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Warum die Bankgesellschafts-Tochter IBAG ihren geschäftstüchtigen Chefaufseher verliert: Superprovision für Salditt

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BERLIN, 28. Februar. Die Manager der Bankgesellschaft Berlin haben es nicht leicht. Nach diversen Vorstandsmitgliedern und etlichen nachgeordneten Geschäftsführern trifft es nun auch den amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Immobiliendienstleistungstochter IBAG, Fritz Salditt. Nach Informationen der "Berliner Zeitung" muss Deutschlands wohl bekanntester Steuerberater seinen repräsentativen Aufsehersessel in Berlin bald räumen. Die IBAG selbst bestätigte: Im Zusammenhang mit der milliardenschweren Abschirmungsvereinbarung von Risiken aus dem Immobiliendienstleistungsgeschäft der Bankgesellschaft Berlin AG und deren Tochtergesellschaften mit dem Land Berlin - die Mitte März vom Abgeordnetenhaus mit jährlichen Folgelasten für die Steuerzahler von mindestens 300 Millionen Euro beschlossen werden soll - sei eine Neubesetzung des Aufsichtsrates der IBAG geplant. Und weiter: Damit wolle man "den speziellen Erfordernissen der Abschirmungsvereinbarung Rechnung" tragen und zugleich die Gremienarbeit des Konzerns optimieren. Üppiges Honorar Wie höflich formuliert. Tatsächlich war der abrupte Salditt-Abgang kaum zu vermeiden, nachdem die "Berliner Zeitung" zu Beginn dieses Monats berichtet hatte, dass der IBAG-Chefkontrolleur sein Aufsichtsmandat zu einer kräftigen Aufstockung seines persönlichen Einkommens nutzte. Inzwischen wird das Bild immer klarer: Für den hoch angesehenen Steuerfachmann aus Düsseldorf liefen die Geschäfte rund um die Hauptstadtbank wie geschmiert. Er selbst bestreitet jeden Rücktrittsdruck (siehe Beitrag unten.) Kurze Rückblende für den Überblick: Anfang des Jahres 2000 hatte die Bankgesellschaft die Fonds-Philosophie der IBAG-Vorläuferfirma IBG entscheidend verändert, um das Risiko fortan deutlich zu begrenzen: Nach einer kräftigen Kapitalaufstockung sollte die IBG nur noch solche Immobilienfonds auf den Markt bringen, für deren Risiken der mehrheitlich landeseigene Bankkonzern nicht mehr in Haftung zu nehmen war. Auch sollte die IBG zur Finanzierung der Fondsobjekte, die bis dahin größtenteils durch die Bankgesellschaftstöchter erfolgte, verstärkt Drittbanken in Anspruch nehmen. Um diese Umstellung zu erleichtern, beschloss der Ex-Vorstandschef der Bankgesellschaft und damalige IBG-Aufsichtsratschef Wolfgang Rupf, auch externe Experten in das Kontrollgremium der IBG zu berufen - einer davon war: Fritz Salditt. Er hatte sich in der Branche längst einen Namen als gewiefter Steuerprofi gemacht - auf diversen Veranstaltungen pries er auch die Vorzüge von steuersparenden Fonds-Anlagen. Dieses Know-how sollte der Düsseldorfer Steuerfuchs nun auch zu Gunsten der Bankgesellschaftsprodukte einsetzen. Offenbar nur allzu gern kam Salditt der Einladung nach - war ihm doch im Rahmen dieser "Vertriebsoffensive" pro Veranstaltungstag ein üppiges Nettohonorar von 12 500 Mark (6 390 Euro) zuzüglich Reisekosten und Umsatzsteuer zugesichert worden. Aus Salditts Sicht waren das durchaus Schnäppchenkonditionen, wie er per Brief vom 27. April 2000 herausstellte: "Bei der Honorarhöhe bitte ich um Berücksichtigung, dass die Normalhonorare bei mir auf Grund der bekannten Gesetze von Angebot und Nachfrage Mark 16 000,00 erreicht haben." Wie bereits berichtet, erzielte der umtriebige IBAG-Aufsichtsrat Salditt allein durch seine Teilnahme an solchen Vertriebsforen der Bankgesellschaftsfonds-Tochter Zusatzeinkünfte von weit mehr als 100 000 Mark. Doch das reichte Salditt nicht. Er bot dem Konzern an, weitere renommierte Vertriebspartner für den Konzern zu gewinnen - unter einer Bedingung: Sinn machen würde dies allerdings nur, so der Steuerexperte in einem Schreiben an Ex-Konzernvorstandsmitglied Thomas Kurze vom April 2000, "wenn das bekannte Garantiepaket" der Bankgesellschaftsfonds "nicht entscheidend geschwächt wird". Der Anlageerfolg der IBG-Fonds seien nämlich "überwiegend von diesen Garantien abhängig". Und dann kam noch ein heißer Tipp vom Profi: Sollten die Garantien im Konzernvorstand in Frage gestellt werden, so Salditt an Kurze, müssten sie "sehr früh abgewürgt werden". Denn die langfristigen Pläne der IBG - gemeint ist der damals noch anvisierte Börsengang der Immobilientochter - ließen sich nur "bei entsprechenden Vertriebserfolgen realisieren". Ähnlich geschäftstüchtig argumentierte Salditt auch bei seinen Bemühungen, das IBG-Vertriebsnetz zu erweitern. