Der Neubau der französischen Vertretung am Pariser Platz ist fast fertig / Die eigenwillige Architektur löst Kritik aus: Eine Botschaft wie eine Barrikade

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Die Baugerüste sind bereits abgeräumt, die neue französische Botschaft am Pariser Platz ist fast fertig. Im September sollen die Beschäftigten ihr neues Haus beziehen, sagt der Presseattaché der Botschaft, Jean-Michel Feffer. Noch bevor es soweit ist, gibt es Kritik an der Architektur des Hauses. "Das Gebäude fügt sich nicht in das städtebauliche Ensemble ein", bemängelt der Vorsitzende der Gesellschaft Historisches Berlin, Holger Heiken. Französische Raffinesse Die über zwei Etagen reichenden Fenster im mittleren Teil der Botschaft seien zu groß, und die schmalen Fensterschlitze im Sockelbereich sowie im oberen Teil der Botschaft wirkten wie Schießscharten. "Es sieht aus, als wenn sich jemand verbarrikadiert", sagt Heiken. Zum Baubeginn habe der damalige Bausenator Jürgen Klemann (CDU) versprochen, die Architektur des Hauses würde französische Raffinesse mit preußischer Strenge verbinden. Tatsächlich sei der Neubau eine Verhöhnung dessen, was damals angekündigt worden sei, so Heiken. Der Pariser Architekt Christian de Portzamparc habe wohl eher sich selbst verwirklichen wollen, statt den Neubau in das Ensemble der übrigen Gebäude am Platz einzufügen. Harsche Kritik kommt auch von Jürgen Patzschke, dem Architekten des Hotel Adlon, das auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes steht. Portzamparc habe als einziger Architekt die Proportion der früheren Palaisarchitektur am Pariser Platz aufgegriffen, sagt Patzschke. Allerdings hat er sie in seinem Sinne interpretiert: Er hat zwei Etagen hinter den großen Fensterscheiben zu einer scheinbar hohen Etage zusammengeführt. "Dies ist meines Erachtens nicht statthaft", sagte der Adlon-Architekt. "Hierdurch wirken die Nachbargebäude am Pariser Platz untereinander unmaßstäblich." Bis auf das bunkerhafte Erdgeschoss sei das Gebäude des französischen Architekten dennoch gelungen - als Solitär an einer anderen Stelle. Mittes Bürgermeister Joachim Zeller (CDU) bezeichnet die Botschaft als "eigenwilligen Bau". Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die in den 90er-Jahren eine Gestaltungssatzung für die neuen Gebäude am Pariser Platz erarbeiten ließ, erklärt knapp: "Zur Architektur der Französischen Botschaft äußern wir uns nicht." Dies sei nicht üblich. Die städtebaulichen Vorgaben würden aber eingehalten. Die Vorgaben verlangen für den Standort der Botschaft, dass sie nicht höher als 20 Meter sein darf, dass die Fassade aus Stein oder Putz gestaltet sein muss, und dass Fenster- und Türöffnungen nicht mehr als 50 Prozent der Fassadenfläche ausmachen dürfen. Farblich muss sich die Häuserfront in einem Spektrum zwischen Ocker, Gelb und Grau bewegen. Auch nach Meinung des Architekten Portzamparc sind die Auflagen erfüllt: "Die Fassade trägt den städtebaulichen Grundsätzen des Pariser Platzes Rechnung", teilte der Architekt vor dem Baubeginn mit. Er wolle sich in das Gesamtbild einpassen. Portzamparc formulierte: "Jeder wird darin übereinstimmen, dass eine Botschaft Würde ausstrahlen und sichtbar sein muss, dass sie aber auch freundlich und zivil wirken und zum Erscheinungsbild der Stadt, die sie aufnimmt, einen Beitrag leisten muss." Mit der Fassade der Botschaft müsse dazu beigetragen werden, "dass dieser große Platz, der Teil des Mythos der Stadt ist, ein neues Aussehen erhält". Die Außenfassaden sollten sich in die Architektur des Pariser Platzes einfügen. Eröffnung im Januar // Mit mehr als 200 Beschäftigten ist die französische Botschaft in Deutschland eine der größten diplomatischen Vertretungen Frankreichs in der Welt. Sie untersteht dem Außenministerium und wird vom Botschafter geleitet. Die neue Botschaft befindet sich auf dem Grundstück am Pariser Platz, auf dem die frühere, 1945 zerstörte Botschaft stand. Dieses Grundstück war seit 1860 Eigentum des französischen Staates und wurde nach der Wiedervereinigung Deutschlands an Frankreich zurückgegeben. Neben Kanzlei und Residenz des Botschafters werden im Neubau das Konsulat sowie alle in Berlin vertretenen offiziellen französischen Stellen untergebracht sein. Dazu gehört auch ein öffentliches Kulturzentrum. Die Kosten für die Botschaft wurden vor Baubeginn auf rund 45 Millionen Euro beziffert. Angaben über die tatsächlichen Kosten liegen noch nicht vor. Die offizielle Eröffnungsfeier der Botschaft findet voraussichtlich im Januar 2003 zum 40. Jahrestages des Deutsch-Französischen Vertrages statt. BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Schlechtes Urteil: In der Mitte seien die Fenster der Botschaft zu groß, oben sähen sie aus wie Schießscharten.

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