23.01.2006

Ist Powerpoint Pop?

Von Sabrina Ebitsch

Die "Bunny Lectures" sind nach zwei Jahren vorbei. Traurig deswegen? SUPATOPCHECKERBUNNY: Ein bisschen melancholisch vielleicht. Eigentlich freue ich mich. Ich kann weiterhin mit dabei sein, hab aber nicht mehr die ganze Arbeit. HOLM FRIEBE: Und die Après-Bunny-Formate finden ja unter der Ägide des Supatopcheckerbunnys statt - von daher wird sich der Geist auch weiterhin durchziehen. Was ist denn der Geist, die Philosophie der "Bunny Lectures"? Supatopcheckerbunny: Was meine Philosophie betrifft, hab ich keine und das Hilfscheckerbunny schon gar nicht. Friebe: Das neue Format setzt die Tradition insofern fort, als es um eine Aufklärung über abseitige Themen geht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass man sogar etwas lernt. Auf jeden Fall wird es einen Waldorf-und-Statler-artigen Balkon für das Supatopcheckerbunny und das Hilfscheckerbunny geben, von wo aus sie ihr Erbe verwalten und ätzend kommentieren können. Wie wird es sein beim ersten neuen Format - "Powerpoint Karaoke"? Supatopcheckerbunny: Die Themenliste bekommt man am Eingang und entscheidet sich - oder? Friebe: Ja. Und die zirka 20 Präsentationen werden vorgestellt. Supatopcheckerbunny: Dann geht es los mit der Powerpointpräsentation, die maximal fünf Minuten dauern darf. Am Schluss gibt es Preise für drei Gewinner. Friebe: Am Anfang werden die Moderatoren eine Präsentation halten zum Thema "Reden und Präsentieren mit Powerpoint", die verdeutlicht, worauf es ankommt. Worauf denn? Friebe: Darauf, etwas Eigenes daraus zu machen - wie beim richtigen Karaoke. Wir behaupten: Powerpoint ist Pop - dann geht es darum, das auf populäre Art und Weise umzusetzen. Ob es wirklich das ist, was auf den Folien steht, interessiert am Ende niemanden. Powerpoint gilt als das Programm, das hauptverantwortlich ist für den Bullshit, der uns umgibt. Das wollen wir auf die Spitze treiben: Leute machen eine Kunst daraus, von Dingen zu reden, von denen sie keine Ahnung haben. Das ist gewährleistet, weil die Kandidaten die Charts erst sehen, wenn sie auch das Publikum sieht. Dann geht es darum, überzeugend zu bluffen. Also ein viel höherer Anspruch als beim normalen Karaoke. Supatopcheckerbunny: Wir haben aber auch ein viel schlaueres Publikum. Welche Themen sind zu erwarten? Friebe: Es sind faszinierende Welten, die sich auftun, eine ganz eigene Form-, Bild- und Textsprache. Wir haben eine Präsentation über "Risikomanagement für IT und Softwareprojekte", wo es also in Powerpoint um die Gefahren von Powerpoint geht. Aber auch Vorträge über "Verhalten bei Maul- und Klauenseuche" oder "PE-Beratung - Quo vadis", woraus bis zum Schluss nicht hervorgeht, was PE-Beratung eigentlich ist. (Personalentwicklungsberatung, d. Red.) Und der Schwierigkeitsgrad fließt in die Bewertung ein? Supatopcheckerbunny: Mal sehen. Vielleicht bewerten wir auch nur nach Aussehen und Styling. Friebe: Da setzen wir auf die bewährte Willkürherrschaft des Supatopcheckerbunnys. Wenn eine Patt-Situation entstehen sollte, wird es das Zünglein an der Waage sein. Wir werden auch nachhelfen mit Gratis-Wodka für die, die mitmachen. Und wir nutzen jetzt noch einmal die Gelegenheit, an alle Selbstdarsteller und Rampensäue da draußen zu appellieren: Das ist euer Forum. Also auch ein kleines soziologisches Experiment? Supatopcheckerbunny: Wir werden das sicher soziologisch einzuordnen wissen. Die eine oder andere Meta-Ebene wird schon eingeschoben werden. Friebe: Unsere Versuchsanordnung ist, ob man die ausdifferenzierten Expertenwelten unserer Gesellschaft in Form der Agora wieder zusammenbringen kann. Und wir hoffen, dass die Fähigkeit zur Selbstironie weit genug gediehen ist, um sich dem zu unterziehen. Supatopcheckerbunny: Kommt alle und zeigt's uns. Friebe: Bunny on. Die Fragen stellte Sabrina Ebitsch. Powerpoint Karaoke am Mittwoch um 20 Uhr im nbi (Schönhauser Allee 36)

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