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Die französische Vertretung am Pariser Platz will trotz hoher Sicherheitsanforderungen ein offenes Haus sein: Bald bietet die Botschaft Führungen durch das neue Gebäude an

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Die neue französische Botschaft will sich nicht von der Stadt abschotten, sondern ein offener Ort für Berliner und Touristen sein. Zu dem Gebäude gehören deswegen ein Kulturzentrum mit einem Kino- und Theatersaal, eine Bibliothek und Ausstellungsräume. Welches Programm angeboten wird, soll in Kürze mitgeteilt werden, sagte Botschaftssprecher Jean-Michel Feffer am Donnerstag. Das Gebäude solle ein Ort sein, an dem "lebhafte Debatten" geführt werden. Als Anlaufstelle für neugierige Besucher dient zunächst ein kleiner Laden neben dem Eingang an der Wilhelmstraße. "Vitrine de France" steht auf der Scheibe, was soviel heißt wie Schaufenster Frankreichs. Neben Informationen über die deutsch-französische Zusammenarbeit gibt es hier die ganze Botschaft in einem Raum zu sehen: als Miniatur-Holzmodell. Wem das nicht reicht, der kann sich auf Führungen durch die neue Botschaft freuen. Jean-Michel Feffer sagte: "Wir werden Führungen organisieren". Wann sie angeboten werden, ist aber noch offen. Zwar soll die Botschaft öffentlich zugänglich sein, doch zugleich so gut wie möglich geschützt werden. Aus Sicherheitsgründen ist der öffentliche Teil der Botschaft im Erdgeschoss von den übrigen Bereichen abgegrenzt. An der Seite zum Pariser Platz verschanzt sich die Botschaft im Erdgeschoss hinter einer massiven Betonwand. "Der Sicherheitsaspekt prägt den Charakter des Erdgeschosses", räumt Architekt Christian de Portzamparc ein. Nicht ohne Grund. Dass die französische Vertretung in Berlin Ziel von Terroranschlägen werden könnte, beweist der Anschlag auf das Maison de France am Kurfürstendamm vom August 1983. Der Anschlag forderte damals einen Toten und 23 Verletzte. Trotz der Terrorgefahr sind die Sicherheitsvorkehrungen der französischen Botschaft von außen kaum sichtbar. Bei einem benachbarten Wohn- und Geschäftshaus mussten die Fenster der obersten Geschosse jedoch zugemauert werden, denn potenzielle Attentäter hätten von dort einen perfekten Blick in die Botschaft gehabt. Mit etwa 250 Beschäftigten ist die französische Botschaft in Berlin eine der größten diplomatischen Vertretungen Frankreichs in der Welt. Außer dem Kulturzentrum sind in dem Neubau die Kanzlei, das Konsulat, die Residenz von Botschafter Claude Martin und alle offiziellen französischen Stellen untergebracht. Auch Gästezimmer und Dienstwohnungen, Räume für das Wachpersonal, Konferenzsäle und eine Cafeteria gehören dazu. Neben dem Kulturzentrum kann die Konsularabteilung von den Bürgern direkt genutzt werden. Hier erhalten Ausländer, die nach Frankreich reisen möchten und dafür ein Visum benötigen, die nötigen Papiere. Zum Beispiel Menschen, die aus Ländern kommen, die nicht zur EU gehören. Zuständig ist die Konsularabteilung für Berlin und die neuen Länder sowie für Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Die deutsch-französische Zusammenarbeit wird in vielen Bereichen vom Pariser Platz aus gelenkt: etwa von den Mitarbeitern der Wirtschafts- und Handelsabteilung sowie von der Finanz- und Steuerabteilung. Auch auf anderen Gebieten laufen in der Botschaft die Fäden zusammen. So gibt es beispielsweise einen Polizeiattaché, der den französischen Innenminister bei den deutschen Polizei- und Sicherheitsbehörden vertritt. Ihm untersteht ein Team von vier Polizeiverbindungsbeamten, die die Zusammenarbeit zwischen der deutschen und französischen Polizei unterstützen. US-Botschaft soll 2006 stehen Ein Zollattaché ist für die Bekämpfung des