01.12.2006

Der Bezirk will das Gebäude asbestsanieren. Wann, steht noch nicht fest: Der Schwielowsee-Schule droht jahrelanger Leerstand

Von Greta Taubert

SCHÖNEBERG. Besorgte Eltern der Schwielowsee-Grundschule an der Monumentenstraße schlagen Alarm. Sie fürchten, dass es die älteste Ganztagsschule von West-Berlin bald nicht mehr geben könnte. Denn im Februar kommenden Jahres sollen die Kinder den zweigeschossigen Flachbau aus den 70er-Jahren verlassen. Die Schule muss saniert werden, denn in ihren Zwischendecken versteckt sich Asbest. Doch saniert wird noch lange nicht. Nicht 2007, nicht 2008, auch nicht 2009. Geschlossen werden soll die Schule trotzdem im kommenden Jahr. Die Kinder werden auf drei benachbarte Schulen aufgeteilt. "Frühestens 2010" werden laut Schulstadtrat Dieter Hapel (CDU) die ersten Bagger auf das Schulgelände rollen. Vorher sei kein Geld für den aufwändigen Neubau da. Um die zwölf Millionen Euro kostet es, der Schwielowsee-Grundschule ein modernes Haus zu geben. Zu viel für ein Bezirksamt, das jährlich nur 4,07 Millionen Euro investieren kann. Im gesamten Bezirk. Bezirk ließ EU-Mittel verfallen Merkwürdigerweise erklärte sich der Bezirk vor zwei Jahren bereit, alle Kosten zu übernehmen, auch wenn Drittmittel wegfallen. Damals konnte noch keiner ahnen, dass die EU-Subventionen für die Asbest-Sanierung tatsächlich versäumt wurden und verfielen. Obwohl nicht klar ist, wo und wann das Geld herkommen soll, hält der Bezirk offiziell an der Sanierung der Schule fest. Die Eltern der Schwielowsee-Grundschüler vermuten etwas anderes. "Senat will Grundschule mit Vorbildcharakter durch die Hintertür schließen", heißt es auf Mitteilungen, die sie an die Öffentlichkeit schicken. "Die spielen auf Zeit", sagt Frank Becker vom Elternbeirat. Das Bezirksamt wolle erst mal die Schule leer kriegen und dann jahrelang verrotten lassen. Weil sich dann niemand mehr für das Gebäude einsetzt, müsse man die Schwielowseeschule zumindest nicht mehr kostenaufwändig sanieren. Gegen diese Ruhigstell-Taktik wollen die Eltern, Kinder und Lehrer am 6. Dezember mit einem Marsch zum Schöneberger Rathaus protestieren. Sie werden dort eine Unterschriftenliste übergeben, auf der sich auch Anwohner dagegen ausgesprochen haben, die Schüler im Februar auszulagern. Offiziell liegt es am Asbest, dass die Schwielowseeschule so schnell geschlossen werden soll. "Ich möchte unter meiner Verantwortung keine Kinder einer Gefahr aussetzen", sagt Schulstadtrat Hapel. Er fordert gerade vom Baustadtrat ein aktuelles Gutachten über die Asbestbelastung der Schule an. In verschiedenen anderen Gutachten sei die Schule bereits unter der Dringlichkeitsstufe 1 eingeordnet worden. Allerdings sagt diese Dringlichkeit nichts über die tatsächliche Schadstoffbelastung in den Klassenräumen aus. Die Raumluft in der Schwielowseeschule wird seit 1994 alle zwei Jahre überprüft und gilt bislang als unbedenklich. Sollte es trotzdem mal in einer Decke ein Loch geben, würde laut Schulleitung dieser Raum sofort geräumt werden. Platznot entstehe nicht, es gebe genug leere Zimmer. Die Kita-Kinder des "Kinderzentrums Monumentenstraße", die auch auf dem Gelände untergebracht waren, sind schon seit Juli in der Elßholzstraße und werden dort wohl bleiben. Die Senatsschulverwaltung hatte schon im Juli auf ein "erhebliches Überangebot von Kita-Plätzen" im Bezirk hingewiesen. Und auch die Neubau-Pläne der Grundschule müssten aus Senatssicht "regelmäßigen Bedarfsprüfungen während der Planungs- und sogar während der Durchführungsphase" unterzogen werden. Das heißt: Wenn die Zahl der Schulkinder weiter sinkt, werden sowieso nicht alle Grundschulen in Schöneberg bestehen bleiben können. Da kann sich der Bezirk es eigentlich auch sparen, eine Grundschule teuer wieder aufzubauen. "Wir wollen hier drinbleiben, bis die Bauarbeiten beginnen", sagt die Direktorin der Schwielowsee-Grundschule, Marion Dießelberg. Denn steht die Schule erst mal auf unbestimmte Zeit leer, ist das ihr garantiertes Ende. "Wenn eine Schule keine Perspektive hat, melden Eltern dort ihre Kinder nicht an", befürchtet Dießelberg. Sie sieht die eingeworfenen Scheiben schon vor sich. Ein Schulhort, der zum Hort des Vandalismus wird. ------------------------------ "Wenn eine Schule keine Perspektive hat, melden Eltern ihre Kinder dort nicht an." Marion Dießelberg, Direktorin der Schwielowsee-Grundschule

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