Polizei vermutet rechtsextremistischen Hintergrund / Kritik an CDU-Anzeigenaktion: Sprengstoffanschlag auf Wehrmachtsausstellung

Von 

SAARBRÜCKEN, 9. März. Die Passanten am Saarbrücker Schloßplatz beobachten fassungslos die Sprengstoffexperten, die hinter den Polizeiabsperrungen zwischen zersplitterten Fensterscheiben agieren. "Daß so etwas bei uns im Saarland passiert", und "So weit darf es doch nicht kommen", lauten die Kommentare zum Bombenanschlag auf die kritische Exposition zur Rolle der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Saarbrücken als 31. Station der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944" erlebt die bislang dramatischste Zuspitzung der jahrelangen Auseinandersetzungen um die Schau des Hamburger Instituts für Sozialforschung. In vielen Städten haben schon rechte und linke Gruppen gegen und für die Exposition demonstriert, in Erfurt wurden auch einmal Bilder mit Farbe beschmiert. Doch ein Attentat gab es bislang noch nie. Kein Bekennerschreiben Die Exposition in den Räumen der Volkshochschule (VHS) war von SPD-Ministerpräsident Reinhard Klimmt am 21. Februar eröffnet worden. Angesichts des aufgeheizten Klimas in Saarbrücken nach einem Aufmarsch von über 400 Rechtsextremisten und einer linken Gegendemonstration war die Schau von Beginn an unter Polizeischutz gestellt worden. Noch in der Nacht zum Dienstag hatte eine Streife beim Kontrollgang nichts Auffälliges bemerkt. Dann aber ging gegen 4.40 Uhr die Bombe hoch. Der Schaden am VHS-Gebäude und bei einer benachbarten Kirche liegt zwischen einigen hunderttausend und einer Million Mark. Personen wurden nicht verletzt. Für die Polizei ist klar, daß es sich bei den Attentätern um Profis handelt. Das Bundeskriminalamt beorderte Sprengstoffspezialisten an die Saar. Bekennerschreiben wurden nicht gefunden. Die Polizei vermutet einen rechtsextremistischen Hintergrund. So sehen es auch Bernd Rauls als Geschäftsführer der SPD-nahen "Stiftung Demokratie Saarland" aus dem Kreis der Veranstalter und die Jungsozialisten. Klimmt verurteilte den Anschlag als "kriminellen Akt", Innenminister Friedel Läpple sprach von einer "Bombe gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung". Die Grünen erklärten, es sei "beschämend, daß gerade im Saarland ein solcher Anschlag verübt wurde". Der Historiker und Vorstand des Hamburger Instituts, Jan Philipp Reemtsma, forderte eine klare Abgrenzung der Parteienvertreter nach Rechts. Wo Politiker diese vermissen ließen, "haben sich Extremisten zu Ausschreitungen ermuntert gefühlt", kritisierte Reemtsma. In die Kritik geraten ist aber auch die Saar-CDU wegen ihrer massiven politischen Kampagne gegen die Ausstellung. Niemand macht die Union direkt verantwortlich für das Attentat, doch aus Sicht des Juso-Vorsitzenden Carsten Klein hat auch die CDU mit ihrer Aktion zu einem Klima beigetragen, in dem sich rechte Gruppen "bestätigt und ermuntert" sehen könnten. Stiftungssprecher Rauls meint, die Anzeigenkampagne der CDU in der "Saarbrücker Zeitung" vom Wochenende habe "die Atmosphäre noch verschärft". In einer mit dem Slogan "Wehrmachtsausstellung so nicht!" titulierten Anzeige der CDU-Landtagsfraktion und in einer Anzeige der Saarbrücker CDU ("Unsere Väter waren keine Mörder!") waren die Vorwürfe der Union noch einmal plakativ unterstrichen worden: Das Ziel der Ausstellung sei das "systematische Zerstören von Nationalgefühl und Vaterlandsliebe". Der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Rauber hatte sogar einen "verdeckten Angriff auf die Bundeswehr" ausgemacht. Die Ausstellung soll am Wochenende wieder geöffnet werden.

Anzeige