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Umsiedlungsvertrag garantiert weitreichende Rechte: Umzügler aus Diepensee sollen auf nichts verzichten müssen

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Wenn heute um 16 Uhr mit viel Prominenz am Flughafen Schönefeld der Umsiedlungsvertrag für Diepensee und einen Teil von Selchow unterschrieben wird, wird es viele lachende Gesichter geben. Der Bund, Brandenburg und Berlin haben eine wichtige Hürde für den Bau des umstrittenen Großflughafens genommen, die Lokalpolitiker können sicher sein, daß keiner der vom Umzug Betroffenen materielle oder finanzielle Einbußen hinnehmen muß. "Niemand soll nach dem Umzug schlechter gestellt sein", beschrieb Schönefelds Amtsdirektor Udo Haase das Grundanliegen des fast 50 Seiten langen Vertrages. Festgeschrieben ist das Entstehen von Neu-Diepensee in dem Königswusterhausener Ortsteil Deutsch Wusterhausen von der Erschließung des Areals bis zum Setzen der letzten Straßenlaterne. "Zur Zeit bereiten wir dafür einen städtebaulichen Wettbewerb vor", sagte Haase. In Neu-Diepensee sollen die genau 350 Bewohner nicht nur wenigstens äquivalenten Wohnraum erhalten, sondern auch auf Feuerwehr, Kita, Freizeithaus und Gemeindebüro nicht verzichten müssen. Mit Hauseigentümern sowie Gewerbetreibenden werden gesonderte Verträge geschlossen, in denen die Ansprüche aufgelistet sind. Oberstes Prinzip: Neu für alt. Vergütet werden selbst Ertragsausfälle, weil der alte Obstgarten nicht mitgenommen werden kann. Die Umsiedlungskosten von wenigstens 180 Millionen Mark teilen sich das Hochtief-Konsortium sowie der Bund, Berlin und Brandenburg. Im Vertrag sind auch soziale Klauseln aufgenommen. So sollen die Umzügler bei neuen Arbeitsplätzen auf dem jetzigen Flughafen und dem geplanten Großflughafen bevorzugt eingestellt werden. Gleiches gilt für Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen. Für unabhängige Rechts-, Steuer- und Finanzberatungen, die durch den Umzug nötig werden können, stehen den Betroffenen Zuschüsse von drei- bis zehntausend Mark bereit. Die Planungen für Neu-Diepensee sollen bis zum Jahr 2001 abgeschlossen sein. Der Umzug ist für Ende 2004 vorgesehen. Nach Angaben des Bürgervereins Brandenburg-Berlin will ein Grundstücksbesitzer seine Umsiedlung mit einer Klage verhindern. Die 25 betroffenen Einwohner von Selchow ziehen unter gleichen Bedingungen nach Großziethen.

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