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Jutta Deutschland mit ihrer jungen Ballettcompagnie: Das Müssen wollen

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Tanz ist sinnliches Erleben. Wer die Gefühle nicht empfindet, wird sie nicht ausdrücken und schon gar nicht darstellen können. Tanz bedeutet, das Müssen zu wollen. Jutta Deutschland lebte ihre Leidenschaft mehr als zwei Jahrzehnte auf der Bühne der Komischen Oper aus - wie keine andere. Ihre Interpretationen der Odette ("Schwanensee), der Julia ("Romeo und Julia") und der Charlotte ("Wahlverwandtschaften") waren beispiellos, als Primaballerina wurde sie international gefeiert. Über ihre enge Zusammenarbeit mit dem Choreografen Tom Schilling sagte sie einmal: "Man kann schon fast von einer Ehe im Ballettsaal reden." Es waren wohl glückliche Jahre, auch als sie 1993 mit ihrem tatsächlichen Ehemann, dem Filmregisseur Peter Vogel, Töchterchen Elli bekam. Als sie aber anschließend an das Haus zurückkehrte, hatte sich Schilling inzwischen zur Ruhe gesetzt. Mit seinem Nachfolger verschwand die große Herausforderung an die Deutschland. Es ist kein Geheimnis, dass das Haus an der Behrenstraße, das großartige Tänzer wie Jutta Deutschland in seinem Ensemble wusste (und wie Gregor Seyffert immer noch weiß), seine Künstler nicht über alle Maßen protegiert. Der Ensemble-Geist wird ausgerechnet da so hartnäckig beschworen, wo solch einzigartige Solisten wirken. Doch Jutta Deutschland, die schon mit zehn Jahren an der Staatlichen Ballettschule Berlin auf den Ernst des Berufes vorbereitet wurde, gab nicht einfach auf. Weil ihr keiner eine Plattform bieten konnte, schaffte sie sich selber eine. Zwei Jahre nach dem Abschied von der Komischen Oper gründete Jutta Deutschland im vergangenen Jahr eine eigene Ballettschule und eine eigene Compagnie. Seit einem Jahr führt sie die "Ballettcompagnie Deutschland" an - und man billigt diese unbescheidene Doppeldeutigkeit des Namens nur zu gern. Steht dem Ensemble doch eine vorzügliche Protagonistin vor, der Tom Schilling seine Choreografien zur freien Nutzung überlässt. Frei von staatlichen Zuschüssen werden an ihrer Privatschule auch etwa 100 Tänzer ausgebildet, vermittelt und eingesetzt. Jutta Deutschland hat sich den Chancen des Berufs verschrieben und nicht den Aussichtslosigkeiten in der Branche. Bisher hat die international besetzte Truppe erfolgreiche Auftritte in Cottbus, Potsdam und Rheinsberg absolviert. Nun gastiert sie erstmals in Berlin. Ausgerechnet im bisher nicht eben anspruchsvollen Theater Karlshorst, dass nun offensichtlich mit seinen Aufführungen wählerischer umgehen will. Man kann sich denken, welch schweißtreibendes Jahr das junge Ensemble hinter sich hat: Neben Choreografien von Schilling werden auch Arbeiten von Volker Tietböhl, Marc Bogaerts und Standards des klassischen Tanzes gezeigt. Als die unternehmerische Primaballerina ihre Compagnie gründete, zeigte sich, wie viel Kampfgeist sie damit verband: "Man wird uns sehr ernst nehmen müssen", sagte Jutta Deutschland. Wird man. Nicht nur müssen, sondern auch wollen. Getanzte Kostbarkeiten Ballettcompagnie Deutschland am Freitag um 20 Uhr im Theater Karlshorst, Treskowallee 111 (am S-Bhf.), Karten: 508 80 86

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