Dirigent Aleksandar Markovic debütiert beim Konzerthausorchester: Wie beim Schaulaufen

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Aleksandar Markovic ist zwar erst 33, für einen Dirigenten also noch ganz jung, strahlt aber mit breitem Lächeln auf dem Dirigentenpult eine Sicherheit und Überzeugungskraft aus, die sich nicht nur auf Können, sondern auch schon auf reiche Erfahrung gründet. Nach drei Spielzeiten als Chefdirigent des Tiroler Landestheaters Innsbruck hat der in Wien Aufgewachsene jetzt bereits seinen zweiten Chefposten an der Brünner Philharmonie im Visier. Von Berlin aus wird er durch die Herbert von Karajan Foundation unterstützt, hier dirigierte er bereits das Deutsche Symphonie-Orchester. Beim Konzerthausorchester war Markovic Freitagabend mit einem Programm zu Gast, das in seiner ausbalancierten Vielseitigkeit auf den ersten Blick wie für das Schaulaufen bei einem Wettbewerb wirkte. Und in der Tat bot es auch die Gelegenheit, sich von der Vielseitigkeit des jungen Dirigenten ein Bild zu machen, der den entspannten Haydn-Ton trifft, ohne zu langweilen, aber bei einem Frühwerk Ligetis temperamentvoll die Fetzen fliegen lässt. Berlioz' Symphonie fantastique erklang voll faszinierender Details und dennoch in beeindruckend klarem Blick auf das Ganze, die assoziative Traumlogik des 1. Satzes besaß etwas außerordentlich Zwingendes. Insgesamt verbanden Transparenz des Klangs und rhythmische Präzision die so unterschiedlichen Werke dieses Abends, zwischen denen sich aber auch gedankliche Verbindungen auftaten. Auf den ersten Blick scheint es, als ob György Ligetis "Concert romanesc", entstanden 1951, fünf Jahre bevor der 33-jährige Komponist Ungarn verließ, noch nichts von den späteren Eigenheiten seiner Musik verrät. Es beginnt in einem unkompliziert heiteren, folkloristisch inspirierten Neoklassizismus in der Nachfolge Bartóks. Der dritte Satz, eine Art Nachtmusik mit verschleierten Klängen und aufgelöster raum-zeitlicher Orientierung, wie wir sie auch von Bartók kennen, führt zu einem Frage-und-Antwort-Spiel zwischen zwei Hörnern, von denen das eine überraschenderweise im Rücken des Publikums postiert ist. Der Orchesterhornist wechselt hier, wie sein einsamer Doppelgänger in der Ferne, vom Ventilhorn zum Naturhorn. Springende Kadenzen Die reizvolle Szene ist realistisch imaginiert, bringt aber auch durch die beabsichtigten Trübungen der Intonation eine Art Mikrotonalität ins Spiel, die Ligeti später systematisch beschäftigen solle. Und wie sollte man in den zwar volksmusikalisch inspirierten, aber völlig überdrehten, hin und herspringenden Kadenzen des Schlusssatzes nicht schon die vertrackten Bewegungsabläufe des späteren Ligeti erkennen? Die Musiker des Konzerthausorchesters boten den gepfefferten Witz dieser Partitur ohne jede anbiedernde Übertreibung, aber ebenso präzise wie pointiert, allen voran die glasklar spielende Konzertmeisterin Sayako Kusaka. Die Idee einer räumlichen Ausweitung des Konzertsaales, von Ligeti als nächtlicher Zwiegesang in Szene gesetzt, wird bei Berlioz, wo die ferne Oboe und Englischhorn wie zwei verlorene Seelen kommunizieren und das finstere Grollen der Pauke aus einer spukhaften Traumwelt in den Konzertsaal dringt, zu einer zentralen Idee. Aber auch Haydns Sinfonie Nr. 84, die Unbekannteste aus der Gruppe der "Pariser Sinfonien", beginnt wie in einem imaginär geweiteten Raum. Wie aus der Ferne entwickelt sich ein heiterer Es-Dur-Serenadenton, in den dynamisch scharf gezeichnete Fanfaren einbrechen. Haydns Witz bleibt ansonsten in dieser Sinfonie eher unterschwellig, subtil. Markovic verzichtete dementsprechend auf Übertreibungen, hielt die Musik mit sorgfältiger und stets vorwärts treibender Phrasierung auch im langsamen Satz in Fluss, und verließ sich im letzten Satz trotz der Vivace-Vorschrift auf ein vor allem feinzeichnendes und durchsichtiges Musizieren. Das wirkte auf schöne Art entspannt, aber nie indifferent.

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