Tina Turner heizt vom 1. bis 4. August in der Waldbühne ein: Die Stehauf-Frau

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Tina Turner kann's nicht lassen. Mindestens dreimal verkündete sie schon, daß sie keine Live-Konzerte mehr geben will. Als die Verfilmung ihrer Lebensgeschichte "I Tina - What's Love Got To Do With It" vor zwei Jahren in die Kinos kam, schien wirklich Schluß zu sein, denn Tina Turner lehnte ein lukratives Angebot ab. Doch weit gefehlt. Den ersten Vorgeschmack auf das vor einigen Wochen erschienene Album "Wildest Dreams" gab Tina Turner mit dem Titelsong zum neuen James-Bond-Streifen "GoldenEye". Mit Tina Turner sprach Holger Erdmann. Berliner Zeitung: Ihre neue Single "Golden Eye" wurde von Bono und The Edge von U2 geschrieben. Wie kam's dazu? Tina Turner: Wir wohnen in Nizza ganz nah beieinander. Bono hatte mich zu einer Party eingeladen, und da fragte ich ihn, ob er mir nicht einen Song schreiben würde. Ich dachte, daß ich ihn irgendwann mal bekommen würde. Und dann kam die Sache mit James Bond. Bono erzählte mir: "Ich habe meine Flitterwochen im Golden Eye verbracht, in dem Haus, wo James-Bond-Autor Ian Fleming auf Jamaica lebte. Ich konnte es gar nicht zulassen, daß ein anderer den Song schreibt!" - Voila, so ist es passiert. Seit dem Film "Mad Max - Beyond The Thunderdome" waren sie nicht mehr auf der Leinwand. Wie sieht es mit Ihren Film-Ambitionen aus? Ich war vor ein paar Jahren in Hollywood und hatte ein paar Gespräche. Aber sie haben mich wohl nicht ernstgenommen. Jetzt ist die Tür wieder geöffnet. Wenn mir eine Rolle angeboten wird, die ich mag, würde ich sehr gern einen Film machen. Gab es bei der Verfilmung ihrer Autobiographie "I Tina" vor zwei Jahren nicht die Überlegung, daß Sie sich selbst spielen? Vielleicht, aber ich hätte diese Rolle niemals übernommen, weil mir das alles viel zu nahe geht. Ich habe mit dem Buch diesen Teil meines Lebens hinter mir gelassen und ich möchte diese Pandora-Büchse nicht wieder öffnen. Deshalb habe ich mir den Film auch gar nicht angesehen. Ich bin froh, daß ich das alles überstanden habe. Wenn Sie heute zurückblicken, was würden Sie als den wichtigsten Moment in Ihrem Leben bezeichnen? Das war, als ich 30 wurde. Ich saß im Flugzeug und mein bisheriges Leben lief an mir vorbei. Ich dachte darüber nach, was in den vielen Jahren passiert war und was im Moment um mich herum geschah. Dadurch wurde mir klar, was ich im Leben wirklich wollte. Allerdings brauchte ich lange, um herauszufinden, wie ich das erreichen könnte. Als Superstar leben Sie ständig im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Fühlen Sie sich manchmal als Gefangene des Erfolgs? In gewisser Weise schon. Aber meine Meinung von Freiheit hat sich verändert, als ich beschloß, keine Gefangene meines Erfolgs zu sein. Ich werde weiter selbst Auto fahren und einkaufen. Ich werde auch weiter Autogramme geben, weil ich meine Fans nicht vor den Kopf stoßen möchte. Natürlich brauche ich manchmal meine Ruhe. Aber ich habe beschlossen, normal zu leben, und das bedeutet, daß ich keine Angst vor meinen Fans habe. Sie kommen in diesem Jahr wieder auf Tour, obwohl Sie angekündigt hatten, es nicht mehr zu tun. Woher kam dieser Sinneswandel? Das war bloß ein Gerücht, das beim Film "I Tina - What's Love Got To Do With It" aufkam. Da gab es den Wunsch, daß ich eine Tour mache. Aber ich hatte die Pause eingelegt, die ich schon lange geplant hatte. Bei der letzten Tour ging es immer Schlag auf Schlag. Ich hatte irgendwann von mir selbst genug. Jetzt habe ich das Gefühl, zurückzukehren. Ich muß nicht! Aber die neuen Songs brachten mich dazu. Diese Tour ist etwas Besonderes, denn Sie stehen jetzt seit vierzig Jahren auf der Bühne Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Aber es stimmt! Insofern wird es eine Jubiläumstour. Ich freue mich auf das Publikum in Europa, weil es immer sehr gut zu mir war. Es wird ein paar Überraschungen geben und eine ganz besondere Herausforderung für mich. Die verrate ich jedoch noch nicht. Aber es können mich alle beim Wort nehmen: Es wird gut! Sagen Sie doch noch etwas zu Ihrem neuen Album! Trevor Horn hat sieben Songs produziert. Ich war diesmal nur im Studio, um meine Gesangsparts aufzunehmen. Deshalb traf ich keinen der beteiligten Musiker. Trevor erzählte mir, daß er noch nie mit einer Sängerin wie mir zusammengearbeitet hätte. Sonst braucht er immer ewig lange, um die Songs zu produzieren. Ich aber stellte mich vors Mikro und nach drei, vier Takes war der Song fertig. Er meinte: "Oh, jetzt habe ich nichts mehr für dich zu tun." Für mich war es ein großes Kompliment, als er mir sagte, daß ich so gut gesungen habe. Trevor ist sehr, sehr genau, aber auch sehr erfolgreich. Mit wem haben Sie noch zusammengearbeitet? Ganz besonders freute ich mich über die beiden Songs von Terry Britten. Er schrieb "What's Love Got To Do With It" - meine erste Nummer eins in den USA. In den letzten Jahren war es sehr ruhig um ihn geworden, Ich glaube, er hatte ein bißchen Selbstvertrauen eingebüßt. Aber jetzt kehrt er mit zwei phantastischen Songs zurück. Außerdem war ich mit Neil Tennant von den Pet Shop Boys und deren Produzenten Chris Porter im Studio. Es hat sehr viel Spaß gemacht, das ganze Album ist mir leicht gefallen. Sie haben als Sängerin eigentlich alles erreicht, was möglich ist. Haben Sie noch einen Traum? Es wäre großartig, wenn David Bowie, Bono, The Edge, Bruce Springsteen und ich gemeinsam auf Tour gehen würden - mit unseren eigenen Songs, mit unseren Duetten und zum Schluß alle zusammen auf der Bühne. So eine Tour wäre mein Traum. +++

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