Nur die Schuld ist gewiss: BERLINER KAMMEROPER "In the Penal Colony": eine Oper von Philip Glass nach Franz Kafkas Erzählung "In der Strafkolonie"

Ein Besucher kommt auf eine Insel, um dort einer Hinrichtungszeremonie beizuwohnen. Mit akribischer Liebe zum Detail beschreibt der Offizier die Genialität der Apparatur, die in einer zwölfstündigen Prozedur dem Verurteilten seine Schuld in den Körper tätowiere. Nach sechs Stunden nehme des Gefolterten Gesichtsausdruck verklärte Züge an. Nach weiteren sechs Stunden ende die Prozedur mit dessen Exitus. Der Verurteilte versteht nicht die Sprache von Besucher und Offizier, erfährt nicht, woran er sich schuldig gemacht hat und bekommt keine Möglichkeit der Verteidigung. Der Offizier wiederum hat nach dem Ableben des alten Kommandeurs, dem von ihm geradezu messianisch verklärten genialen Erfinder der Maschine, keine Unterstützung mehr und hofft auf den Zuspruch des Besuchers. Als dieser ihm versagt bleibt, programmiert er die Maschine mit "Sei gerecht" und legt sich selbst hinein. In einem undurchdringlichen Geflecht von Schuld und Sühne sind drei einander unbekannte Menschen in einem Kontext aneinander gebunden, der ständig neue Abhängigkeiten entstehen lässt und so die zunächst scheinbar klaren Täter/Opfer-Zuordnungen immer mehr verwischt. In dieser immer rätselhafter werdenden Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit, Sinn und Erlösung gibt es nur eine unumstößliche Wahrheit: "Die Schuld ist immer zweifelsfrei." Mit einem Instrumentalensemble von nur fünf Streichern findet Philip Glass zu einer atmosphärisch unerhört dichten musikalischen Sprache. Kühl, distanziert, unparteiisch und unerbittlich trägt er so zu einem verstörenden Unbehagen bei: Elementare Gegensätze - wie Skepsis/Glaube, Verstand/Gefühl, Aktivität/Passivität - als Möglichkeiten des Umgangs mit Realität münden letztlich allesamt in Hilflosigkeit. In The Penal Colony von Philip Glass. Libretto: Rudolph Wurlitzer, nach Franz Kafkas Erzählung "In der Strafkolonie". Musikalische Leitung: Peter Aderhold, Inszenierung: Kay Kuntze. Bühne und Kostüme: Tina Kitzing. Mit Hans Gröning, Tom Allen und Mathias Kusche. PREMIERE: 22. November, 20 Uhr. Weitere Vorstellungen: 23. & 24. , 26. & 27. November, 20 Uhr. Englisch mit deutschen Übertiteln. Im Hebbel-Theater. Kartentelefon: (030) 25 90 04 27 www. hebbel-theater. de

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