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Die Fertigstellung der Dresdner Bahn verzögert sich weiter. Der Bau soll erst in drei Jahren beginnen: Schnell zum Flughafen geht es erst ab 2020

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Am 3. Juni 2012 soll der neue Schönefelder Flughafen eröffnet werden - so ist es weiterhin geplant. Doch die ebenfalls vorgesehene schnelle Bahnverbindung, die von der Berliner Innenstadt auf dem kürzesten Weg dorthin führen soll, wird erst viele Jahre später fertig. Der Wiederaufbau der Dresdner Bahn im Süden von Berlin und dem angrenzenden Umland könne bei "regulärem Bauablauf" nicht vor 2020 abgeschlossen werden, sagte Chefplaner Peter Schulze von der Deutschen Bahn (DB) Netz. Bis dahin müssen Passagiere, die im Airport Express zum Flughafen Berlin Brandenburg (BER) fahren wollen, Umwege und längere Reisezeiten in Kauf nehmen. Der Senat ist nicht unschuldig an den Verzögerungen. Zwischen dem Südkreuz und Mahlow klafft eine Lücke in der Dresdner Bahn. Seit den 1990-er Jahren plant die DB einen Neubau - elektrifiziert und mit zwei Gleisen, auf denen der Airport Express in nur 20 Minuten vom Hauptbahnhof zum neuen Flughafenbahnhof fahren könnte. Doch das Vorhaben geriet schon bald unter die Räder. Die Bürgerinitiative Dresdner Bahn verlangte, in Lichtenrade einen Tunnel zu bauen, um die Anlieger vor Lärm und Erschütterungen zu bewahren. Daraufhin unterbrach der damalige Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) 1998 das gerade erst begonnene Planfeststellungsverfahren für zwei Jahre - ein in Deutschland einmaliger Vorgang. Ein damals schon prominenter Lichtenrader unterstützte die Bürger: der heutige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Erst 2004 setzte der Bund den Schlussstrich: Es gebe kein Geld für einen Tunnel, basta. Bis zu dieser Klarstellung war weitere Zeit verloren gegangen. Doch nicht nur der Senat trägt Mitschuld an den Verzögerungen. Mal plante die DB nur auf Sparflamme. Dann wieder erforderten Rechts- und Planungsänderungen, dass das Projekt neu aufgerollt wurde. Zuletzt musste die DB auf Wunsch der Mahlower neu planen. Heute, 14 Jahre nach Beginn des Verfahrens, gibt es für kein Teilstück der Neubaustrecke einen Planfeststellungsbeschluss vom Eisenbahn-Bundesamt. "Für den Lichtenrader Bauabschnitt erwarten wir ihn noch in diesem Jahr", sagte Schulze. Doch Anwohner wollen die Genehmigung vor dem Bundesverwaltungsgericht anfechten - das Verfahren werde zwei Jahre dauern. "Wir hoffen, dass wir in dieser Zeit für die beiden anderen Abschnitte Baurecht bekommen", so der Ingenieur. Die Hauptbauleistungen können aber nicht vor Ende 2014 beginnen, kalkulierte Schulze. In bewohnten Gebieten sei Bauen rund um die Uhr nicht möglich - was die Bauzeit auf bis zu fünf Jahre verlängere. Er hofft aber, dass sich das Verfahren straffen lässt und der Verkehr doch schon vor 2020 beginnen kann. Vorerst jedoch müssen die Züge über Lichterfelde Ost oder die Ostanbindung zum neuen Flughafen fahren, wofür sie vom Hauptbahnhof eine halbe Stunde benötigen. Diese Schienenwege sind fertig. Das gilt auch für die rund acht Kilometer lange Verlängerung der S-Bahn, die pünktlich bis zum 30. Oktober in Betrieb genommen wird und einen Haltepunkt bei Waßmannsdorf erhält. Am Freitag um kurz nach elf Uhr rollte erstmals ein S-Bahn-Zug in die Station unter dem Flughafen - Auftakt zu weiteren Prüffahrten. Auch der ICE fährt zum Airport Am Freitag bestätigte die Bahn auf Anfrage, dass sie eine Forderung des Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit nun doch erfüllen