Sonderthemen: Weihnachtsmärkte in Berlin | Flüchtlinge in Berlin

Geschichten über den Alltag, die Feste und Bräuche der Indianer heute und in vergangener Zeit: Mit Pfeil, Bogen und der Zeichensprache

Von 

Wohl jedes Kind spielt von Zeit zu Zeit Indianer, Indianerin seltener. Das hat seinen Grund. Dafür müßten Kinder Grundsätzlicheres über die Indianer wissen. Sonst beschränkt sich das Spiel notgedrungen aufs "Peng Peng" machen. Das Sachgeschichtenbuch für Erstleser "Die Indianer" aus dem Arena-Verlag widmet sich nicht den Kämpfen, sondern dem indianischen Alltag. Das Buch erzählt vom Jagen mit Pfeil und Bogen. Es wird beschrieben, wie Feste gefeiert wurden, und die Autoren schildern die verschiedenen Indianervölker mit ihren unterschiedlichen Kleidern und Bräuchen. Von besonderem Interesse ist sicher das Leben und Lernen der Indianerkinder, ihr Verhältnis zur Natur. Der kurze, geschichtliche Abriß ist in dem Kontext eher störend. Auf einer ausfaltbaren Seite sind ein Indianerdorf und typisch indianische Gegenstände gezeichnet und erklärt. Gut für Erwachsene, die immer noch nicht wissen, was ein Pow-wow oder ein Travois ist oder die Gebärden der original indianischen Zeichensprache nicht beherrschen. Dabei könnte so der Lärmpegel im Kinderzimmer wohltuend gesenkt werden. Ganz anders das Buch über die großen Indianerhäuptlinge. Amerika ist entdeckt und wird von den Weißen gegen den aussichtslosen Widerstand der Indianer erobert. In der Endphase dieses Krieges gelangten vier Häuptlinge zu besonderem Ruhm, Cochise, Geronimo, Crazy Horse und Sitting Bull. In kräftig bunten Bildern werden ihre Kindertage, Feste, aber hauptsächlich ihre Schlachten dargestellt. Massenszenen reihen sich aneinander, Blut fließt aus Schuß- und Pfeilwunden. Wer sich für Indianerkämpfe interessiert, wird hier auf seine Kosten kommen. Manch ein Amerikaner mag heute das Schicksal der Indianer bedauern. Das heißt aber nicht, daß mit den Resten der indianischen Urbevölkerung pfleglich umgegangen würde. Das bekommt in der Geschichte "Falschgesicht" das Halbblut Tom zu spüren. Nach dem Tod seines indianischen Vaters verläßt er mit seiner weißen Mutter das Reservat. In der Schule wird der "dreckige Indianer" abgelehnt. Tom seinerseits verachtet die Weißen. Entsprechend grob behandelt er seine Klassenkameraden. Daß nicht alle so sind, übersieht er. Laney zum Beispiel, ihre Eltern sind geschieden. Beide sind Archäologen, nur sammelt der Vater indianische Funde für Museen, während die Mutter ein Antiquitätengeschäft hat und versucht, alles meistbietend zu verkaufen. Laneys Hund buddelt im Sumpf und befördert einen indianischen Kamm, eine Pfeife und eine kleine Totenmaske ans Licht. Zu dumm, daß Tom sie dabei erwischt. Als Laney gegangen ist, gräbt er selbst weiter und findet eine große rotschwarze Holzmaske mit schmerzverzerrtem Mund. Panisch rennt er weg. Die Maske ist ein Falschgesicht. Der Tote muß ein Medizinmann der Irokesen gewesen sein. Die Maske verlieh ihm große Macht über die Menschen. Er konnte Krankheiten heilen oder Falschgesichterkrankheiten verbreiten. Die Indianer versuchten, sich vor der Zwiespältigkeit dieser Macht durch eine kleine Maske zu schützen. Als Laney ihrer Mutter die kleime Holzmaske zeigt, weiß sie sofort, daß es noch eine große Maske geben muß und welch Geldsegen damit verbunden ist. Sie befiehlt Laney absolutes Stillschweigen. Als Tom sich entschließt, die große Maske zu holen, kommt er zu spät. Nur er weiß, wie gefährlich die Masken sind, die sofort ihre neuen Besitzer verändern. Ein spannendes Buch, für das sich die Autorin gründlich sachkundig gemacht hat. Schade, daß sie den indianischen Kulten nicht mehr Raum gegeben hat. Aber wer will, kann nachlesen. Die Quellen sind angegeben.Gabi Trinkaus Falk Scheithauer/Stefan Hulbe: Das will ich wissen. Die Indianer. Arena LeseStier. Ab 6 Jahren. 16,80 Mark. Jean Marcellin, Jean Robert Masson: Cochise, Geronimo, Crazy Horse, Sitting Bull. Boje. Ab 10 Jahren. 26 Mark. Welwyn Wilton Katz: Falschgesicht. Boje. Ab 12 Jahren. 22,80 Mark. +++

comments powered by Disqus