Der Neubau der Botschaft wurde am historischen Ort offiziell eröffnet - am Pariser Platz: Die Franzosen sind zurück

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Die Soldaten der Republikanischen Garde stehen in ihren blauweißroten Uniformen Spalier, als Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac am Donnerstagnachmittag die neue Botschaft in Berlin betritt. Es ist ein historischer Augenblick. Frankreich ist zurück am Pariser Platz. Wieder dort, wo von 1860 bis zum Zweiten Weltkrieg die Botschaft stand. Zwar sind die Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung schon im Oktober vergangenen Jahres in ihren Neubau eingezogen, aber die Einweihung sollte im feierlichen Rahmen zum 40. Jahrestag der deutsch-französischen Verständigung erfolgen. Dies sei ein "sehr ergreifender Moment", sagt Chirac vor den geladenen Gästen der Feier, darunter Bundespräsident Johannes Rau und Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die neue Botschaft verkörpere "die wiedererlangte Identität Deutschlands und die Stärke der französischen Präsenz an seiner Seite", sagt er. Und er lobt demonstrativ den Architekten Christian de Portzamparc für sein Werk, das in den vergangenen Monaten wegen seiner ungewöhnlichen Fassade manche Kritik hatte einstecken müssen. "Diese Botschaft ist das Ebenbild des Frankreichs von heute: modern, dynamisch, fantasievoll, weltoffen." Portzamparc sei "ein architektonischer Wurf von großer Eleganz gelungen". Rau erinnert daran, dass an der Stelle, wo nun die Botschaft steht, einst der Todesstreifen verlief. Jetzt sei dort eine Brücke der deutsch-französischen Verständigung gebaut worden. Nach den Ansprachen werden die Nationalhymnen gespielt. Trotz Nieselregens stehen einige hundert Schaulustige hinter den Polizeiabsperrgittern an der Botschaft. Eine Gruppe unter ihnen demonstriert gegen einen Krieg im Irak: "La France und Deutschland, Entwicklung für Frieden" steht auf einem Transparent. Auch die Anrainer am Pariser Platz zeigen Flagge: Das Hotel Adlon hat zur Feier des Tages die französische Trikolore gehisst. Nach den Festreden im Botschaftsgebäude haben die Gäste die Gelegenheit, den Neubau zu besichtigen. Einige zieht es auf den grünen Innenhof, andere schlendern durch die Passage zur Wilhelmstraße oder zum Empfang in der ersten Etage, wo mit Champagner angestoßen wird. Einer der Gäste ist der Schauspieler Hardy Krüger. Er hat sich schon lange um die deutsch-französischen Beziehungen verdient gemacht: "Ich habe in Paris gelebt und in acht französischen Filmen mitgespielt", sagt Krüger. Seit einem Jahr ist er Offizier der französischen Ehrenlegion. Deswegen sei er eingeladen. Ein weiterer Offizier der Ehrenlegion ist Paul Spiegel, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden. Zu Frankreich hat Spiegel besondere, sehr persönliche Beziehungen. Seine Schwiegereltern wurden auf der Flucht vor den Nazis von Franzosen gerettet. Heute ist er mit einer Französin verheiratet. Spiegel sagt: "Ich bin glücklich, an diesem Tag hier dabei zu sein." Seite 18 Zitiert // "Dies ist ein glücklicher Tag für uns alle. Wir gratulieren. Herzlich willkommen in Berlin. " Bundespräsident Johannes Rau. "Die französische Botschaft plant viele Kulturveranstaltungen, das wird den Platz beleben. Die Architektur ist beeindruckend, das Gebäude imposant. " Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin. "Von innen gefällt mir das Gebäude besser als von außen. " Lothar de Maiziere, Rechtsanwalt. "Die Botschaft ist fantastisch, eine mutige, moderne Architektur - genau mein Geschmack. " Hartmut Mehdorn, Bahnchef. "Das Gebäude ist großzügig. An die Fassade werde ich mich gewöhnen. " Eberhard Diepgen, Ehemaliger Regierender Bürgermeister. "Ich finde das Haus von innen überraschend interessant. Ich hoffe, es funktioniert als Botschaft. Es passt ganz gut hierher. " Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident. "Heute ist ein schöner Tag. Wichtig ist, dass die Botschaft als Zeichen der deutsch-französischen Verständigung verstanden wird. " Joachim Zeller, Bürgermeister des Bezirks Mitte. DDP/FABIAN MATZERATH Foto-Termin vor dem Brandenburger Tor: Der französische Staatspräsident Jacques Chirac winkte gestern den Flaneuren zu. DDP/MICHAEL URBAN Ihre Väter unterzeichneten den Elysée-Vertrag: Philippe de Gaulle (l. ) und Max Adenauer nach der Enthüllung eines Denkmals für die Politiker vor der Adenauer-Stiftung. DDP/EISELE Ehrengast: die Chansonsängerin Patricia Kaas.

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