wird. Vom 3. Juni 2012 an fahren auch Fernverkehrszüge zum BER, sagte eine Bahnsprecherin der Berliner Zeitung. "Der Bahnhof wird vom Fernverkehr der DB mit Einzelzügen bedient. " Angemeldet wurden je zwei Intercity-Express- sowie Intercity-Züge zum Flughafen und wieder zurück. Ein Eurocity nach Polen kommt hinzu. Dadurch entstehen attraktive Direktverbindungen von und nach Bielefeld, Hannover, Wolfsburg und Stendal sowie nach Wroclaw (Breslau) - Krakau. ------------------------------ Eine Menschenkette rund um den Müggelsee und andere Demos An diesem Sonntag wollen Gegner der Flugrouten mit einer Menschenkette rund um den Großen Müggelsee gegen die geplanten Flugrouten des künftigen Hauptstadtflughafens BER demonstrieren. 12 000 bis 14 000 Menschen sind nach Angaben der Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI) nötig, um die rund elf Kilometer lange Strecke um 15 Uhr symbolisch zu schließen. Treffpunkt am Ufer: spätestens 14.30 Uhr. An der Ostseite des Sees sollen sich rund 200 Sportboote an der Aktion beteiligen. Von 16 bis 20 Uhr gibt es ein Fest am Strandbad Müggelsee. Zu den Hauptforderungen der Teilnehmer gehört ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Die ungewöhnliche Kundgebung ist der Auftakt einer Reihe von Großveranstaltungen in der nächsten Zeit, auf denen Tausende Betroffene andere Routen und ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr fordern. Am Montag um 17 Uhr wollen verschiedene Bürgerinitiativen vor der Staatskanzlei in Potsdam unter dem Motto "Ein Bett im Fluglärm" gegen Nachtflüge in Schönefeld demonstrieren. Um 19 Uhr beginnt auf dem Marktplatz in Friedrichshagen wieder die regelmäßige Montagsdemo. Am 6. September folgt die nächste Kundgebung in Potsdam, diesmal am Sitz des Landtags am Brauhausberg. Ab 19 Uhr soll mit einem "politischen Flugrouten-Trauerspiel" daran erinnert werden, dass die Deutsche Flugsicherung (DFS) vor genau einem Jahr ihre ersten Pläne für die Abflugstrecken in Schönefeld bekannt gegeben hat. Sie lösten die Protestwelle aus, die bis heute anhält. Für den 10. September planen die Flugrouten- und Flughafengegner die nächste Großdemonstration am Flughafen Schönefeld. Auch hier werden wieder Tausende Teilnehmer erwartet. Treffpunkt ist die Waltersdorfer Chaussee/Ecke Hans-Grade-Allee (vom Bahnhof durch den Nordausgang erreichbar). Weitere Kundgebungen in Schönefeld sind bereits für den 23. Oktober und 19. November angekündigt. Am 26. September will das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung der Fluglärmkommission Schönefeld erste Vorstellungen präsentieren, wie die Routen am Flughafen BER verlaufen könnten. Sie prüft derzeit das Konzept, das die DFS im Juli vorgelegt hat. Das verbindliche Konzept soll am 26. Januar veröffentlicht werden. Wesentliche Änderungen an der bisherigen Planung werden nicht erwartet, sagen Beobachter - auch bei der umstrittenen Startroute über dem Großen Müggelsee nicht. Die vorgeschlagene Alternativroute über den Gosener Wiesen wäre mit anderen Startrouten unvereinbar, hieß es. ------------------------------ Karte: Schienenwege zum neuen Flughafen. Nur auf Umwegen ist der Flughafen auf der Schiene erreichbar. Pro Stunde fahren vier Regionalzüge im Wechsel über Lichterfelde Ost oder Karlshorst dorthin. Hinzu kommen die S-Bahnen S 45 und S 9. Die direkte Strecke über die Dresdner Bahn ist nicht einmal im Bau. Foto: Premiere im Untergrund: Am Freitag hielt zum ersten Mal eine S-Bahn im Tunnelbahnhof "Flughafen Berlin Brandenburg". An Bord waren geladene Fahrgäste.

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