13.11.2002

56-Jähriger wurde zu zehn Monaten Haft verurteilt: Prügelnder Lehrer wird entlassen

Von Tobias Miller

Der Sonderschullehrer Hans-Joachim H. (56) wird in Berlin nicht mehr unterrichten. Man bemühe sich, den Vertrag mit dem Pädagogen so schnell wie möglich zu lösen, sagte Rita Hermanns, Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung am Dienstag. Der Grund: H. hat bei seiner Einstellung in Berlin Mitte August geleugnet, dass in München, wo er vorher gearbeitet hat, ein Strafverfahren gegen anhängig ist. Er soll dort Kinder geschlagen und sexuell missbraucht haben. Am vergangenen Donnerstag wurde er vom Amtsgericht München zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Nach den Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft wurde dem Lehrer vorgeworfen, einmal einen zehnjährigen Jungen unsittlich berührt zu haben. In zwei anderen Fällen soll er einem Jungen ins Gesicht geschlagen und einen anderen übers Knie gelegt und geprügelt haben. Außerdem soll er gespannte Mausefallen vor besonders unruhigen Schülern aufgestellt und den Kopf eines Jungen zwischen seinen Beinen eingeklemmt haben. Ein Junge, dessen Mutter gerade an Krebs gestorben war, musste im Unterricht ihr Foto zerschneiden. Von dem Verfahren war in Berlin nichts bekannt, als H. sich hier beworben hatte. Er war zu dem Zeitpunkt Leiter der privaten Sonderschule in München. Offenbar musste er gehen, weil Eltern das Verfahren gegen ihn in Gang gebracht haben. Dass sein gutes Zeugnis, das er mit seiner Bewerbung in Berlin vorlegte, bereits ein Jahr alt war, fiel in der Verwaltung nicht auf. Es stammte noch vom alten Vorstand des Vereins, der die Münchner Schule trägt. Hans-Joachim H. gab an, nach Berlin wechseln zu wollen, weil seine Frau hier arbeite. Er bekam eine Anstellung in einer Marzahner Sonderschule. Dort unterrichtet er eine 7. und eine 9. Klasse unter anderem in den Fächern Deutsch, Biologie, Chemie und Mathematik. H. ist in Berlin seit dem, 19. August als Lehrer tätig. Vorfälle, wie ihm in München zur Last gelegt wurden, hat es hier offenbar nicht gegeben. Hans-Joachim H. wird als ruhiger Kollege beschrieben. Der Kündigungsgrund in Berlin sind aber nicht die Taten in München, sondern weil er bei seiner Einstellung gelogen hat. Dem Vernehmen nach hat er die in dem Procedere übliche Frage nach laufenden Verfahren verneint. Sein polizeiliches Führungszeugnis habe keine Verfehlungen aufgelistet, heißt es. Außerdem habe er sich mit einem angeblichen Termin beim Amtsarzt vom Unterricht abgemeldet, um vergangene Woche zu seinem Prozess nach München fahren zu können. Nach Informationen der Berliner Zeitung ist der Lehrer mittlerweile ernsthaft erkrankt und im Krankenhaus. (tom.)

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