30.07.2004

Politiker kritisieren Schönheitschirurgie im Fernsehen / Sozialministerin Ulla Schmidt: Abstoßender Voyeurismus / CDU fordert ein Verbot: Protest gegen TV-Operationen

Von Ralph Kotsch, Jakob Schlandt

BERLIN, 29. Juli. Politikerinnen mehrerer Parteien haben scharfe Kritik an TV-Shows geübt, in denen sich Kandidaten Schönheitsoperationen unterziehen. "Die Tatsache, dass Schönheitsoperationen im Fernsehen gezeigt werden, ist abstoßender Voyeurismus", sagte Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) der Berliner Zeitung: "Die Gefahren von solchen Operationen werden unterschätzt. " Die Vorsitzende der Frauen-Union in der CDU, Maria Böhmer, forderte sogar ein generelles Verbot der Shows. "Solche Sendungen müssen vom Schirm. Sie suggerieren jungen Mädchen, dass es besser ist, sich dem Massengeschmack anzupassen als zu ihrem Äußeren zu stehen", sagte Böhmer. Auch die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Höfken, hält die Shows für gefährlich und falsch: "Medizin darf nicht zur Ware werden. " Mehrere Fernsehsender haben Programme mit Schönheitsoperationen schon im Programm oder für die nächsten Wochen angekündigt. So läuft auf dem Musiksender MTV derzeit das Format "I want a famous face", in dem sich amerikanische Jugendliche durch Operationen in ihr Idol verwandeln lassen. RTL plant im Herbst eine Doku-Soap mit dem Titel "Alles ist möglich", in der Menschen auf dem Weg zum OP-Tisch begleitet werden. Pro Sieben will im Herbst die Sendung "The Swan" starten, in der sich 16 Frauen unters Messer begeben, um sich in einen "wunderschönen Schwan" und "selbstbewusste Schönheiten" verwandeln zu lassen, so der Sender. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), der die gesetzliche Aufsicht über Rundfunk und Internet in Jugendschutzfragen obliegt, hatte zuletzt die Ausstrahlung derartiger Sendungen vor 23 Uhr verboten, wenn darin Schönheitsoperationen "zu Unterhaltungszwecken angeregt, durchgeführt oder begleitet werden". Das könne Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung beeinträchtigen, hieß es zur Begründung. Der Kommissionsvorsitzende Wolf-Dieter Ring sagte, junge Zuschauer könnten den Eindruck gewinnen, dass sich Probleme der Selbstakzeptanz durch Wegschneiden, beliebiges Verkleinern und Vergrößern von Körperteilen lösen ließen. Bei Zuwiderhandlungen drohen den Sendern Bußgelder bis zu 500 000 Euro. RTL 2 hatte daraufhin die geplanten Operationen in der Reality-Sendung "Big Brother" abgesagt. Constance Neuhann-Lorenz, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen, rief die eigene Zunft zur Zurückhaltung auf: "Wir warnen alle Kollegen davor, an solchen Shows teilzunehmen. " Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient werde pervertiert. "Wer mit sich unzufrieden ist, sollte zum Arzt und nicht zum Fernsehen gehen. " Leitartikel Seite 4 ------------------------------ "Wer mit sich unzufrieden ist, sollte zum Arzt und nicht zum Fernsehen gehen. " Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen

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