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Protest gegen hohe Kosten und wenig Leistung: 600 Berliner Eltern boykottieren Kita-Zahlungen

Viele Eltern ärgern sich darüber, daß auch in diesem Jahr die Kosten für die Kitas wieder gestiegen sind, die Leistungen sich jedoch weiter verschlechtert haben. 600 Kreuzberger Eltern haben aus Protest im Juli die Zahlung der Beiträge boykottiert. Zahlten Eltern mit einem Jahreseinkommen von 66 000 Mark 1991 noch 2 000 Mark im Jahr, so sind es jetzt bereits 2 880 Mark. Für die Kinder aber verschlechterte sich das Angebot. So wurden seit 1992 Personalkürzungen um 2,5 Prozent vorgenommen. Die Mittel für Vertretungen sanken um zwei Prozent. Die Gruppenstärke wurde auf 18 Kinder angehoben. Die eigenen Küchen in den Kitas verschwanden und das Geld für Lern- und Spielmaterial reicht kaum noch aus. Kreuzberger Eltern wollen das nicht länger hinnehmen. 600 von ihnen boykottierten im Juli die Zahlung der Kita-Beiträge, indem sie sie auf ein Sonderkonto überwiesen. "Wir verlangen, daß die rund 51 000 Mark, die auf dem Konto zusammengekommen sind, den Kitas zweckgebunden für den Kauf von Lern- und Spielmaterial zur Verfügung stehen", sagt Eva Ellerkmann, die sich an der Aktion beteiligt hat. "Wir wollen außerdem erreichen, daß jedes Kind wenigstens einmal an einer Kita-Reise teilnehmen kann und daß die Erholungsstätte Teufelssee wieder für die Kinder geöffnet wird." Eva Ellerkmann ist erbost, daß das Geld für Spiele oder Bastelmaterial von 55 Mark im Jahr 1995 auf 37 Mark in diesem Jahr gekürzt wurde. "Eine vernünftige pädagogische Arbeit ist doch so kaum noch möglich", sagt sie. Kreuzbergs Jugendstadträtin Hannelore May hat Verständnis für das Anliegen der Eltern. "Ich unterstütze die Aktion der Eltern gegen die hohen Kosten. Schließlich wollen wir ja nicht, daß Kinder deshalb aus der Kita abgemeldet werden." Doch eine Möglichkeit, die Forderungen der Eltern zu erfüllen, sieht sie nicht. "Wir haben bereits im Bezirkshaushalt eine Umverteilung der Mittel zugunsten der Jugend erreicht, aber auch ich muß in meinem Bereich weiter sparen." Sjut Rohlfs vom Bezirkselternausschuß Wilmersdorf befürchtet, daß besonders sozial schwache Familien ihre Kinder aus Kitas abmelden werden, "denn es gibt bei Mindestbeiträgen keinen Geschwisterrabatt". ba

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