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Heute beginnt Kriegsverbrecherprozess gegen Ex-Premier: BND: Kosovo-Politiker Haradinaj ist Mafia-Pate

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BERLIN. Vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag beginnt heute der Prozess gegen den früheren Kommandeur der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) und späteren Ministerpräsidenten der um ihre Unabhängigkeit ringenden serbischen Provinz, Ramush Haradinaj. Der 38-jährige Haradinaj, der nach übereinstimmender Einschätzung des deutschen Bundesnachrichtendienstes BND und der Nato-geführten Schutztruppe Kfor zu den wichtigsten Paten der albanischen Mafia im Kosovo zählt, werden in der Anklage mehrere Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie Folter und Vergewaltigung sowie die Ermordung und Vertreibung von Serben und Roma zur Last gelegt. Haradinajs kriminelle Aktivitäten spielen in dem Verfahren allerdings keine Rolle. Sehr zur Erleichterung westlicher Politiker, die den kriminellen Hintergrund des früheren UCK-Kommandeurs wegen dessen Einflusses auf extreme und gewalttätige Kräfte unter den Kosovo-Albanern ungern thematisieren. Ein Beleg dafür war nicht zuletzt das demonstrative Treffen zwischen dem deutschen UN-Verwalter des Kosovo, Joachim Rücker, und Haradinaj kurz vor dessen Abflug nach Den Haag. Rückers Vorgänger, der Däne Sören Jessen-Petersen, nannte Haradinaj gar seinen "Freund". Der BND zeigt sich in einer internen Analyse, die der Berliner Zeitung vorliegt, dagegen weniger zurückhaltend: Der von Haradinaj angeführte Familienclan beherrsche eine von drei "Interessenszonen" der Organisierten Kriminalität in der abtrünnigen serbischen Provinz und befasse sich "mit dem gesamten Spektrum krimineller, politischer und militärischer Aktivitäten". Die rund 100 Mitglieder umfassende Gruppe "betätigt sich im Drogen- und Waffenschmuggel und im illegalen Handel mit zollpflichtigen Waren", heißt es in dem Papier des Bundesnachrichtendienstes. Als "regionaler Zonenkommandeur" soll Haradinaj selbst "insbesondere in den Zigarettenschmuggel, den Treibstoffhandel und die Schutzgelderpressung involviert gewesen sein". Darüber hinaus sei sein Clan auch am Drogenschmuggel nach Europa beteiligt. Seine kriminellen Aktivitäten, die bis nach Deutschland reichten, wickele der Haradinaj-Clan laut BND unter anderem über Scheinfirmen im westlichen Ausland ab. Einem "Geheim" eingestuften Papier der Kfor zufolge ist Ramush Haradinaj darüber hinaus auch in den Schmuggel von Waffen und gestohlenen Autos sowie in den Menschenhandel mit Prostituierten eingebunden. Zusammen mit seinem Bruder kontrollierte Ramush Haradinaj laut Kfor zudem die Verteilung von Hilfsgütern im Kosovo. ------------------------------ Foto: Abgeklagt: Ramush Haradinaj.

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