02.01.2007

Rauchen für den Frieden

Von Sabine Vogel

Ein Komantsche, der nicht raucht, wird wahnsinnig. Sagt der Komantsche Koyotendreck im Film von Herbert Achternbusch. Achternbuschs Fans von damals, die heute Anwälte und Politiker sind, interpretierten das seinerzeit gerne als subversives Plädoyer fürs Kiffen. Studenten der da gerade in Mode gekommenen Ethnopsychologie sahen darin eher das Ritual der Friedenspfeife. Im Sinne des leicht reizbaren HB-Männchens, das dann nicht gleich in die Luft ging. Aber es gibt hier nichts à la "up in smoke" zu verharmlosen. Der bayrische Anarchopoet Achternbusch hatte in einem zwei Jahre zuvor, 1977, gedrehten Film, sogar schon zum "Bierkampf" aufgerufen. Auch das soeben noch knapp in die föderalistische Beliebigkeit abgebogene, aber sich unweigerlich in der Koalitions-Regierung zusammenbrauende Total-Rauchverbot in öffentlichen Räumen und Kneipen ist eine sehr ernste Kampfansage gegen Raucher. Krieg der schädlichen Genusssucht! Die Erhöhung der Zigarettenpreise um fünfzig Prozent in nur wenigen Jahren hat offenkundig nicht breitenwirksam als Abschreckung funktioniert. Geizraucher, die ihren Konsum aus Geldgründen reduzierten, senkten nur die Einnahmen durch die Tabaksteuer. Parallel dazu wurde die teure Kippe zum gemeinschaftsstiftenden Statussymbol der Protestraucher, einer neuen sozialen Klasse, die ihren komantschenartig diffusen Weltschmerz auf sozial verträgliche Weise abreagierte. Nun droht "der Staat" dieser still vor sich hin schmurgelnden Schicht mit Kriminalisierung und Ausstoß. Wer zum Rauchen in die Gosse gehen muss, zu widerlich stinkenden Trögen in zugigen Hauseingängen und Schmuddelecken oder gleich öffentlich an den Pranger gestellt wird, vorgeführt auf Bahnsteigen, dem wird, wenn nicht das Menschenrecht auf Freiheit und Gleichheit eingeschränkt, so doch die kuschelige Büro- und Wirtshaus-Zugehörigkeit verweigert. Der Raucher wird zum Außenseiter. Und was passiert mit Außenseitern? Sie werden traurig, müssen deshalb noch mehr rauchen, werden selbstzerstörerisch (dito) oder gemeingefährlich, also betreuungsbedürftig, was die Kassenkosten wieder in die Höhe treibt. Unterdrückung erzeugt Gegendruck. Oder ein Ventil: Hinter der deutschen Grenze werden in den verlassenen Vietnamesenmarktbuden die Räucherhöhlen-Kneipen boomen. Bald machen dort die ersten Nobelrestaurants auf, in denen nach und vor dem Essen stilvoll geraucht werden darf. In Kreuzberg werden Orientclubs Konjunktur haben, in denen Wasserpfeife mit Apfeltabak geschmaucht wird. Das kommt besonders bei jungen Frauen an, auch wenn sie dazu im Kopftuch erscheinen müssen.

Anzeige
Meistgeklickte Artikel
Berliner Zeitung präsentiert:
BER-Dossier
Ein Flugzeug fliegt in Schönefeld über die A113.

Der neue Flughafen Berlin Brandenburg (BER) soll bis zu 40.000 Arbeitsplätze schaffen. Doch die Eröffnung im Juni ist geplatzt, die neuen Flugrouten sind umstritten. In unserem Dossier erfahren Sie alles über den Stand der Umzugsarbeiten und die Konsequenzen für die Hauptstadtregion. mehr...

Neueste Bildergalerien
Sonderthema

Die 4. Ausgabe zeigt wieder Trends und Aktuelles aus der Autowelt. Unter anderem auch:

IM ÜBERBLICK: die neuen Modelle
IM TEST: der SLK mit Dieselmotor
IM GESPRÄCH: ein Beifahrer

Alles lesen...

