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Ein Pazifist beschämt Italiens Sicherheitskräfte: Landung in Rom

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ROM, 28. März. Wie ein Mantra wiederholen italienische Geheimdienste seit Wochen ihre Warnungen vor Anschlägen von Islamisten. Besonders die Hauptstadt und hier wiederum der Petersplatz stünden im Brennpunkt des Interesses von Attentätern. Wie gefährdet Italiens Hauptstadt ist, hat nun nicht ein arabischer Terrorist bewiesen, sondern ein Pazifist aus Österreich. Am Freitagmorgen kurz vor sieben Uhr tauchte hinter der Kuppel von Sankt Peter ein weißer Fallschirm auf. Angetrieben von einem roten Propeller, den der Steirer Andreas Siebenhofer sich auf den Rücken geschnallt hatte, ließ sich der 26-Jährige an seinem Paragleiter über den Dom bis zum angeblich bestgesicherten Platz Roms tragen: Piazza San Pietro. "Pace, Peace und Friede" stand auf seinem Schirm. Der Pazifist wollte die Friedensbemühungen des Papstes moralisch unterstützen, sagte er später. Die Polizei, die seit dem 11. September den Platz verstärkt überwacht, schöpfte erst kurz vor der Landung Verdacht. Der Lieferwagen der Begleiter Siebenhofers hatte ihre Aufmerksamkeit erregt. Die Begleiter machten, von der Polizei befragt, kein Hehl daraus, was bald geschehen sollte. Zu verhindern war es ohnehin nicht mehr. Siebenhofer landete wenig später unweit des Platzes und wurde sofort verhaftet. Idealer Startplatz Bis Rom waren die Pazifisten aus Knittelfeld noch zu zweit geflogen. Gemeinsam mit Johann Moitzi war Siebenhofer vor der Benediktinerabtei Seckau unweit des Österreichringes am Montag gestartet. Nach Zwischenstationen in Gemona, Rimini und Assisi erreichten sie Rom am Donnerstagabend. Die letzte Etappe unternahm Siebenhofer allein. Der Park der Villa Doria Pamphili unweit der Kuppel des Petersdoms bot einen idealen Startplatz für das Unterfangen. Für die Sicherheitskräfte ist die spektakuläre Landung ein Supergau. Wenige Stunden nach der Aktion traten bereits die verantwortlichen Behörden zusammen, um über die mangelnde Effizienz ihrer Sicherheitsvorkehrungen zu beraten. Die erste Erklärung für das Debakel fiel etwas dürftig aus: Siebenhofer habe sich in die Lüfte erhoben, als der Hubschrauber der Carabinieri gerade jenen der Polizei ablöste. Wäre der Pazifist ein Terrorist gewesen, hätte der Papst jetzt tot sein können. Die Österreicher, die vor ihrer Abreise noch in der Botschaft beim Vatikan angefragt hatten, ob sie für ihre Aktion vielleicht mit einer Überfluggenehmigung rechnen dürften, hatten die Brisanz ihres Unternehmens offensichtlich unterschätzt. Am Nachmittag waren die Friedensaktivisten noch immer im Gewahrsam der Polizei, deren Revier von Journalisten und Kamerateams belagert war. "Warum seid ihr dieses Risiko eingegangen", rief eine amerikanische Journalistin Siebenhofer zu, als die Polizei ihn ins Revier schleppte. Der Pilot schien die Frage gar nicht zu verstehen. Er wollte doch nur etwas für den Frieden tun.

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