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Zu viel Zimt kann krank machen - und er steckt nicht nur im Weihnachtsgebäck: Milchreis bitte bloß mit Zucker

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Jedes Jahr kommt eine neue Gefahr. Kaum spricht man nicht mehr über Acrylamid in Spekulatius und auf Butterkeksen, da sollen nun Zimtsterne gefährlich sein. Dabei wurde Zimt eben noch als gesund angepriesen. In den Drogeriemärkten gibt es Zimtkapseln, mit denen Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel senken sollen. Und Jörg Zittlau, bekannt als kritischer Wissenschaftsjournalist, empfiehlt Zimt in seinem Buch "Der Lebensmitteldoktor" als "das richtige Gewürz für die Nachmittagsmahlzeit: Er wirkt gleichzeitig beruhigend und energiezuführend." Ernste Warnung Aber der üblicherweise für Gebäck und Süßspeisen verwendete Zimt kann wirklich gefährlich sein. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch forderte jetzt sogar eine Rückrufaktion. Der Foodwatch-Chef Thilo Bode sagte: "Hersteller, Handel und Behörden müssen endlich alle Produkte aus den Regalen nehmen, deren Cumarin-Gehalt über dem gesetzlichen Grenzwert liegt." Und das sind vor allem Zimtprodukte wie Weihnachtsgebäck, Müsliriegel oder Glühwein. Das Gewürz Zimt wird aus zwei verschiedenen Pflanzen gewonnen. Die Rinde des in Sri Lanka heimischen Ceylon-Zimtbaums, auch Echter Zimtbaum oder Kaneel-Zimt genannt, ist sehr aromatisch und dient seit rund fünfhundert Jahren in Europa als Gewürz. Sie enthält in geringem Maße auch den gesundheitsschädigenden Stoff Cumarin. Viel mehr Cumarin enthalten ist in der Zimtkassie, einem Gewächs, das aus China stammt und auch so eine würzige Rinde hat. Cassia-Zimt ist auf dem Weltmarkt billiger - und außerdem in der Verarbeitung ergiebiger, weil er stärker aromatisch wirkt. Doch das Cumarin darin kann in hohen Dosen zu Schädigungen der Leber führen sowie Kopfschmerzen und Schwindel verursachen. Im Tierversuch wurde auch eine krebsfördernde Wirkung nachgewiesen. Dieser Verdacht hat sich beim Menschen bisher nicht bestätigt. Anders als beim Acrylamid, einem Gift, das beim Backen oder Braten entsteht, gibt es für die Aufnahme von Cumarin Grenzwerte. Erstmals im Jahr 2004 hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit einen Grenzwert festgelegt, unterhalb dessen keine gesundheitsschädigende Wirkung zu befürchten ist. Er beträgt 0,1 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht. Deshalb unterscheiden sich auch die Angaben, wie viel Zimtprodukte ein Mensch verzehren kann, für Kinder und Erwachsene. Den Zimtkapseln für Diabetiker gegenüber hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) "schwerwiegende Bedenken". Für Lebensmittel legt die deutsche Aromenverordnung fest, dass sie nur zwei Milligramm Cumarin pro Kilogramm enthalten dürfen. Und doch haben die Lebensmittelprüfer der Bundesländer in Zimtsternen in diesem Jahr oft 30 bis 40 Milligramm Cumarin pro Kilo Gebäck gefunden. Wer nur die Fragen und Antworten, die das BfR zum Thema Zimt herausgegeben hat, liest, mag sich einigermaßen in Sicherheit wiegen. Denen zufolge muss man sich lediglich an die Verzehrempfehlungen halten. Kinder sollten pro Tag nur noch eines der folgenden zimthaltigen Lebensmittel essen: vier Zimtsterne à 5,6 Gramm, einen Lebkuchen à 30 Gramm, 200 Gramm Milchreis mit Zimt und Zucker, zwei Müsliriegel à 35 Gramm oder 75 Gramm Fertig-Müsli. Erwachsene dürfen immerhin acht Zimtsterne oder zwei Lebkuchen und 100 Gramm Müsli essen, für den Rest bleiben die Grenzwerte gleich. Aber wer sagt eigentlich dem Kinde, wenn es mittags in der Schule Milchreis gibt, dass es ja nur einen Löffel der süßen Mischung darauf streuen darf? Wer passt auf, dass dann nicht nachmittags auch noch Lebkuchen verteilt werden? Und ist es nicht ein merkwürdiges Gefühl, zu wissen, dass das Kind vielleicht monatelang morgens nur Mini-Zimties oder Zimtos gegessen hat? Die Hersteller von Zimtgebäck überprüfen jetzt ihre Rezepturen, heißt es. "Diese Umstellung benötigt aber ein gewisses Zeitfenster", teilt der Verband der Süßwarenindustrie mit, "und ist nicht möglich für bereits produzierte Lebensmittel." Nach den jüngsten Tests von Foodwatch werden noch zahlreiche Produkte mit deutlich überhöhtem Cumaringehalt verkauft. Es gibt aber auch Zimtsterne ("Wintertraum", bei Aldi Süd), Müslimischungen (Knuspermüsli mit Apfel und Zimt von Kölln) und Weihnachtsschokolade (Lindt), bei denen der Grenzwert nicht überschritten wurde. Wenn Zimt nur in geringen Mengen, überwiegend Ceylon-Zimt oder nur Zimtaroma verwendet wird, sinkt der Gehalt von Cumarin. Genießer sind selber schuld Eine Sicherheit darüber, wer sich derzeit an die Grenzwerte hält und wer nicht, gibt es nicht. Die kritischen Mengen sind zwar bereits im Frühjahr festgestellt, doch erst im Herbst veröffentlicht worden. Und das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel ist zwar über die Internetseite des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit einsehbar, doch die Meldungen erfolgen anonym. Bereits im Juni teilte das BfR intern mit: "Um die hohe Cumarin-Exposition bei direktem Verzehr (z.B. Milchreis mit Zimt und Zucker) zu vermeiden, wären gegebenenfalls gesetzgeberische Maßnahmen anzustreben." Es blieb bei Verzehrempfehlungen. Wer zu viel Cumarin zu sich nimmt, ist selber schuld. Für den Bundesbürger ist es immer noch am sichersten, sich selbst um das eigene Wohl zu kümmern. ------------------------------ Unerwünschte Nebenwirkungen Das Gewürz Zimt wird aus zwei verschiedenen Pflanzen gewonnen, dem Ceylon-Zimtbaum und der Zimtkassie. Cassia-Zimt enthält mehr von dem Inhaltsstoff Cumarin, der in bestimmten Mengen gesundheitsschädigend wirkt. Die Herkunft des Zimts ist auf der Verpackung meist nicht deklariert. Bei Zimtpulver ist es für den Laien nicht möglich, Ceylon- und Cassia-Zimt auseinander zu halten. Zimtstangen lassen sich besser unterscheiden. Bei Cassia-Stangen ist eine relativ dicke Rindenschicht zu einem Röllchen eingerollt. Ceylon-Zimt-Stangen wirken viel enger gerollt. Die Rindenschichten sind dünner, so dass die Stange im Querschnitt einer angeschnittenen Zigarre gleicht. ------------------------------ Foto: Cassia-Zimt ist aromatisch, doch nur in Maßen gesund. ------------------------------ Foto: Die Innenrinde der Schösslinge des Zimtbaums wird in Sri Lanka zum Trocknen vorbereitet.

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