Die exotische Mandarinente hat sich in der Region erfolgreich angesiedelt: Kunterbunte Einwanderer

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POTSDAM. Es gibt viele bunte Enten, aber Mandarinenten sehen besonders spektakulär aus mit ihren braun-orange gefärbten Flügelfedern. Auch das sonstige Gefieder der Ente ist eher grell: gelb, weiß, braun, schwarz, grün. Doch das gilt nur für die balzfreudigen Männchen, die Weibchen tragen die schlichte Tarnfarbe Braun. Besonders viele der eigentlich aus Nordostchina stammenden Exoten siedeln in Potsdam - beispielsweise in den Parks Babelsberg und Sanssouci und an der Nuthe. "Die etwa 900 Mandarinenten in der Region Potsdam-Berlin bilden die größte Population auf dem europäischen Festland und die zweitgrößte außerhalb Asiens", sagt Wolfgang Mädlow, Hobby-Ornithologe und Geschäftsführer des Brandenburger Naturschutzbundes (Nabu). Rund um die Stadt Cottbus gibt es noch einmal etwa 100 dieser Vögel - der zweitgrößte Bestand nach Potsdam-Berlin. Nur in Großbritannien leben noch mehr dieser Tiere - dort sind mehr als 7 000 Mandarinenten heimisch. Im Kochtopf gelandet Mädlow, der im Raum Potsdam seit 2002 bereits etwa 170 Mandarinenten beringt hat, weiß auch, wie die Tiere sesshaft wurden. "Diese Enten fliegen maximal 35 Kilometer weit", sagt er. In den 1920er-Jahren wurden einige Dutzend Mandarinenten im Zoologischen Garten Berlin gehalten. Da die Tiere ihrem Standort sehr treu bleiben, mussten sie nicht in Käfige eingesperrt werden und lebten auch im weitläufigen Tiergarten. Trotz ihrer Treue waren irgendwann alle Tiere verschwunden. "Es gilt bei Fachleuten als sicher, dass sie während des Zweiten Weltkriegs alle im Kochtopf gelandet sind", erzählt Mädlow. Ab den 1950er-Jahren wurden dann wieder neue Enten im Zoo ausgesetzt. Ihnen ging es prächtig und einige siedelten sich im nahen Tiergarten an. Doch ab 1980 eroberten die Vögel dann den Südwesten von West-Berlin: den Grunewaldsee, den Teltowkanal und die Havel. Kurz nach der Maueröffnung überwanden auch die Mandarinenten die ehemalige Grenze. "Im Frühjahr 1990 siedelte sich das erste Brutpaar nachweislich nördlich von Potsdam an", sagt Mädlow. Inzwischen haben sie sich bis ins etwa zwölf Kilometer entfernte Ferch ausgebreitet. Aber weiter expandiert die Population derzeit nicht. Die Mandarinente gehört zu den sogenannten Neozoen. Das sind Lebewesen, die ursprünglich in hiesigen Breiten nicht heimisch waren. Oft gibt es Probleme, weil sie heimische Tiere verdrängen. Nicht so die Mandarinente. Andere nahe Verwandte dieser Art - wie beispielsweise die amerikanische Brautente - haben sich in der hiesigen Region hingegen nicht etabliert. Offenbar ist die Mandarinente sehr anpassungsfähig. Obwohl sie aus Asien stammt ist sie kälteunempfindlich. Daher haben die gefiederten "Asiaten" keine Probleme mit dem jetzt herrschenden Winterwetter. Sie sind sogar in Kälteperioden besonders gut zu beobachten. Denn wenn die Seen zufrieren, sammeln sie sich an den noch offenen Wasserstellen. Länderfusion vorweggenommen Einziges Problem für die Mandarinenten: Da sie in Baumhöhlen brüten, könnte es zu einer Konkurrenz mit anderen Vögeln kommen, da es nicht so viele ausgehöhlte alte Bäume gibt - denn die heutige Landschaft wird immer aufgeräumter. "Ansonsten verdrängen sie keine einheimischen Arten", sagt Mädlow. "Es gibt nur den ganz normalen Futterneid." Mädlow sagt, dass die exotischen Enten die Fusion der Länder Berlin und Brandenburg vorwegnehmen. "Es gibt einen regen Austausch zwischen den Populationen beider Länder. Die Vögel suchen sich länderübergreifend ihre Partner." ------------------------------ Nach Kolumbus Neu: Tiere, die nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492 hierzulande angesiedelt wurden oder einwanderten, heißen Neozoen oder Neubürger. Probleme gibt es bei Nutrias, die im Winter erfrieren, oder beim amerikanischen Mink, der heimische Nerze verdrängt. Ente: Weltweit gibt es nur noch etwa 65 000 Mandarinenten: 2 000 leben in der Ursprungsheimat China, 10 000 in Japan, 7 000 in Großbritannien und 1 000 in Brandenburg. Der europäische Bestand der wildlebenden Mandarinenten soll bereits größer sein als der asiatische. ------------------------------ Foto: Die Enten stammen aus Asien. Doch die größte Kolonie auf dem europäischen Festland ist im Raum Potsdam-Berlin.

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