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Nachbildung der Turmfigur kommt Ende August auf das Alte Stadthaus: Fortunas Rückkehr

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MITTE. Nach 53 Jahren kehrt die Glücksgöttin Fortuna auf das Alte Stadthaus zurück. Die mehr als drei Meter hohe Kupferfigur mit Füllhorn und Lorbeerkranz ist eine originalgetreue Nachbildung jener Figur, die bis 1951 den Turm des Gebäudes krönte. Ende August wird die Fortuna aufgestellt und am 2. September dann feierlich enthüllt - im Beisein des Mannes, der sie überhaupt erst möglich gemacht hat: Großunternehmer Peter Dussmann spendierte die 125 000 Euro für die Nachbildung. Eigentlich sollte die Fortuna erst auf den Turmhelm gestellt werden, wenn die restlichen Figuren rund um den Turm platziert sind. 17 der 19 Figuren hat die Firma Steinforum eingelagert - als Pfand in einem Streit mit dem Land. Berlin schulde ihr noch viel Geld für ihre Arbeit am Alten Stadthaus, so die inzwischen Pleite gegangene Firma. 385 000 Euro. Das Land hat die Firma auf Herausgabe der Muschelkalkfiguren verklagt. "Daraufhin hat die Steinforum Land Berlin auf Zahlung der ausstehenden Summe verklagt", sagt Matthias Kolbeck, Sprecher der Finanzverwaltung. Weil im Moment kein Ende des Rechtsstreits abzusehen ist, bat Peter Dussmann, die Fortuna schon jetzt auf den Turm zu setzen. Für den 300 Kilo schweren Koloss wird ein Großkran aufgestellt. Mit dessen Hilfe wird Fortuna nach oben gehievt und dort verschraubt. "Das muss alles sehr sorgfältig geschehen", sagt Peter Fleischmann, Grundsatzreferent des Innensenators, dessen Behörde im Stadthaus ihren Sitz hat. Bei Wind könnten die Arbeiten nicht erfolgen. Steht Fortuna dann auf dem Turm, wird sie auf Dussmanns Wunsch verhüllt - bis zur Einweihung. Damit wäre der Turm zumindest im ganz oberen Teil komplett. Fertig ist er noch lange nicht. "Der Turm ist innen leer", sagt Fleischmann. Ursprünglich sollten auf den drei Etagen Konferenzräume geschaffen werden. "Das geht aber nicht. Es fehlt ein zweiter Fluchtweg." Wie der Turm genutzt werden kann, sei noch offen. Bei seinem Bau erfüllte der Turm eher einen ideellen Zweck. Zu seiner Einweihung hieß es, der Turm solle anzeigen, dass Berlin eine in die Höhe gerichtete Entwicklung nimmt. Zwischenzeitlich als Ausstellungsfläche genutzt, erfüllte der Turm zu DDR-Zeiten ganz andere Dienste - die Stasi zog ein. Verändert wurde auch die Optik: Fortuna verschwand, statt dessen wehte auf dem Helm die DDR-Fahne. Für den Adlershofer Restaurator Bernd-Michael Helmich war die Arbeit an der Fortuna etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil sie sehr zeitintensiv war, sondern auch, weil solche anspruchsvollen Aufträge nur noch sehr selten vergeben werden. Was die anderen Figuren auf den Turm kommen, ist ungewiss. Das Land habe der Firma einen Vergleich angeboten, sagt Matthias Kolbeck. Doch die habe abgelehnt. Deshalb werde nun der Klageweg beschritten. "Wäre es nach uns gegangen, wären die Figuren längst wieder da." ------------------------------ Sitz der DDR-Regierung // Der Bau: Das Stadthaus an der Parochial-/Ecke Jüdenstraße wurde zwischen 1902 und 1911 unter dem Namen "Neues Stadthaus" nach Plänen des damaligen Stadtbaurates Ludwig Hoffmann erbaut. Mit dem Turm ist es 76 Meter hoch. Die Funktion: Das Stadthaus beherbergte zunächst Büros als Ergänzung des Roten Rathau- ses sowie einen Festsaal. Von 1951 bis 1990 war es Sitz des Ministerrates der DDR. Die Figuren: Den Turmsockel und das erste Turmgeschoss schmückten 19 Muschelkalkfiguren, die Gestalten aus der griechischen Mythologie darstellten. Die Kuppel des Turms krönte die so genannte Fortuna, eine 3,25 Meter hohe Aktfigur auf einer vergoldeten Kugel und mit Füllhorn, erhobener Rechter und Lorbeerkranz. Alle Figuren wurden auf Geheiß der DDR-Oberen 1951 entfernt. Die Fortuna verschwand, die restlichen 19 wurden eingelagert. Der Eigentümerwechsel: 1993 erhielt das Land Berlin das Stadthaus vom Bund zurück. Ein Jahr später begann die Sanierung. Heute hat dort die Senatsverwaltung für Inneres ihren Sitz. ------------------------------ "Wäre es nach uns gegangen, wären die Figuren längst wieder da." Matthias Kolbeck, Finanzverwaltung ------------------------------ Foto: So sah es mal aus: das Alte Stadthaus mit der Fortuna auf dem Turm in einer Aufnahme um 1910. Damals hieß das Bauwerk noch Neues Stadthaus.

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