Sonderveröffentlichungen & Beilagen
Rezensionen-Spezial
Besuch bei Gunhild und Erhart. Ausschnitt aus dem gigantischen Bastelbühnenbild, das später mit diversen Körpersäften verunziert und zersägt wird.

Vom 4.-21. Mai findet in Berlin das bedeutendste deutsche Theaterfestival statt: Eine unabhängige Kritikerjury lädt die 10 „bemerkenswertesten Inszenierungen“ aus rund 400 Aufführungen der Saison in die Hauptstadt ein. In unserem Dossier finden Sie alle Infos und Fotos zu den Stücken.

Aktuelle Videos
Serie
Auf zwei Rädern durch Berlin. Heute werden Tag für Tag im Durchschnitt rund 1,5 Millionen Wege in Berlin mit Pedalkraft zuückgelegt.

Junge und Alte tun es, Frauen und Männer auch: Sie radeln. Berlin ist im Zweirad-Fieber. In unserer neuen Serie beschäftigen wir uns mit der Fahrradmetropole Berlin. mehr...

Interaktiv
Fotogalerie
Serie zur Gentrifizierung
Weblogs
Die Blogs der Berliner Zeitung.

Anekdoten aus dem Hauptstädter-Alltag, Antworten auf Beziehungsfragen und Pop-Expertisen. mehr...

Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
Twitter
Vorschau
Ab ca. 18:00 Uhr wird aufgrund einer Musikveranstaltung in der o2 World (Beginn 19:30 Uhr) erhöhtes Verkehrsaufkommen im Bereich der Mühlenstraße, Warschauer Straße und Stralauer Allee in Friedrichshain erwartet.

In unserer Verkehrsvorschau informieren wir Sie täglich über Staus, Sperrungen und Nahverkehrsstörungen in der Hauptstadt - bereits am Vortag, so dass Sie ihren Weg optimal planen können.  mehr...

Videospezial: Gesundheit

Anzeige
Berlins größte Show. Weltklasse-Entertainment in Europe`s Show Palace.
mehr...




Jobmarkt
Wohnen
Dossier
        

Uwe Mundlos (38)galt als der Gebildete in  der Gruppe. Seine Lehrerin beschrieb den Professorensohn als sehr höflich. Weiter heißt es über ihn, er sei ein aufgeschlossener Typ gewesen, rhetorisch begabt und politisch interessiert.

13 Jahre lang überziehen Rechtsextreme der Zwickauer Zelle das Land mit Morden, Bombenanschlägen und Überfällen. Ermittler und Verfassungsschutz stehen in der Kritik. Analysen, Zeittafel und Karte im Dossier zum Neonazi-Terror. mehr...

Liveticker
1. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Borussia Dortmund 80:25 81
2 Bayern München 77:22 73
3 FC Schalke 04 74:44 64
4 B. Mönchengladbach 49:24 60
5 Bayer Leverkusen 52:44 54
6 VfB Stuttgart 63:46 53
7 Hannover 96 41:45 48
8 VfL Wolfsburg 47:60 44
9 Werder Bremen 49:58 42
10 1. FC Nürnberg 38:49 42
11 1899 Hoffenheim 41:47 41
12 SC Freiburg 45:61 40
13 1. FSV Mainz 05 47:51 39
14 FC Augsburg 36:49 38
15 Hamburger SV 35:57 36
16 Hertha BSC Berlin 38:64 31
17 1. FC Köln 39:75 30
18 1. FC Kaiserslautern 24:54 23
Berliner Zeitung abonnieren
Magazin
myPage - Ihre persönliche Zeitung
mypage
Webtipps
Die besten Gutscheine und Angebote sichern.
günstige Hotels
Europas größter Hotelpreisvergleich hilft bei der Auswahl eines günstigen Hotels in Berlin.
Hotel München
Das Best Western Hotel Erb in München bewahrt familiäre Atmosphäre bietet gleichzeitig die Vorzüge eines First-Class-Hotels.