1 500 Euro im Monat erhöht wurde", sagt Kosa. Den Termin mit dem Bürgermeister hat Kosa auch den Geschäftsleuten zu verdanken. "Wir konnten nicht zuschauen, wie Pferde-Klaus finanziell zu Grunde geht", sagt Michael Lamprecht. Das Droschkentaxi kann bestellt werden unter der Nummer 0170/950 56 39. BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER Erste Fahrt im Droschkentaxi: Klaus Kosa (r. ) und sein Helfer Rainer Schmidt.

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