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Kosten für Großflughafen steigen um 160 Millionen Euro, weil mehr Passagiere erwartet werden: Noch nicht gebaut und schon teurer

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Zunächst heben die Kosten ab, dann erst die Flugzeuge. Der Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) wird teurer als geplant. Die Investitionssumme, die vor allem die Kosten für den Bau und den Grunderwerb enthält, ist um rund 160 Millionen Euro gestiegen. "Wir rechnen jetzt mit 2,2 Milliarden Euro", sagte Thomas Weyer, der für das Projekt zuständige Geschäftsführer der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH (FBS), gestern im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses. Vor wenigen Monaten hatte das Unternehmen die BBI-Investitionssumme noch auf zirka zwei Milliarden Euro beziffert. Während der Grünen-Abgeordnete Oliver Schruoffeneger weitere Kostenrisiken befürchtete, sah Weyer den Kostenanstieg gelassen. Er sei "nicht negativ, sondern positiv" zu werten, teilte der Bauingenieur den verblüfften Abgeordneten mit. Denn das Geld werde benötigt, weil BBI von mehr Fluggästen genutzt wird, als die Planer erwartet hatten. Anfangs rechneten sie damit, dass dort jährlich rund 20 Millionen Passagiere abreisen oder eintreffen. Weyer: "Inzwischen gehen wir von 22 bis 25 Millionen Passagieren pro Jahr aus." Damit BBI den Mehrverkehr abwickeln kann, wird das zentrale Terminal für eine größere Kapazität ausgelegt. So entsteht ein weiterer Pier, an dem Flugzeuge Passagiere ein- und ausladen können. Die Vorfeldflächen, auf denen Flugzeuge abgestellt werden, fallen größer aus - unter anderem, damit der Airbus A 380 Platz hat. Zwar führen gestiegene Materialkosten dazu, dass das Terminal um rund 40 Millionen Euro teurer wird. Doch dies trage kaum zu dem Anstieg der Investitionssumme bei, hieß es. Denn andere Teilprojekte fielen preiswerter aus. So kostet die Gepäckförderanlage 15 Millionen Euro weniger als erwartet. Weyer schloss aber nicht aus, dass es künftig zu Zusatzkosten kommt - weil Baufirmen Nachträge fordern. Doch bei einem wichtigen Baumaterial haben sich die Planer abgesichert: "Mehrforderungen wegen gestiegener Stahlpreise sind ausgeschlossen." So rechnet Weyer mit höchstens 100 Millionen Euro Mehrkosten. An den wichtigsten Daten der Finanzierung habe sich nichts geändert. Für Kredite und Zinsen seien weiterhin maximal 2,4 Milliarden Euro veranschlagt, "wobei wir davon ausgehen, dass wir diesen Rahmen nicht ausschöpfen", so Weyer. Hinzu kämen 430 Millionen Euro Eigenmittel der Flughafengesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg, die damit auch den laufenden Betrieb bezahlen. Erst muss Brüssel entscheiden "Abgerechnet wird zum Schluss", sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Doch er sei sich sicher, dass der Rahmen auch künftig eingehalten wird. Bei der Absicherung der BBI-Kredite ist jedoch wie berichtet eine Änderung geplant. Die Gesellschafter wollen ihre Bürgschaften von 80 auf 100 Prozent der Kreditsumme aufstocken. Dadurch lassen sich Zinsen einsparen, zudem beschert eine höhere Eigenkapitalrendite den Gesellschaftern höhere Dividenden - alles in allem ein geldwerter Vorteil von 576 Millionen Euro bis 2035. "Derzeit sind in Berlin 715 Millionen Euro abgesichert, künftig sollen es 888 Millionen Euro sein", sagte Wowereit. Die internationale Finanzkrise führte dazu, dass sich die angebotenen Bedingungen verschlechtert hätten. Die Banken seien vorsichtiger geworden und nicht mehr so liquide. Würden der Bund und die Länder nicht das gesamte Risiko absichern, dass BBI seine Zahlungspflichten nicht erfüllt, würden die Kredite zu teuer. Wowereit konnte nicht ausschließen, dass die Europäische Union das neue Verfahren zur Kreditvergabe prüfen ("notifizieren") wird - was bis zu 18 Monate dauern könnte. Aber für wahrscheinlich hielt er das nicht. Die Opposition im Hauptauschuss befürchtete trotzdem, dass es zu Verzögerungen kommt. Oliver Schruoffeneger wunderte sich: "Es ist ziemlich unüblich, dass man einen Großteil der Bauaufträge vergibt, bevor die Finanzierungsstruktur feststeht." ------------------------------ Die meisten Bauaufträge sind vergeben Morgen fällt der Startschuss für den Bau des zentralen Empfangsgebäudes des Flughafens Berlin Brandenburg International. Am 1. November 2011 soll der neue Flughafen südöstlich von Berlin den Betrieb aufnehmen, bekräftigte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gestern. Tempelhof schließt zum 31. Oktober 2008, Tegel spätestens Frühjahr 2012. Für 1,2 Milliarden Euro sind bislang Bauaufträge vergeben worden. Bauaufträge im Wert von 400 Millionen Euro stehen noch aus. Rechnet man die Grundstückskosten sowie weitere Ausgaben wie die Gebühren des Genehmigungsverfahrens hinzu, ergibt sich die Investitionssumme - nach jetzigem Stand 2,2 Milliarden Euro. Der Kreditrahmen, für den noch Banken gefunden werden müssen, fällt mit bis zu 2,4 Milliarden Euro höher aus - für den Fall, dass unerwartete Risiken weitere Ausgaben erfordern. In diese Finanzierungssumme sind die Zinsen bereits eingerechnet, so Weyer. Außerdem steuern die BBI-Gesellschafter 2005 bis 2010 insgesamt 430 Millionen Euro Eigenmittel bei. Dabei zahlt der Bund 112 Millionen, Berlin und Brandenburg je 159 Millionen Euro. Weitere Informationen im Internet: www.berliner-zeitung. de/schoenefeld ------------------------------ Grafik: Aus der Pilotenperspektive: So wird der neue Schönefelder Flughafen aus der Luft aussehen. Im Hintergrund ist der zentrale Fluggastterminal zu sehen. ------------------------------ Foto: Da kommt die nächste Fuhre Beton hin: Bauarbeiter auf der BBI-Baustelle in Schönefeld. Foto: "Abgerechnet wird zum Schluss." Klaus Wowereit

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