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Historischer Kriminalfall im Jugendmuseum: Die wahre Geschichte der Mordbrenner

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Ein bisschen Grusel ist dabei: Im dämmrigen Zimmer steht ein Sarg. Langsam geht der Deckel auf, eine bleiche Gestalt erhebt sich und beginnt zu sprechen. Die Figur ist der Dramatiker Heinrich von Kleist, dargestellt von einer Theaterpädagogin. Die Szene ist Teil der neuesten Ausstellung des Jugendmuseums Schöneberg, die am Sonntag eröffnet wird. Unter dem Titel "Steckbrieflich gesucht!" widmet sich die Exposition der "wahren Geschichte einer Mordbrennerbande in Preußen". So genannte Brandräuber machten zu Beginn des 19. Jahrhunderts weite Teile Preußens, aber auch Böhmen, Sachsen und Österreich unsicher. Erst 1810 wurde nach einem Brand in Schöneberg der Anführer Johann Peter Horst verhaftet. Neun weitere Hauptschuldige wanderten ebenfalls in den Kerker, darunter die Friederike Luise Delitz. Horst und Delitz wurden zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Am 28. Mai 1813 kamen sie in der Jungfernheide auf den Scheiterhaufen. Das war die letzte Verbrennung in Preußen. Der Fall erregte großes Aufsehen - Heinrich von Kleist berichtete darüber im 1. Extrablatt seiner neu gegründeten Berliner Abendblätter. Auseinandersetzung über Gewalt "Wir wollen über die Darstellung dieser Geschichte mit Kindern und Jugendlichen in einen Dialog über das Thema Gewalt auch in der Gegenwart kommen", sagt Petra Zwaka, die Leiterin des Tempelhof-Schöneberg Museums. Schließlich hätte es trotz schlechter sozialer Lage für die Täter auch andere Möglichkeiten gegeben: "Die wenigsten Armen waren Räuber und Mörder." Vor zehn Jahren hatte das Museum den in Vergessenheit geratenen Fall entdeckt. Nicht von ungefähr, stand doch auf dem jetzigen Museumsgelände einst das Haus des Schöneberger Bauern und Dorfschulzen Willmann. Dessen Gehöft war 1810 das letzte, das durch die Horst-Bande im Berliner Umland in Brand gesetzt wurde. Fast ein Jahr lang haben jetzt sechs Historiker recherchiert und Ausstellungsstücke zusammengetragen, um den Kriminalfall mit vielen Details in acht verschiedenen Stationen zu dokumentieren. So wird unter anderem die Hauptakte des Prozesses im Original gezeigt. Weil Kinder aber nicht nur Zeitzeugnisse anschauen wollen, sondern lieber selbst aktiv sind, bietet das Jugendmuseum verschiedene Projekte zur Ausstellung an - bis hin zum Rollenspiel, das mit der Videokamera aufgezeichnet wird. Bereits jetzt gibt es etwa 400 Anmeldungen. Ausstellung "Steckbrieflich gesucht" im Jugendmuseum Schöneberg, Hauptstraße 40-42. Bis zum 27. Januar, Öffnungszeiten: montags bis freitags 9 bis 13 Uhr (nur für angemeldete Gruppen) sowie mittwochs und donnerstags 15 bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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