Tagesschau-Sprecher Jens Riewa erhält 15 000 Mark Schmerzensgeld: Teure Bemerkung

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Jens Riewa, Sprecher der ARD-Tagesschau und Moderator von Schlagersendungen, will nicht als schwul bezeichnet werden. Er geht deshalb rechtlich gegen zwei Verlage vor, in deren Publikationen behauptet worden war, er sei homosexuell. Den ersten Erfolg errang der TV-Mann am Freitag: Vor einer Zivilkammer des Hamburger Landgerichts wurde ihm im Rahmen eines Vergleichs ein Schmerzensgeld von 15 000 Mark zuerkannt. Riewa war in der Februarausgabe der Schwulenzeitschrift "Adam" des Foerster Verlages in Frankfurt am Main als "schwuler Moderator" bezeichnet worden. Zusätzlich muß der Verlag seine Behauptung als unwahr widerrufen. Vor derselben Kammer begann zugleich auch ein Schadensersatzprozeß gegen den Berliner Querverlag, von dem Riewas Anwälte 50 000 Mark Schmerzensgeld fordern. In diesem Fall hatte der "Tagesschau-Beau" ("Bild") Anstoß daran genommen, daß er in einer Kurzbiographie des verstorbenen Nachrichtensprechers Werner Veigel ebenfalls als schwul bezeichnet worden war. Chef-Sprecher Veigel hatte in der Öffentlichkeit aus seiner Homosexualität kein Geheimnis gemacht. Passage gestrichen Der Text war im September 1997 in dem Nachschlagewerk "Out! 500 Lesben, Schwule und Bisexuelle" von den Autoren Karen-Susan Fessel und Axel Schock erschienen. Wegen des Rechtsstreits war die entsprechende Passage in der zweiten Auflage gestrichen worden. Jens Riewa, der von der Kanzlei des Hamburger Presseanwaltes Matthias Prinz vertreten wird, will in diesem Verfahren auch eine Schadensersatzverpflichtung des Querverlages feststellen lassen. Vor Gericht wies Riewas Anwalt Christoph Meyer-Bohl die Behauptungen über seinen Mandanten als "Geschwätz von Kollegen" zurück. Der Anwalt des Querverlags, Helmuth Jipp, sprach vom "Versuch der Kommerzialisierung von Persönlichkeitsrechten". Er bot eine Entschuldigung an, bezeichnete die Forderung Riewas aber als überzogen. Anwalt Jipp räumte ein, die Erwähnung von Riewa, ohne ihn zu fragen, sei nicht in Ordnung gewesen. Homosexualität sei aber heutzutage kein Makel mehr: "Es ist nicht so, daß er damit in den Schmutz gezogen wird." Der Kammervorsitzende sprach von einer "sehr schweren Persönlichkeitsverletzung". Zu einer gütlichen Einigung ist es bisher nicht gekommen. Der Querverlag hatte freiwillig 5 000 Mark angeboten was die Gegenseite allerdings ablehnte. Rechtsanwalt Helmuth Jipp geht davon aus, daß der Querverlag 20 000 bis 25 000 Mark zahlen muß. "Das bedeutet das wirtschaftliche Aus für den kleinen Verlag. Dann sieht Herr Riewa gar kein Geld." Eine endgültige Entscheidung will das Hamburger Landgericht am 13. November verkünden.

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