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt wollte einen nicht minder prominenten Partner aus der Rheinstadt Düsseldorf gewinnen - Mario Ohoven, im Nebenberuf Chef des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), bei dem es zurzeit turbulent zugeht. Salditt wollte die Investor- und Treuhandgesellschaft Ohovens für die Bankgesellschafts-Produkte einnehmen: Als Aufsichtsratsmitglied der IBG, "die sämtliche Immobilienaktivitäten der Bankgesellschaft bündelt", und als Mitglied des IBG-Anlageausschusses könne er mitteilen, dass hier "hochinteressante Produkte unter Einbeziehung der steuerrechtlichen Dinge entwickelt" würden. Und "natürlich" würden diese Produkte, wie bei der Bankgesellschaft üblich mit vernünftigen Garantien abgesichert, so dass den Ohoven-Vertriebsleuten "damit ein Bankprodukt und entsprechend risikoarmes Anlageangebot" an die Hand gegeben werde. Die Anwerbung weiterer Vertriebspartner verfolgte Salditt keineswegs ohne Hintersinn. So informierte Salditt ebenfalls am 27. April 2000 die Geschäftsführung der IBG-Vertriebstochter, dass er "wunschgemäß" Kontakt zu Ohoven und auch zur Geschäftsleitung der Germania AG München aufgenommen habe. Komme es hier tatsächlich zu den angestrebten Vertriebsbündnissen, dann sei, so Salditt wörtlich, "darauf zu achten, dass eine kleine ,Superprovision für die Finanzberatung Salditt eingeplant und eingebaut wird". Ein dergestalt umtriebiges Interesse an der Wahrung des eigenen Vorteils muss dem Ex-Bankgesellschafts-Chef mächtig imponiert haben. Denn als sich Rupf im April letzten Jahres - zu einem Zeitpunkt also, als die Berliner Öffentlichkeit längst wusste, dass die Bank mit ihren Fonds-Aktivitäten in eine milliardenschwere Schieflage geraten war - aus der Chefaufseher-Funktion bei der Immobiliendienstleistungstochter zurückzog, ließ er ausgerechnet Salditt zum Nachfolger bestellen. Damit verbunden war eine kräftige Anhebung der Aufwandsentschädung für den cleveren Steuerberater, dem als IBAG-Aufsichtsratschef ergänzend zu seinen Veranstaltungshonoraren nun ein offizielles Grundsalär von jährlich 150 000 Mark (76 530 Euro) zugestanden wurde. Kaum vier Wochen im neuen Amt, wurde Salditt zu Lasten der IBAG erneut in eigener Sache tätig. Am 15. Mai 2001 bestätigte eine Münchner IBAG-Tochter Frau Annegrete Salditt eine "mit Ihrem Ehemann getroffene Vereinbarung über die Zuführungsprovision", die erstmals zum Jahresende 2001 abgerechnet werde. Die Ehefrau Salditts sollte danach mit einem Prozent an jenen IBAG-Umsätzen beteiligt werden, die angeblich auf ihre Initiative über eine Münchner-Drittfirma getätigt wurden. In einem der "Berliner Zeitung" vorliegenden Schreiben stellte denn auch die unter Fritz Salditts Ratinger Privatanschrift residierende "Annegrete Salditt Finanz- und Wirtschaftsberatung" der IBG-Tochter Bavaria am 31. Dezember 2001 entsprechende Leistungen in Rechnung: "Für die Vermittlung von Vertriebsumsätzen" sei "gemäß der mit Ihnen getroffenen Vereinbarung im Kalenderjahr 2001" eine Provision von 25 851 Mark plus 16 Prozent Umsatzsteuer zu überweisen. Mit Datum vom 29. Januar 2002 bestätigte die Münchner IBAG-Tochter den Provisionsanspruch und bat intern unter Hinweis auf die mit dem IBAG-Aufsichtsratschef Salditt ausgehandelte Vereinbarung um Anweisung des Provisionsbetrages von brutto 29 987,186 Mark (15 332 Euro) auf das von Annegrete Salditt angegebene Ratinger Sparkassenkonto. ZB/PETER ENDIG Logo der Bankgesellschaft am Sitz in Berlin-Mitte: Milliardenrisiken aus dem Immobiliendienstleistungsgeschäft belasten das Geldinstitut.

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