15.07.2011

Die Zahl der Haus-, Wohnungs- und Grundstücksverkäufe legt um 20 Prozent zu Umsatz im vergangenen Jahr steigt auf 8,7 Milliarden Euro / Anleger fliehen in Sachwerte: Boom auf Berliner Immobilienmarkt

Von Ulrich Paul

BERLIN. Die deutsche Hauptstadt erlebt einen neuen Kaufrausch bei Häusern und Grundstücken. Im Vorjahr stieg die Zahl der Kaufverträge auf dem Berliner Immobilienmarkt um 20 Prozent, der Umsatz erhöhte sich um 33 Prozent. Das geht aus dem jetzt erschienenen Bericht über den Berliner Grundstücksmarkt 2010/2011 hervor, den der Gutachterausschuss für Grundstückswerte erarbeitet hat. "Der Berliner Grundstücksmarkt hat die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise locker weggesteckt", sagte der Vorsitzende des Gutachterausschusses, Reiner Rössler, der Berliner Zeitung. Bei vielen Investoren und Anlegern sind Immobilien in der deutschen Hauptstadt als Geldanlage begehrt. "Immer mehr sagen sich: Berlin ist nicht nur eine Reise wert, sondern auch die eine oder andere Investition", so Rössler. So wurden im vergangenen Jahr 27186 Kaufverträge im Wert von 8,7 Milliarden Euro unterzeichnet. Im Jahr davor waren lediglich Immobilien im Wert von 6,5 Milliarden Euro verkauft worden. Die ersten Verkaufszahlen für 2011 lassen noch eine weitere Steigerung erwarten. Denn in den ersten drei Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz bei Immobiliengeschäften im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres noch einmal um 43 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro. Der Chef des Gutachterausschusses sagte, möglicherweise werde in diesem Jahr die Marke von zehn Milliarden Euro bei Immobiliengeschäften erreicht. Damit würden die Transaktionen wieder in die Nähe der Boom-Jahre von 2006 und 2007 kommen, als Immobilien im Wert von gut 14 Milliarden Euro den Besitzer wechselten. Das waren die umsatzstärksten Jahre auf dem Berliner Immobilienmarkt seit der Wiedervereinigung. In dem verstärkten Kauf von Immobilien in Berlin sieht Rössler eine "Flucht in die Sachwerte". Begehrt seien vor allem Häuser und Grundstücke in der Innenstadt. Dadurch würden die Preise steigen. Das sei aber eine normale Entwicklung. Zu den spektakulären Geschäften im Vorjahr gehörte der Verkauf des Sony Centers am Potsdamer Platz für 564 Millionen Euro an einen südkoreanischen Pensionsfonds. Ein arabischer Fondsmanager kaufte das Shoppingcenter Tempelhofer Hafen für 145 Millionen Euro und ein globaler Fondsmanager legte sich das Nordbahnhof-Carrée in Mitte für 119 Millionen Euro zu. Das Einkaufszentrum Alexa am Alexanderplatz wurde zum Preis von 316 Millionen Euro verkauft. Gut ein Drittel des Umsatzes wurde mit Immobilien in den östlichen Bezirken Berlins erzielt, knapp zwei Drittel mit Häusern und Grundstücken in den westlichen Bezirken. Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie für Eigentumswohnungen stiegen im Vorjahr weiter an. Im Durchschnitt kosteten freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser in Berlin im Vorjahr 284000 Euro - 2009 waren es 255000 Euro. Die Preise für Eigentumswohnungen kletterten von durchschnittlich 1587 Euro je Quadratmeter im Jahr 2009 auf durchschnittlich 1653 Euro je Quadratmeter Wohnfläche im Jahr 2010. Besonders teuer waren dabei Wohnungen in Mitte, wo ein durchschnittlicher Verkaufspreis von 2490 Euro gezahlt wurde. Besonders teuer sind Eigentumswohnungen in neu gebauten Mehrfamilienhäusern. In sehr guten Lagen im Westteil wie in Grunewald und Dahlem liegen die durchschnittlichen Kaufpreise bei 5345 Euro je Quadratmeter. In guten Lagen des Ostteils werden durchschnittlich 4230 Euro gezahlt. Berlin Seite 15 ------------------------------ "Der Grundstücksmarkt hat die Auswirkungen der Finanzkrise weggesteckt." Reiner Rössler, Immobilien-Experte

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