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Zwei seltene Kaltblut-Pferde ziehen jetzt Baumstämme aus dem Wald von Hakenfelde: "Momos" Vorfahren arbeiteten für die Wikinger

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Zwei Schleswiger Pferde haben am Dienstag ihre Arbeit im Spandauer Forst aufgenommen. Die Wallache "Momo" und "Nordstern" ziehen gefällte Baumstämme aus dem Wald. Sie gehören zu einer Rasse, von der es nur noch etwa 200 Tiere in Deutschland gibt. Die Vorfahren der Schleswiger Pferde dienten schon den Wikingern als Arbeitstiere. "Wir wollen dazu beitragen, den Bestand der Schleswiger Pferde zu erhalten", sagt Dirk Küster, Förster im Revier Hakenfelde. Für ihn sind die Tiere eine umweltschonende Alternative zum Einsatz von Maschinen. So können die Pferde gefällte Baumstämme aus dem Wald ziehen, ohne dass eine Schneise geschlagen werden muss. Gab es nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch 20 000 Zuchtstuten dieser Kaltblüterrasse, wären die Schleswiger Mitte der 70er Jahre beinahe ausgestorben. Der Verband der Schleswiger Zuchtvereine kreuzte die noch 20 lebenden Exemplare mit anderen Pferderassen. So wurden die Schleswiger mit französischen Boulognerhengsten gepaart. Inzwischen gibt es wieder 230 Schleswiger. Warmblut wäre durchgegangen Zunächst müssen sich die Pferde eingewöhnen. Während "Momo" sich am Dienstag im verschneiten Wald in Hakenfelde führen lässt, bockt der junge Wallach "Nordstern", als sich die Leine verheddert. Hartmut Wedde, seit 15 Jahren Pferdeführer in Berlin, hat Mühe, das Tier wieder zu beruhigen, um das Gespann wieder zu entwirren. "Gespannführer und Pferd müssen sich aneinander gewöhnen", sagt Hermann Drechsler. Er ist einer der beiden Züchter, die aus Norddeutschland angereist sind, um sich zu überzeugen, dass die Tiere gut untergekommen sind. "Wenn sie ein richtiges Paar geworden sind, reagiert der Wallach auf Zuruf." "Ein Warmblut wäre bereits durchgegangen", sagt Ralf Hohenstein, ebenfalls Mitglied des schleswig-holsteinischen Züchterverbands. Mit der neuen Heimat ihrer Zöglinge sind beide zufrieden. "Hier kriegen die Tiere Heu", sagt Hartmut Drechsler. "Bei uns in Mollhagen mussten sie sich mit Gras begnügen." Insgesamt 12 Pferde werden in Berliner Wäldern zum Abtransport von Holzstämmen eingesetzt, zwei davon in Spandau. Da ein Tier kürzlich starb und der Hengst "Vergil" zur Zeit krank ist, beschloss die Forstverwaltung, bei dem Züchterverein im schleswig-holsteinischen Mollhagen die beiden drei und fünf Jahre alten Tiere für jeweils 6 000 Mark zu kaufen. Schleswiger Pferde wiegen etwa 800 Kilogramm und werden wegen ihres ruhigen Temperamentes zu den Kaltblutpferden gerechnet. FORSTARBEIT Tiere als Alternative zu Maschinen // 12 Arbeitspferde werden im Spandauer und Tegeler Forst sowie im Wald des Bezirks Köpenick eingesetzt. Die neuen Kaltblüter gehören zu einer seltenen Rasse. Mit 800 Kilogramm wiegen sie soviel wie ein Auto. Berliner Forstleute nutzen seit einiger Zeit immer mehr Pferde als umweltschonende Alternative zu Maschinen.

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