Offenbar umgehen Asylbewerber das neue Einkaufssystem / Händler zahlen Bares aus und kassieren kräftig mit: Mißbrauch-Gefahr: Chipkarte läßt sich als Geldkarte nutzen

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Drei Wochen nach Einführung des bargeldlosen Einkaufs für Asylbewerber gibt es offenbar erste Fälle von Mißbrauch. Der Geschäftsführer des Münchner Kartenbetreibers "Infracard", Marc Lützen, bestätigte am Mittwoch der "Berliner Zeitung", daß bei 20 bis 30 Abrechnungen Auffälligkeiten gebe, die auf Mißbrauch hindeuten könnten. "Es ist einfach ungewöhnlich, wenn jemand am Montag 268 Mark Sozialhilfe bekommt und am Mittwoch für 260 Mark einkauft." Anscheinend lassen sich einige Chipkarten-Besitzer an der Kasse Bargeld auszahlen, ohne für den Gegenwert Waren eingekauft zu haben. Damit der Händler mitspielt, müssen ihn die Asylbewerber, so wird vermutet, entlohnen. Bis zu 15 Prozent des abgebuchten Betrags soll der Händler einbehalten. Viele Asylbwerber hatten vor Einführung der Karte kritisiert, daß sie zuwenig Bargeld bekommen. Außerdem schließt die Karte den Einkauf bestimmter Waren aus, zum Beispiel von Alkohol und Zigaretten. "Die Auffälligkeiten konzentrieren sich zur Zeit auf drei bis vier Geschäfte", berichtet Lützen. Insgesamt bieten 50 Läden Chipkarten-Einkauf an. Erste Nachforschungen von Lützen blieben allerdings ergebnislos. "Die Händler gaben an, daß es sich bei den eingekauften Waren, um landestypische Produkte handelte, die es nur in ihrem Laden gibt." Um sich Wege zu ersparen, hätten die Asylbewerber in großen Mengen gekauft. Die Chipkarten, die bald rund 2 100 Personen in Berlin benutzen müssen, speichern nur, wer eingekauft hat, wann und wieviel. Was, beziehungsweise ob etwas gekauft wurde, ist auf der Abrechnung, die ans Landesamt für Soziale Aufgaben geht, nicht abzulesen. "Das wäre nicht mit dem Datenschutz zu vereinbaren", sagte Lützen. Die Sozialverwaltung, auf deren Initiative die Chipkarte eingeführt wurde, äußerte sich überrascht. "Diese Variante des Mißbrauchs war uns neu", sagte Sprecher Christoph Abele. Die Verwaltung werde ihn nicht hinnehmen. Abele wies darauf hin, daß sich jeder Kartenbesitzer das Geld frei einteilen könne. "Ob er viele Einkäufe macht, oder wenige, geht uns nichts an." In den nächsten Tagen will die Verwaltung gemeinsam mit "Infracard" entscheiden, wie man dem Mißbrauch beikommen kann.

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