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Forscher wollen die Fundstelle des gesunkenen Ozeanriesen genauer darstellen: Titanic 3.0

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OTTAWA. Wissenschaftler kehren 25 Jahre nach der Entdeckung des Wracks der Titanic an den Unglücksort zurück. Sie wollen in den nächsten Tagen den Zustand des 1912 gesunkenen Schiffs untersuchen, das in 3 800 Meter Tiefe im Nordatlantik liegt, und eine Karte des Schiffs und seines Umfelds erstellen. Während der dreiwöchigen Expedition, die Mitte August in St. John's in Neufundland beginnt, soll das Trümmerfeld untersucht werden, das 900 Kilometer vor der Küste der kanadischen Atlantikprovinz liegt. Die Expedition wird von der RMS Titanic Inc. in Atlanta (Georgia), die die Bergungsrechte an der Titanic hat, und der Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts geleitet, einer privaten gemeinnützigen Forschungseinrichtung. Von dem berühmtesten Wrack der Schifffahrt und seinem Umfeld sollen Aufnahmen gemacht und zu einer dreidimensionalen Karte zusammengefügt werden. "Wir wollen eine detaillierte archäologische Karte von der Titanic und dem Meeresboden, wo das Wrack liegt, erstellen. Damit erhalten wir die Titanic für künftige Generationen", sagte Bill Lange, Forscher von Woods Hole, im Gespräch mit der Berliner Zeitung. 2012 jährt sich die Katastrophe zum 100. Mal. Der Luxusdampfer, der als unsinkbar galt, war auf seiner Jungfernfahrt über den Atlantik von Southampton in England nach New York in der Nacht zum 15. April 1912 im Atlantik mit einem Eisberg kollidiert und um 2.20 Uhr Ortszeit, zweieinhalb Stunden nach dem Zusammenstoß, in den eisigen Fluten versunken. Über die genaue Zahl der Todesopfer gibt es unterschiedliche Angaben, etwa 1 500 sollen es gewesen sein. Nur 711 der rund 2 200 Menschen an Bord konnten gerettet werden. Der Untergang der Titanic ist eine der großen Schiffskatastrophen der Geschichte. Erst am 1. September 1985 entdeckten die Ozeanografen Robert Ballard und Jean-Louis Michel und ihre Teams das Wrack der Titanic. RMS Titanic Inc. sammelte seitdem etwa 5 500 Gegenstände ein. Da die Schiffsüberreste wegen der fortschreitenden Korrosion nicht dauerhaft erhalten werden können, sei es wichtig, seinen heutigen Zustand zu dokumentieren, sagte Lange. Neben Bug und Heck liegen weitere große Fragmente auf dem Trümmerfeld unter Wasser. Die Meeresströmung, Salz und Wasserdruck scheinen Decks und Wänden zuzusetzen. "Es könnte sein, dass einige Sektionen zusammenbrechen", fürchtet Lange. Ein Vergleich der heutigen Daten mit früheren Aufnahmen könnte Aufschluss über den Zersetzungsprozess geben. Mehrere Dutzend Forscher verschiedener Institute sind nach Angaben von Chris Davino, Präsident von RMS Titanic Inc. und der Muttergesellschaft Premier Exhibitions, beteiligt. RMS Titantic Inc. finanziert sich unter anderem durch Titanic-Ausstellungen. Zu den beteiligten Organisationen gehören die US-amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), das Institute of Nautical Archaeology der Texas A & M University und die Nationalpark-Behörde. Bei der jetzigen Expedition geht es im Gegensatz zu früheren Operationen nicht um die Bergung weiterer Artefakte, sondern nur um die Kartografierung. "Wir wollen den Zustand des Wracks bestimmen und die gesamte, etwa zweieinhalb Quadratmeilen große Fundstelle des Wracks, erkunden", sagte Davino. "Es ist der Versuch, die Titanic durch den Einsatz von optischer und Sonar-Technologie virtuell zu bergen und eine breite Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen." Erstmals werde es einen "umfassenden Blick auf die Fundstelle mit noch nie erreichter Genauigkeit und Klarheit" geben. Wie die Ergebnisse für die Öffentlichkeit aufgearbeitet werden, ist noch nicht entschieden. Davino ist sich der Diskussion über den Umgang mit dem Schiffswrack bewusst. Denn es gab seit ihrer Entdeckung immer wieder Forderungen, die Titanic unberührt zu lassen. Die Expedition diene dem Ziel, "respektvoll die Erinnerung an die Titanic und an alle Passagiere zu bewahren", sagte Davino. ------------------------------ Achte Reise Vor 25 Jahren entdeckten die Ozeanografen Robert Ballard und Jean-Louis Michel mit weiteren Forschern die Titanic auf dem Meeresboden. Die Teams reisten bisher sieben Mal zum Wrack. Auch der Kinofilm "Titanic" beginnt mit Bildern von den Überresten des Ozeandampfers. Regisseur James Cameron organisierte 1995 zwölf Tauchfahrten. ------------------------------ Foto: Die Titanic sank 1912.

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