26.09.2009

Kupfer soll einer Region Wohlstand bringen. Mit Bohrungen werden die Vorräte jetzt erkundet: Der Schatz von Spremberg

Von Jens Blankennagel

SPREMBERG. Dass unter der Wiese ein gigantischer Schatz liegt, davon zeugte viele Jahre lang nur ein inzwischen zum Abriss freigegebenes Haus. Der Zweigeschosser steht am Ende der Wiese. Er war vor Jahrzehnten als Hauptquartier für die Kupfersucher gebaut worden, als die DDR-Regierung den Schatz aus 1 300 Meter Tiefe erst mal heben lassen wollte. Doch die Investition von vier Milliarden DDR-Mark war dem Staat zu teuer, zudem war der Weltmarktpreis im Keller. Mehr als 20 Jahre danach sieht es so aus, als könnte der Schatz tatsächlich gehoben werden. Die Wiese gehört zu einem Industriegebiet am Rande von Spremberg (Spree-Neiße). Auf der 120 Hektar großen Fläche sollen ab etwa 2015 ein paar bunt angestrichene Hallen stehen, in denen das Kupfererz verarbeitet werden soll. "Ich bin sehr optimistisch, dass wir diese Lagerstätte ausbeuten werden", sagt Volker Spieth, Geschäftsführer der Firma Kupferschiefer Lausitz (KSL). Er steht am Freitagvormittag unter dem 36 Meter hohen Bohrturm, mit dem in den nächsten Monaten eine von fünf Erkundungsbohrungen in die Tiefe getrieben werden soll. "Bis Weihnachten haben wir die ersten Ergebnisse", sagt Spieth. Dann werde noch mehr Klarheit herrschen. "Wir wissen, dass dort unten 1,5 Millionen Tonnen Kupfermetall liegen, die sind beim aktuellen Preis auf den Weltmärken etwa 7,5 Milliarden Euro wert." Erfüllung eines Traums Das Bohrgestänge dreht sich schnell, täglich geht es etwa 50 Meter tiefer. Ein paar Leute erzählen von den Erkundungen zu DDR-Zeiten, die der Staat wohl nicht nur wegen der Kupfer-Weltmarktpreise gestoppt hat. Angeblich hätten für die damals eingeplanten 5 000 Bergleute auch nicht genügend Wohnungen gebaut werden können. Klaus John steht mit einem Vorschlaghammer neben dem Bohrturm. Mit dem Hammer und einem Pflock hat der 71-Jährige im April auf der Wiese die Stelle für den Bohrturm markiert. "Für mich geht ein Traum in Erfüllung", sagt der Rentner. Er war Bergmann, hat in Sangerhausen im heutigen Sachsen-Anhalt seinen Beruf erlernt und im Mansfelder Kupferrevier unter Tage gearbeitet. "Es war eine richtig schwere, aber auch stolze und gut bezahlte Arbeit", sagt er. "Der Spruch - ich bin Bergmann, wer ist mehr - bestand zu Recht." Im Jahr 1979 wurde John nach Spremberg geschickt, hat mit vielen anderen geholfen, die Lagerstätte zu erkunden. "Dann kam auf einen Schlag das Ende", erzählt er. Er weiß noch das Datum. "Am 14. August 1980 kam der Brief vom Ministerium: Die Aufbauleitung ist aufzulösen." John sagt, dass es vielleicht auch gut sei, erst jetzt wieder mit dem Bergbau zu beginnen. "Jetzt erfolgt alles nach modernsten Methoden und nach besten Umweltstandards." Denn im Erz sind nur zehn Prozent Kupfer enthalten, der Rest ist Abraum. Das Unternehmen KSL verspricht, dass die Unmengen an Gestein nicht wie früher zu großen Halden aufgeschüttet werden, sondern wieder die Gänge im Bergwerk füllen. Zwei Millionen Euro werden für die Erkundungsbohrungen ausgegeben. Das zeugt von Ernsthaftigkeit. In den nächsten zwei Jahren will KSL dann weitere fast 20 Millionen ausgeben - erst dann steht fest, ob das milliardenteure Bergwerk tatsächlich gebaut wird. "Wenn es so kommt, dann werden etwa 700 Bergleute im Bergbau arbeiten und drei- bis fünfmal mehr im Umfeld", verspricht KLS-Chef Spieht. "Viele hatten nicht mehr dran geglaubt, dass es mit dem Bergbau noch mal ernst wird", sagt Bürgermeister Klaus-Peter Schulze. "Das Kupfer soll der nächsten Generation Wohlstand und Arbeit bringen." Er hat ein Beispiel, dass auch die Jugend wieder Hoffnung hat, in der Region einen Job zu finden. "Ein Spremberger Abiturient macht vor seinem Bergbaustudium hier auf der Bohrstelle sein Praktikum." Lange war der Schatz in Vergessenheit geraten. "So sehr, dass das Areal nach der Wende nicht mal in den Fundus der Treuhand aufgenommen wurde", sagt Klaus Freytag, der Präsident des Landesbergamtes. "Zum Glück." Denn in den 90er-Jahren habe es nur "obskure Anfragen" gegeben. Doch dann hätten sich 2007 gleich vier internationale Konzerne beworben. "Es ist doch gut für die Lausitz, dass es einen solchen Wettbewerb um das beste Stück Heimat dort in der Tiefe gegeben hat und wir das beste Konzept auswählen konnten." ------------------------------ Gold und Platin Konzern: Die KSL ist eine 100-prozentige Tochter des panamaischen Bergbaukonzerns Minera S.A. Im Dezember verlegte die KSL ihren Sitz von Berlin nach Spremberg. Erkundung: Von 1954 bis 1980 wurde bereits ein Areal von 3 mal 15 km mit 130 Bohrungen erkundet. Die Lagerstätte befindet sich in 1 300 Meter Tiefe und ist 2,5 Meter stark. Metalle: In Spremberg wird das Kupfermetall vom Stein getrennt, an anderen Orten von den teuren "Verunreinigungen" Silber, Blei, Zink, Gold und Platin. Wert: etwa 2,5 Mrd. Euro. ------------------------------ Foto: Fünf Probebohrungen werden in den nächsten Monaten in die Erde gebracht.

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