illegalen Handels mit Drogen, Waffen, Alkohol und Tabak zuständig. Um die Verteidigungs- und Militärpolitik Frankreichs kümmert sich ein Verteidigungsattaché der Botschaft. Ihm obliegt darüber hinaus auch "der Ausbau der Rüstungskooperation". Nach der Eröffnung der französischen Botschaft fehlt am Pariser Platz nur noch eine diplomatische Vertretung: die der Vereinigten Staaten. Die Pläne für den Neubau am Brandenburger Tor werden zurzeit überarbeitet, um einen größeren Sicherheitsabstand zwischen Botschaft und den angrenzenden Straßen zu schaffen. Die USA hoffen, dass sie Ende dieses Jahres mit dem Bau beginnen können. Bis zum Jahr 2006 soll die neue Botschaft stehen und die letzte Baulücke am Pariser Platz verschwunden sein. Einstein als Gast // Die neue französische Botschaft steht wieder an dem Platz, wo sie sich bis zum Zweiten Weltkrieg befand: am Pariser Platz 5. Die Geschichte der Botschaft reicht weit zurück. 1860 - Der Prinz de la Tour d Auvergne, der damalige französische Gesandte, wollte der französischen Botschaft von Kaiser Napoleon III. die gebührende Ausstrahlung verleihen. Außerdem war er seiner schlechten Unterbringung überdrüssig. Deswegen regte er im April 1860 in einem Brief an seinen Minister den Erwerb eines Palais an, "das an einem der schönsten öffentlichen Plätze Berlins, am Beginn der Prachtstraße Unter den Linden unweit des Brandenburger Tors gelegen war". Bereits im September wurde der Kaufvertrag unterzeichnet. Das 1735 errichtete Gebäude konnte sich zwar sehen lassen, besaß aber nicht den in Paris üblichen Prunk. 1879 bis 1883 wurde die Botschaft umgestaltet: Die Fassade erhielt reiche Verzierungen, während man im Innern eine prunkvolle Treppe errichtete und die Räume mit kostbaren Möbeln ausstattete. Die Salons der Botschaft entwickelten sich zum Mittelpunkt der Pariser Eleganz und Gastronomie in Berlin. Mitglieder der Kaiserfamilie und das diplomatische Korps waren häufige Gäste. 1914 - Als der Erste Weltkrieg ausbrach und der Botschafter Deutschland verlassen musste, gab er das Gebäude in die Obhut der spanischen Botschaft. 1919 - Nach dem Ende des Krieges entspannte sich die Lage nur langsam. Erst 1922 traf der neue Gesandte Pierre de Margerie in Berlin ein. Er empfing in der Botschaft unter anderem den Dichter Rainer Maria Rilke und die Modeschöpferin Coco Chanel. 1928 bis 1930 wurde die Fassade der Botschaft erneuert. Glastüren, geschützt durch große schmiedeeiserne Gitter, bildeten den Eingang zum Palais. 1931 wurde de Margerie von Francois-Poncet auf dem Botschafterposten abgelöst. Als der Pariser Platz immer mehr zum Platz für Aufmärsche und Paraden wurde, empfing der Botschafter die verschiedensten Würdenträger, aber auch Albert Einstein. 1938 verließ Francois-Poncet Berlin und übergab die Botschaft an seinen Nachfolger Robert Coulondre. Er war der letzte Botschafter vor dem Zweiten Weltkrieg. 1945 wurde die Botschaft am 2. Mai bei einem Bombenangriff zerstört. 1959 wurden die Überreste des Gebäudes abgetragen. 1998 - am 10. Juli wurde der Grundstein für die neue Botschaft gelegt. 2001 - am 2. Oktober feierte Frankreich das Richtfest. 2002 - im Oktober bezogen die Botschaftsmitarbeiter ihre neuen Büros. 23. Januar 2003 - Eröffnungsfeier. Über die Kosten des Neubaus wurden keine Angaben gemacht. BERLINS FEINER SALON // GRAFIK:KARL-HEINZ DÖRING Pariser Platz 5 heißt die Adresse der neuen französischen Botschaft. Direkte Nachbarn der Vertretung sind die Dresdner Bank und ein Wohn- und Geschäftshaus. Gleich gegenüber befindet sich das Hotel Adlon. AP/FRANKA BRUNS Frankreich zeigt Flagge: Der Botschaftsneubau wurde nach einem Entwurf des Architekten Christian de Portzamparc errichtet.

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