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Diplomaten ziehen an den Pariser Platz / Architektur-Modell vorgestellt: Frankreichs Botschafter läßt im Hof hängende Gärten bepflanzen

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Neuerdings spricht auch Bausenator Klemann nicht mehr nur vom historisierenden Wiederaufbau der Mitte, sondern von der "kritischen Rekonstruktion" der Berliner Mitte. Daß am Pariser Platz keine reine architektonische Puppenstube entsteht, sondern ein modernes Ensemble innerhalb historischer Proportionen, wurde gestern bei der Vorstellung des Neubauentwurfes der französischen Botschaft noch einmal deutlich. Der im Sommer dieses Jahres prämierte Bau des französischen Architekten Christian de Portzamparc hält sich in Fassadengliederung, Material und Traufhöhe an die Gestaltungssatzung des Pariser Platzes. Dennoch vermag das Haus das verschwundene dreigeschossige Stadtpalais an der nordöstlichen Platzseite zu zitieren und gleichzeitig eine neue Architektursprache zu formulieren. Typisch für Portzamparc sind monumentalisierende Baumassen, die der Sakralarchitektur von Le Corbusier entlehnt sind. In Berlin bewahrt seine Platzfassade mit massiver Sockelzone, doppelstöckigen Großfenstern und der horizontalen Dachattika den historischen Aufriß. Aber radikal modern sind die abgeschrägten Fensteröffnungen sowie der abstrakte Portikus am Haupteingang, die in ihren Dimensionen aus der kleinteiligen Bauordnung ringsum herausfallen. Gegenüber der schmucklos-plastischen Hauptfront zeigen die Innenhöfe des 4 700 Quadratmeter großen Grundstückes extreme Vielfalt. An der 130 Meter langen Rückseite zu den Dorotheenblöcken plant Portzamparc sogar hängende Gärten, die über einem "Viadukt" mit aufgepflanzter Birkenallee und Vertikalbewuchs mit Kletterpflanzen den beengten Hof sprengen. Eingestellte Pavillontürme und versetzte Gebäudeterrassen treiben die Nutzfläche auf 8 500 Quadratmeter hoch, ohne Platzangst zu bereiten. Empfangs-, Botschafts- und Festsäle weisen auf den Pariser Platz, während die schlichteren Besuchs- und Konsularabteilungen am Seiteneingang der Wilhelmstraße liegen. Wegen der angeblichen Bevorzugung von Portzamparc im Wettbewerb wollen Mitkonkurrenten Klage einreichen. Doch selbst diese Unregelmäßigkeiten sind ein Fortschritt gegenüber der Ära Mitterrand, in der der Präsident seine Architekten noch ohne Wettbewerbe persönlich nominiert hatte.

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