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Die Chemnitzer Mandy Wötzel und Ingo Steuer wollen in Oberstdorf den Titel im Paarlauf verteidigen: Aber die Gefahr tanzt immer mit

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Er trägt ein dezentes Bärtchen, sie ein elegantes kleines Schwarzes mit weißen Blumen-Arabesken. Getragene Celliklänge haben die wummernden Bässe des vergangenen Rock'n'Roll-Winters ersetzt. Steter Stilwandel prägt das künstlerischen Gesamtkonzept von Mandy Wötzel und Ingo Steuer nun schon über etliche Jahre hinweg. Das Kleid, die kurze Variante einer Abendrobe, entdeckte Paarläuferin Mandy Wötzel bei der Chemnitzer Designerin Hella Erler. Bartwuchs aber sah der ursprüngliche Kostümentwurf nicht vor. Rasieren sei derzeit unmöglich, erklärte Ingo Steuer: "Ich habe gerade erst die Fäden über der Lippe gezogen, eigenhändig." Mandy Wötzel hatte ihn beim Training kurz vor Weihnachten beim Wurf-Lutz erwischt: mit spitzem Ellbogen knapp unter seiner Nase. Doch Paarläufer sind einiges gewohnt. Die drei Stiche, mit denen Ingo Steuers Platzwunde geflickt wurde, werten Wötzel/Steuer als Lappalie. Auch sonst kann wohl nichts die Vormachtstellung der Weltmeisterschafts-Zweiten, der Europameister von 1995 und Titelverteidiger bei den nationalen Titelkämpfen in Oberstdorf gefährden. Nur drei Paare treten an. Unangenehmer ist für Mandy Wötzel der Druck, der auf ihnen laste, sobald sie heute mit den Berlinern Peggy Schwarz/Mirko Müller und Ulrike Rumi/Thomas Dörmer die schlüpfrige Bahn betreten. "Jeder erwartet, daß wir siegen. Zu gewinnen gibt es deshalb nichts für uns, wir können nur verlieren." Sie haben bisher gewonnen, was zu gewinnen war, in ihrem fünften gemeinsamen Winter. Bei drei Auftritten in der Champions Series ließen sie die russischen Weltmeister Eltsowa/Buschkow jeweils hinter sich. Dieser bemerkenswerte Erfolg hat seine Erklärung: Erstmals trübte keine gravierende Verletzung die Vorbereitung. Sie gleiten und springen in vollendetem Einklang der Bewegungen über das Eis - synchron und taktgenau. Um den Meistertitel zu verspielen, so witzelte dieser Tage ein Beobachter, müßten sie sich wohl permanent und voller Absicht auf die Schlittschuhe trampeln. Was nicht zu erwarten ist. Tatsächlich aber ist ihr Metier gefährlicher, als es erscheinen mag. Ein Nahkampf, maskiert in Harmonie. Der Mangel an Paarlauf-Konkurrenz habe seine Ursache im Umstand, daß diese Disziplin "mehr Mut verlangt als der Einzellauf", sagt Ingo Steuer: "Bei einer Hebung halte ich die Partnerin und stehe selbst nur auf schmalen Kufen." Und wenn Mandy Wötzel springt - und sie springt hoch - "dann dreht sie mit der Schiene direkt vor meinem Gesicht". Die Todesspirale hat ihren Namen nicht von ungefähr, und auch die Waage-Pirouette, bei den Einzelläufern eine harmlose Übung, birgt höchstes Risiko im Paarlauf: Vor Jahresfrist verunglückte die Weltklasseläuferin Elena Beretsnaja schwer. Der Schlittschuh ihres Partners schlug ihr gegen den Kopf. 1989 stürzte Mandy Wötzel bei einem ähnlichen Unfall bewußtlos aufs Eis. Ingo Steuer und Mandy Wötzel wahren seitdem einen Sicherheitsabstand bei brisanten Elementen. "Der Schutz des Partners", sagt Steuer, "ist immer vorrangig." In diesem Winter blieb dem Paar ein schwerer Sturz wie bei Olympia in Lillehammer bislang erspart. Aber die Gefahr tanzt immer mit. +++

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