Die Nieren sind ein geniales Reinigungssystem. Doch Fehlfunktionen können lange unerkannt bleiben: Das geht an die Nieren

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Hätte ein Mensch ein Filtersystem erfunden, das in seiner Wirkungsweise dem unserer Nieren entspricht, er wäre mit Preisen überhäuft worden. So komplex und effizient arbeitet unser körpereigenes Reinigungssystem, so viele Vorgänge laufen parallel in den Nieren ab, dass einem ganz schwindlig wird bei dem Gedanken, was dabei alles schief laufen könnte. Jede der beiden Nieren besteht aus einer Million kleinster Nierenkörperchen. Diese enthalten winzige Filter. Durch diese sickern die Flüssigkeiten aus dem Blut sowie die darin gelösten Schadstoffe hindurch. Bei seinem weiteren Weg durch eine Art Röhrensystem wird das, was aus der Flüssigkeit abgefiltert wurde, weiterverarbeitet. Die beiden Nieren gehören zu einem zuverlässigen System. Im Vergleich mit anderen Organen des Körpers verrichten sie ihre Aufgaben selbst dann noch zufriedenstellend, wenn die Leistung um mehr als 50 Prozent eingeschränkt ist. Dadurch ist es möglich, eine Verpflanzung nicht nur von einem toten, sondern auch von einem lebenden Spender vorzunehmen; in den meisten Fällen ist es ein Angehöriger. Die Erfolgschancen einer Nierentransplantation sind hoch: Nach einem Jahr funktionieren noch 90 Prozent aller verpflanzten Nieren, nach zehn Jahren sind es immer noch mehr als die Hälfte. Rund 2 200 Nierentransplantationen wurden nach Informationen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik durchgeführt, 182 davon allein in der Berliner Charité. ------------------------------ FUNKTION UND THERAPIE Welche wichtigen Aufgaben erfüllen die Nieren im menschlichen Körper? Sie filtern täglich rund 280 Liter Blut, um es von Abfall- und Schadstoffen zu reinigen. Sie produzieren Hormone, sind wesentlich an der Einstellung des Blutdrucks beteiligt und halten Volumen und Konzentration des Blutes konstant. Pro Minute strömen 1,2 Liter Blut durch die Nieren. Das gesamte Blut des Menschen wird etwa 15 mal pro Stunde gefiltert. Niere und Blutdruck - was verbindet sie genau? Die Nieren regulieren den Blutdruck. So wurde festgestellt, dass jemand, der eine neue Niere bekommt, mit großer Wahrscheinlichkeit auch den Blutdruck des Nierenspenders übernimmt. Hatte der Spender einen normalen Blutdruck, wird auch der Empfänger einen normalen Blutdruck haben, egal, wie dieser vorher war. Umgekehrt gilt das natürlich auch. Wodurch beeinflusst die Niere den Blutdruck? Warum die Niere das entscheidende Organ zum Regulieren des Blutdrucks ist, weiß man noch nicht. Man weiß hingegen, dass das Hormon Renin eine Rolle spielt. Zudem nimmt man an, dass der Blutdruck von der Menge des Salzes abhängt, das in den Nieren zurückgehalten wird. Was kann eine Niere schädigen? Von der Vielzahl schädlicher Substanzen, mit denen die Nieren täglich in Berührung kommen, können ihnen vergleichsweise wenige tatsächlich etwas anhaben. Medikamente gehören dazu, vor allem wenn sie falsch dosiert werden. Deshalb sollte bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme die Funktion der Nieren von einem Spezialisten überwacht werden. Auch wer regelmäßig Schmerzmittel nimmt, kann seine Nieren mit der Zeit schädigen. Wodurch kommt es zum Nierenversagen? Einer der Gründe ist Flüssigkeitsmangel, wie er häufig bei