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Eltern haben Lehrer angezeigt und umgehrt: Das Schulamt will vermitteln: Das Bild mit der Bombe war Auslöser

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Anfang März malte der elfjährige Ricardo aus der Rosa-Luxemburg-Grundschule in Dallgow-Döberitz (Havelland) ein Bild. Laut Polizei ist darauf eine Schule zu sehen. Ricardo und seine Kumpels stehen davor, werfen eine Bombe auf das Schulgebäude und schießen auf Schulkameraden. Ein Lehrer fand das Bild, ging drei Wochen, nachdem es gezeichnet wurde, zur Polizei. Die Beamten schrieben sofort eine Anzeige. Sie ermitteln nun wegen "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat", sagt Polizeisprecherin Christina Rossow. Die Staatsanwaltschaft in Potsdam sei von dem Fall telefonisch informiert worden. "Sobald die Polizei die Akten an uns abgibt, werden die Ermittlungen eingestellt", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Sigrid Komor. "Der Junge ist erst elf, also noch nicht strafmündig." Anonyme Morddrohungen Der "Fall Ricardo" ist ein Mosaikstein im Streit zwischen Eltern von drei Schülern und Lehrern der Luxemburg-Grundschule. Lehrer sollen Kinder drangsaliert haben, behaupten die Eltern. Die Beschuldigten hingegen sprechen von Verleumdung. "Jede Partei hat die andere angezeigt", sagt Polizeisprecherin Rossow. Erst kürzlich gingen nach Auskunft einer Elternsprecherin anonyme Morddrohungen in der Schule ein. Auslöser des Konflikts ist ein Brief zweier Mütter an Brandenburgs Bildungsminister Steffen Reiche. "In dem Schreiben haben sich Eltern über die Schule beklagt", sagt Ministeriums-Sprecher Martin Gorholt. "Lehrer sollen Schüler an den Ohren gezogen, ihnen Bücher auf den Kopf geschlagen und sie in den Hintern getreten haben." In dem Brief ist laut Gorholt weiter beschrieben, wie die Kinder "als blöde Wessis" beschimpft wurden. Das Ministerium habe den Fall an das Schulamt weitergeleitet. "Aussage steht gegen Aussage. Wenn das Schulamt bis Ende April keine Einigung erreicht hat, übernimmt das Ministerium den Fall." "Das ist ein Streit, der leider auf dem Schulhof ausgetragen wird", sagt Hannelore Dittmann, die stellvertretende Kreisschulrätin. Rund 300 Kinder besuchen die Schule. "Die Mehrzahl der Eltern ist mit dem Unterricht und den Lehrern zufrieden", sagt Frau Dittmann. Ein Konflikt sei sicherlich das Ost-West-Verhältnis. Es gebe in Dallgow viele Zugezogene. "Ich kann verstehen, dass die Unterschiede bei den Erwachsenen noch nicht ausgewachsen sind. Das nehme ich als Normalität", sagt die Vize-Kreisschulrätin. Aber bei den Kindern dürfte dieser Konflikt kaum noch auftreten. Ihr sei bekannt, dass die Mutter eines Jungen eine Unterschriftensammlung an der Schule organisieren wollte. "Da wurden aber Kinder unter Vorspielung falscher Tatsachen zur Unterschrift gezwungen", sagt Hannelore Dittmann. Zur Schulkonferenz seien die betroffenen Eltern nicht erschienen. "Die Fronten sind verhärtet, wir werden natürlich auch die Vorwürfe gegen die vier Lehrer genau prüfen." Ruhe soll wieder einkehren "An den Vorwürfen der Mütter ist nichts dran", sagt der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Christoph Jansson. Es seien zwei oder drei Schüler, die seit einiger Zeit Unruhe an der Schule stifteten. Sicher könne man darüber diskutieren, ob die Lehrer die Grenzen ihrer erzieherischen Möglichkeiten in manchen Fällen überschritten haben. Seiner Meinung nach hätte sich der Konflikt mit der Zeit hochgeschaukelt. "Niemand ist bereit zurückzustecken." Eltern haben sich mittlerweile mit Unterschriften vor die Lehrer gestellt. "Eine der beschuldigten Lehrkräfte ist der Klassenleiter meiner Tochter. Er ist sicher von alter Schule, ein wenig autoritär. Aber er drangsaliert keine Schüler. Selbst meine Tochter war von den Vorwürfen schockiert", sagt Christina Steppien, die Vorsitzende der Schulkonferenz. Sie sei vor zwei Jahren selbst zugezogen. "Bisher gab es überhaupt keine Probleme", sagt sie. Die Schulkonferenz wolle jetzt abwarten, was das Schulamt gedenkt zu tun. "Es muss endlich wieder Ruhe an der Schule einkehren." SCHULKOFLIKT Brief an Reiche // Zwei Mütter haben sich in einem Brief bei Bildungsminister Reiche über Lehrer der Dallgower Schule beschwert. Das Ministerium hat das Schulamt mit der Prüfung der Vorwürfe beauftragt. Dafür hat das Amt bis Ende April Zeit. In der Gemeindevertretersitzung wurde der Konflikt im nicht öffentlichen Teil behandelt.

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