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Ärzte konnten den Briten nicht retten / Weiter Rennen in Berlin?: Kieth Odor erlag Verletzungen

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Der britische Tourenwagenpilot Kieth Odor erlag in der Nacht zu gestern den schweren Verletzungen, die er während des Avus-Rennens am Sonntag bei einem Auffahrunfall erlitten hatte. Nach dem Tod ist nun die Diskussion um die Sicherheit der Traditionsstrecke neu entbrannt. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich leider bewahrheitet. Kieth Odor, der 33jährige Brite, ist gestorben. Gestern morgen um 0.56 Uhr stellten die Ärzte im Klinikum Steglitz seinen Tod fest. Der Rennfahrer, der am Sonntag beim Super-Tourenwagen-Cup auf der Avus in einen schlimmen Unfall verwickelt war, erlag seinen Gehirnblutungen. Zuvor hatten die Ärzte stundenlang um sein Leben gerungen. Mit einem Oberschenkelhalsbruch und einem Hämatom (Bluterguß) unter der Hirnhaut war er eingeliefert worden. Eine sofortige Operation schien ihn zunächst außer Lebensgefahr gebracht zu haben, doch dies erwies sich leider als Irrtum. Beängstigende Serie Ein schwarzes Wochenende für den Berliner Sport. Ähnlich jenem 14. Februar 1994, als in Wilmersdorf der italienische Eisspeedway-Fahrer Remo Dal Bosco ums Leben kam. Natürlich stellt sich nach diesem tragischen Unfall die Frage nach der Zukunft der Avus. Denn die Serie erscheint beängstigend: Im September vorigen Jahres überlebte der Holzfabrikant Louis Krages, damals noch unter dem Pseudonym John Winter fahrend, einen Feuerunfall mit leichten Verbrennungen. Und erst im Mai stiegen nach einem Massencrash, der den Abbruch des Rennens bedingte, ein Dutzend Fahrer unverletzt ihren Mercedes, Opel und Alfa Romeo. Sichtlich mitgenommen reagierte auch Organisationsleiter Gerhard Gottlieb gestern auf den Tod. "Ich will über die Zukunft der Avus derzeit keine Aussage machen. Es bedarf intensiver Untersuchungen, ob die Strecke noch geeignet ist." Stadtkurse wie die Avus oder Monte Carlo, wo im vorigen Jahr der österreichische Formel-1-Pilot Karl Wendlinger so schwer verunglückte, bergen immense Risiken in sich. Gottlieb und Rennleiter Werner Korth wiesen gestern bei einer Pressekonferenz jedoch jegliche Vorwürfe zurück, die Organisatoren hätten die Rettungsmaßnahmen nicht rechtzeitig eingeleitet. "Acht Sekunden nach dem Unfall war der erste Streckenposten am Ort, nach 40 Sekunden das erste Sicherungsfahrzeug, nach 70 Sekunden das Rettungsfahrzeug mit dem Notarzt", so die offizielle Version der Organisatoren. Auch die Kritik, die ärztliche Versorgung habe zu lange gedauert, wollte man nicht stehenlassen: Kieth Odor sei nach 80 Sekunden versorgt worden. An der linken, noch intakten Fahrzeugtür - vom Fernsehen nicht einsehbar - habe sich der Notarzt um den Eingeklemmten bemüht, versucht, ihn transportfähig zu machen. Das im TV oft gezeigte Rettungsfahrzeug sollte ihn dann ins Klinikum Steglitz bringen. Noch immer ist unklar, was zum Unglück führte. Experten schließen aus dem Ausbrechen des Nissan in einer unproblematischen Kurve, wodurch das Auto in die Leitplanken und zurück auf die Strecke prallte, daß entweder ein Reifendefekt oder ein Bruch an der Radaufhängung vorlag. Der Nissan wird nun von der Staatsanwaltschaft untersucht. Autos zu schnell Rennleiter Kohrt nahm auch jede Schuld von Frank Biela, der trotz Vollbremsung mit seinem Audi den Wagen Odors frontal gerammt hatte. "Die Rennfahrer sind auf dieser Strecke zu schnell, sie können nicht alles sehen." Es ist kaum zu glauben, daß der recht zurückhaltende Brite nicht mehr am Leben ist. Noch nach dem sonnabendlichen Training lobte der kinderlose Kieth die Strecke, die ihm dann zum Verhängnis werden sollte. "Ich bin zuvor noch nie auf der Avus gefahren, hatte mir nur Videos angesehen. Nach dem Training im Regen war ich nicht sehr begeistert. Aber auf trockener Piste fuhr es sich sehr gut, ich mag die Strecke." Und freute sich noch über die Pole Position, die ihm dann auch den Sieg beim Sprintrennen über 60 km bescherte. "Zuletzt stand ich 1993 in der Britischen Tourenwagen-Meisterschaft auf dem ersten Startplatz." Und verabschiedete sich mit dem Hinweis, noch zwei Biere trinken zu wollen, um gut schlafen zu können. +++

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