älteren Menschen auftritt. Wegen anderer Beschwerden nehmen sie oft Entwässerungstabletten ein, zudem lässt das Trinkbedürfnis im Alter nach. Wird jedoch über eine längere Zeit zu wenig getrunken, stellen die Nieren ihre Funktion ganz oder teilweise ein. Zumeist hilft es dann schon, eine Salzlösung in die Vene zu geben, damit die Nieren ihre Arbeit wieder aufnehmen. Weitere Gründe können plötzlicher Blutverlust sein, Blutdruckabfall, Vergiftungen oder Arzneimittelmissbrauch. Welche Symptome deuten auf eine Nierenerkrankung hin? Das Tückische an Erkrankungen der Nieren ist, dass sie zu Anfang ohne Beschwerden ablaufen. Erst nach einigen Jahren treten Symptome einer verminderten Nierenfunktion auf. Dazu gehören: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Hautjuckreiz, Kopfschmerzen, Blutarmut und Wasseransammlungen, vor allem in den Beinen. Wie machen sich welche Erkrankungen bemerkbar? Koliken äußern sich durch plötzlich auftretende sehr starke Schmerzen. Auch bei Nierensteinen klagen die Betroffenen über krampfartige Schmerzen in Rücken, Bauch und Oberschenkeln. Die Steine bestehen zumeist aus Mineralsalzen, die im Urin vorkommen. Die Schmerzen entstehen, wenn Steinchen oder Steine zu einer Harnstauung führen. Entzündungen der Niere werden von Fieber und Schmerzen (die in Richtung Blase ausstrahlen) begleitet, zudem kann der Urin eine rötliche/blutige Farbe haben. Ein trüber Urin kann ein Anzeichen für eine Entzündung des Nierenbeckens sein. Und wenn der Urin beim Wasserlassen schäumt, deutet das auf eine Fehlfunktion der Niere hin - es wird zu viel Eiweiß ausgeschieden. Wie viel sollte ein Erwachsener am Tag trinken? Mindestens zwei Liter. Wer gerne mal das Trinken über den Tag "vergisst", sollte seine Trinkmenge sogar überwachen. Man kann sich den Wecker stellen oder sich am Computer einen Trinkwecker installieren (z.B. www.trinkberater.de). Sind Kaffee und Alkohol für Menschen mit Nierenerkrankungen tabu? Das sollte jeder individuell mit seinem Arzt besprechen. Im Allgemeinen dürfen Kaffee und Alkohol in Maßen getrunken werden: etwa ein viertel Liter Wein am Tag oder nicht mehr als ein halber Liter Bier. Wie viel von der aufgenommenen Flüssigkeitsmenge wird als Harn wieder ausgeschieden? Im Durchschnitt produziert ein gesunder Mensch rund 150 Liter Harn am Tag. Das Röhrensystem der Niere konzentriert diese 150 Liter zu etwa 1,5 Litern. 99 Prozent des aufgenommenen Wassers, der Salze und der Mineralien werden vom Körper also wiederverwertet. Nur ein kleiner Rest wird ausgeschieden. Welche Farbe hat der Urin, wenn die Nieren gut arbeiten? Je nachdem wie viel man getrunken hat ist er weißlich, gelblich oder bräunlich. Niemals sollte er rötlich sein. In diesem Fall ist ein Arzt aufzusuchen. Kann man die Funktion seiner Nieren durch bestimmte Nahrung beeinflussen? Ja, eine richtige Ernährung kann Nierenschäden vorbeugen sowie eine Nieren-Behandlung unterstützen. Welche Ernährung für einen Nierenkranken die richtige ist, muss mit einem Ernährungsberater besprochen werden, da dies von Fall zu Fall entschieden wird. Wichtig sind eine geregelte Flüssigkeitszufuhr sowie eine salz- und eiweißarme Kost. ------------------------------ Grafik: Aufbau der Niere ------------------------------ Foto: Auch Zugluft und Kälte können Nierenbeschwerden auslösen.

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