Zitadelle zeigt jetzt Werke der beiden Spät-Impressionisten / Spandau aus allen Blickwinkeln / Leben und Tod in Falkensee: Zank und Gericke - eine erfolgreiche Malsymbiose

Spandau hatte und hat nicht viele Künstler, deren Namen auch jenseits der Bezirksgrenzen einen guten Ruf haben. Zwei der raren Ausnahmen werden jetzt wieder einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt: Hans Zank und Willi Gericke. Gericke wurde vor 100 Jahren in der Havelstadt geboren. Zank vier Jahre später in Berlin. Zu Ehren der beiden und aus Anlaß von Gerickes 100. Geburtstag zeigt eine Ausstellung auf der Zitadelle 123 Werke des Malerpaars, das dem Spät-Impressionismus zugerechnet wird. Vor allem in den 20er Jahren malten sie jedoch auch expressionistisch, geprägt von Künstlergruppen um Max Beckmann oder Emil Nolde. Zu Beginn der Nazizeit flüchteten Zank und Gericke sich in die innere Emigration. Düstere Farben und Stimmungen wurden von lichtvollen Harmlosigkeiten abgelöst. Beliebtestes Motiv von Zank und Gericke zu allen Zeiten: Spandau aus allen Blickwinkeln. Ermöglicht wurde die Ausstellung durch die Galerie "pro Art" in Verden an der Aller. Die Niedersachsen hatten 1981 das Gesamtwerk (etwa 1 700 Werke) gekauft, das vorher im desolaten Zustand in DDR-Archiven vermoderte. Der Galerist restaurierte, rahmte, katalogisierte, verkaufte und brachte schließlich ein Buch heraus, das das gesamte uvre der Spandauer Maler zeigt. Es wird auf der Ausstellung für 39 Mark verkauft. Zank und Gericke waren unter kunstinteressierten Spandauer Zeitgenossen sehr bekannt. Unter diesen fanden sie auch Mäzene. So versorgte ein Hotelier sie mit Naturalien oder ließ sie in einem seiner Hotels an der Müritz wohnen und arbeiten. Schon damals hatte sich "Zank-Gericke" zu einem stehenden Begriff entwickelt. Zunächst hatten sie ein gemeinsames Atelier an der Ruhlebener Straße, bald danach an der Charlottenstraße. Im Juli 1945 bezogen sie ein Haus in Falkensee, direkt am Falkenhagener See. Im Nachbarort starb Zank 1967, Gericke drei Jahre später. In Falkensee liegen sie auch begraben - in einem gemeinsamen Grab. Im Laufe der Jahre entwickelten Zank und Gericke eine regelrechte Symbiose. Bis auf wenige Ausnahmen ist kein Bild von einem der beiden signiert. Dann ist es selbst für Kenner unmöglich, es exakt einem zuzuordnen. Viele Bilder hatten sie tatsächlich auch gemeinsam gemalt. "Zum Schluß hatten sie sogar die selbe Handschrift", erzählt Kunsthistoriker Heinrich Wolter. Von einem Schüler Zanks erfuhr Wolter aber auch: "Es gab nicht nur Zank und Gericke. Es gab zwischen ihnen auch mal Zank und Streit."Elmar Schütze Die Ausstellung im Palas der Zitadelle ist bis zum 30. Juli zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 1,50 Mark.

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